Behindertengerecht?

LN-Umfrage zeigt: Lüdenscheider Hotels sind nicht wirklich barrierefrei

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Ingrid Stourm-Müller und ihr Mann Horst vermissen rollstuhlgerechte Hotelzimmer in Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Barrierefrei zu sein – diese Hürde können Lüdenscheider Hotels nicht nehmen. Das ergab eine Umfrage der Lüdenscheider Nachrichten. Was tun? 

Eine kurze Umfrage unserer Redaktion unter Beherbergungsbetrieben zeigt: Vereinzelt wäre eine Übernachtung für Rollstuhlfahrer wohl möglich. Aber es reicht nicht, um beispielsweise das Dehoga-Zertifikat „Reisen für alle“ zu bekommen. Die Übersicht: 

  • Hotel "Zum Markgrafen": Marcus Kaufmann hat zwar „behindertengeeignet“ in der Hotelbeschreibung stehen, will den Hinweis aber entfernen. Über eine Rampe komme man im Nebengebäude ins Zimmer, aber nicht zum Frühstück ins Haupthaus – wegen der Treppen. 
  • Hotel Schiller's: Im Schiller’s ist nichts behindertengerecht: Stufen ins Haupthaus, verschachtelte Treppenhäuser, Toiletten der Gastronomie im Keller – Altstadtbauweise eben. Um- und Anbauten im Denkmalschutz, Fluchtwege-Planung, Kosten, die sich rechnen müssen – Barrierefreiheit ist schwer umzusetzen. 
  • Altes Gasthaus Pretz: „Geht nicht“, sagt Anja Pretz-Boran.
  • Hotel zur Altstadt:  „Bei uns geht’s sofort die Treppe ‘rauf“, sagt Kurt Ellermann. 
  • Hotel Stadt Lüdenscheid: „Wir sind nicht barrierefrei“, stellt Petra Ellert bedauernd fest. „Wir haben zwar schon Rollstuhlfahrer hier gehabt, aber man muss schon noch beweglich sein.“ 
  • Hotel Kattenbusch: „Möglichkeiten“ sieht Restaurantleiterin Samita Kantadee in ihrem Haus. Barrierefreie Wege zum Essen und zu den Toiletten gebe es. Man habe Gäste im Rollstuhl, sei aber nicht geprüft behindertengerecht. 
  • Sportalm Gipfelglück: Birgit Wille schätzt das Hotel als geeignet für Rollstuhlfahrer ein, nur die Toiletten seien nicht hundertprozentig behindertengerecht. Von der Raumgröße her schon, „aber ein Haltegriff fehlt“. 
  • Hotel Passmann: „Wir haben zwar eine barrierefreie Toilette“, sagt Silke Passmann, aber der Weg dorthin sei es nicht: Ein Umweg über die Eingangsstufen und ums Haus ist erforderlich. 

  • Mercure Hotel:  „Aufgrund des Alters des Gebäudes haben wir leider keine behindertengerechten Zimmer im Bestand“, teilt Alexandra Böhm (Business Development Managerin Mercure Hotel) mit. „Sehr zu unserem Bedauern verfügt das Hotel seit – und wohl auch aufgrund – seiner Bauzeit nicht über eine behindertengerechte Toilette.“ Ein Einbau sei geplant. Bis dahin stelle man bei Bedarf eine Zimmertoilette zur Verfügung. 

Der stellvertretende Dehoga-Hauptgeschäftsführer Lars Martin (Hagen) kennt das Problem, zeigt aber auch Verständnis, dass viele Hoteliers die hohen Investitionskosten scheuen. "Wir beraten auch umbauwillige Gastronomen“, sagt Lars Martin. „Aber da hängt schon sehr viel dran.“

Der CDU-Antrag auf Prüfung der Situation vor Ort (hier geht es zum Bericht) bringt auch Dynamik in ein Daueranliegen der Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen: den Behindertenführer. Eine mach- und finanzierbare Form zu finden, stets aktuelle Infos zur Barrierefreiheit in der Stadt zu bieten, treibt das Gremium seit langem um. Jetzt möchte Oliver Fröhling helfen – und die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte im Zuge der Haushaltsplanberatungen zur CDU-Fraktionssitzung einladen. Ein weiteres Hilfsangebot kommt von Lars Martin: „Wir stehen natürlich als Fachverband zur Verfügung, Betriebe abzufragen.“ 

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