Hulda und Onkel Willi, die Tresen-Philosophen

Zwei seit Jahrzehnten stadtbekannte Originale sind Onkel Willi mit seinem Hund Felix und die Gastwirtin Hulda Brüninghaus, Namensgeberin der Gaststätte Hulda am Markt. Die LN lassen die beiden nun wieder aufleben – damit sie sich an jedem Samstag über Gott und die Welt und natürlich über Lüdenscheid unterhalten können. Viel Spaß!

Hulda steht hinter der Theke und spült Gläser. Da betritt Onkel Willi das Lokal, natürlich mit Felix an der Leine. Ächzend wuchtet er seinen schweren Körper auf einen der Hocker.

Hulda: Ach, dass du dich mal wieder sehen lässt. Ich dachte schon, du wolltest nix mehr von mir wissen.

Onkel Willi: So’n Quark. Du weißt doch, Durst vergeht nicht. Tu mir mal ‘n Pils und ‘n Strubbeligen, Hulda.

Hulda: Und – was gibt’s Neues?

Onkel Willi: Neues? Hör bloß auf, sonst läuft mir die Galle über. In der ganzen Stadt holzen die Dösköppe jetzt die Bäume ab. Guck dir das doch an. Ich sag’ nur Noelle-Villa und Hohfuhrstraße. Und dann erst der schöne Ahorn im Rosengarten und bald auch noch die alten Bäume auf dem Knapper Schulhof. Ich könnte heulen.

Hulda: Ach, nun mach mal halblang. Der Ahorn ist nun mal krank. Das haben Experten rausgefunden. Aber du witterst ja immer gleich eine Verschwörung. Als wenn im Rathaus lauter Leute sitzen, die nix Besseres zu tun haben, als Bäume um die Ecke zu bringen. Und an der Hohfuhrstraße sollen doch schicke neue Häuser entstehen.

Onkel Willi: Klar, für die, die sich’s leisten können! Besserverdiener... Wenn ich das schon höre. Aber die verdienen es ja auch nicht besser, als alle auf einem Haufen zu hocken. Und ihre Gattinnen spielen dann alle Bridge, statt einen anständigen Skat zu kloppen.

Hulda: Willi, du alter Knöterkopp. Ist doch schön, wenn jeder seinen Platz im Städtchen findet. Ich weiß gar nicht, was du immer hast.

Onkel Willi: Jaja, ist schon gut. Und was ist mit der – wie sagen die noch – Humboldt-Villa? Ich kenn’ die sowieso als Noelle-Villa oder von mir aus Villa Hueck. Da werden doch auch Bäume gefällt.

Hulda: Kerlokiste, Willi – in dem Park da stehen doch nun wirklich noch viele Bäume. Und überhaupt: Wenn wir in Lüdenscheid irgendwas genug haben, dann doch wohl Wald.

Onkel Willi: Und dann wird das doch sowieso wieder nur was für die Geldsäcke. Zu trinken gibt’s in dem Restaurant dann bestimmt kein Pils, sondern nur irgendeine Rotwein-Plörre.

Hulda: Willi, jetzt hör mal auf. Die haben ganz bestimmt auch Pils. Und wenn du dir mal was anderes als deinen ollen Mantel anziehst, dann freuen die sich bestimmt, dich auch mal dort zu sehen.

Onkel Willi: Ich hör nicht auf! Ein Feinkostladen soll auch noch da rein. Wenn ich das schon höre! Wer braucht denn Truthahn-Salami aus Nord-Albanien oder linksgewickelten Joghurt von glücklichen neuseeländischen Deichlämmern?

Hulda: Ich weiß: Für dich ist alles, was nach der Potthucke erfunden worden ist, neumodisches Gedöns. Aber es gibt eben auch Leute, die gern mal so was essen.

Onkel Willi: Ist ja gut. Haste mal ein glückliches Kotelett für mich – mit viel Senf?

Hulda: Den Senf gibst du doch sowieso zu allem dazu. Pass bloß auf, dass du mir den Laden hier nicht zum Angstraum machst!

Onkel Willi: Angstraum? Auch so ein neumodischer Quatsch! Der einzige Angstraum, den ich kenne, ist mein Wohnzimmer, wenn meine Olle wieder mal auf Hundertachtzig ist. Aber ist ja auch egal, Hulda. Tu mir noch ‘n Pils und ‘n Strubbeligen. Und dann geh ich mit Felix wieder nach draußen, woll!?

- Willy Finke

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