Kabarett

Michael Sens: Humor von skurril bis makaber

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Hase, Hase Hase, sprach „Merkel“ Michael Sens im Bistro K zu „Bushido“ und schon ging das bislang verborgene Geturtel der beiden los. Mit Wort, Musik und Mimik, die Bände sprach.

Lüdenscheid - Der Berliner Kabarettist Michael Sens legte munter los im Bistro K, nahm sich erst einmal selbst ein wenig auf die Schippe. Später dann ging es weiter mit Liszt und Tücke.

Ein Kabarettist, der gerne auch seriös und glaubwürdig wirkt, bedarf eines entsprechenden Aussehens. Michael Sens hat da so seine eigenen Vorstellungen: Seine Haut sei so glatt gewesen, dass sie gespannt habe.

So hat er sich Krähenfüße machen, die Zähne mit Gelbschimmmer belegen lassen. Sein Sixpack sei nun verdeckt durch eine Injektion aus Lampen- und Olivenöl. „Da musst du ständig nachlegen“.

Das Haar wurde verdünnt, eine Tonsur eingefräst. Pfeffergraue Farbe macht sich auch besser. Skurril bis makaber kommt der Humor von Michael Sens herüber, aber zwischen seine groben Hämmer, bei denen einem im Bistro K schier das Lachen im Hals stecken blieb, machte er sich an unterhaltsame Geschichten und Geschichtchen, wies eine Zuschauerin in treffliches Eintonspiel am Piano ein.

Ausgiebig widmete sich Sens natürlich dem Betriebsstoff vieler Musiker, dem Alkohol. Dabei ging es rasant zu, schließlich plauderte Sens gemütlich weiter, während er vergnügt Werke zitierter Komponisten anspielte.

Das klanggerechte Exempel zum historischen Befund des Alkoholismus. Liszt trank morgens gerne einen Fiaker, aber mit wenig Kaffee im Cognac, mittags Wein, Cognac mit Wasser, aber kräftig. Abends wusste er gut nachzulegen, pflegte auch eines der damaligen Modegetränke für den Herrn von Welt: Rotwein mit reichlich Cognac.

Respekt mag man da sagen, weiß aber zugleich, weshalb nicht wenige seiner Werke schwer spielbar sind. Alles eine Frage des Levels. Der an TBC erkrankte Chopin habe sich derlei Genüssen nicht hingeben können, sinnierte Sens. Wie aber kam Chopin ohne Suff zu so vielen Kompositionen? „Der war ständig offline gewesen.“ Chopin, so hielt Sens vor, habe kein Twitter-Account, aber auch keine Facebook-Präsenz gehabt und sein „Business lief ohne Xing.“

Im Falle Beethovens verwies der Kabarettist auf den Circulus Vitiosus von sinkender Hörleistung und steigendem Weinkonsum. Der Wein aber soll mit Bleizucker gesüßt gewesen sein. Dies führte zum Nachlassen des Gehörs, weshalb der traurige Beethoven wieder zum gesüßten Wein gegriffen haben soll.

 Tschaikowskys Klavierkonzert Nummer 1 nahm Sens auf, um wunderschöne Plagiate mit Bezug auf dieses Werk zu zitieren. Die Titelmelodie von Biene Maja, „Let it Be“ oder „You Are Beautiful.“ Den Bundestag ließ Sens im Suff aufleben. Ein Whistleblower hatte ihm verraten, dass Merkel mit Bushido turtelt.

Da geisterte auch noch Udo Lindenberg herum und außerdem erfuhr das Publikum von Dur und Moll, Kirchentonarten und der Erfindung des Formaldehyds. Keiner wusste genau, worum es ging, aber weil’s immer wieder auch geistreich war und bisweilen sanft in die Mitte der Gesellschaft hinein gespiegelt wurde, war das ein hinreichend unterhaltsamer Abend.

Einer, der auch durch diverse Reimlichkeiten Pep erhielt. Kam noch hinzu, dass Sens ein Tausendsassa am Instrument ist, über Stimme verfügt und eine sympathische Berliner Schnauze ist. Auch seine kleinen Seitenhiebe auf die neue Generation der Däumlinge, den Nachwuchs am Handy, nahm das Publikum erfreut auf.

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