Erst Hotel, dann Knast

Mietfrei wohnen: Horror-Gast aus MK zieht immer wieder um

+
Symbolbild

Lüdenscheid - Etwas Einschneidendes muss den Bruch in seinem Leben verursacht haben. Was es war, bleibt dem Schöffengericht verborgen.

Nur so viel ist klar: Der studierte Betriebswirt, inzwischen 66 Jahre alt, ledig, keine Kinder, 20 Jahre in der Stahlindustrie erfolgreich – dieser äußerlich wohlsituierte Herr ist ein notorischer Betrüger. 

Seit Mitte der 80er-Jahre landete er immer wieder im Knast, insgesamt hat er schon mehr als 15 Jahre hinter Gittern verbracht. Nun werden es drei weitere Jahre sein. 

Erst im Mai vergangenen Jahres kam er aus der Haft und machte munter so weiter, wie er zuvor aufgehört hatte. „Ich hatte mir vor der Haftentlassung eine Wohnung in Bochum besorgt, mit allem drum und dran. Aber als ich da ankam, war sie nicht verfügbar.“ 

So setzte er sich in den Zug, fuhr kreuz und quer durchs Land, „ich habe von einem Tag auf den anderen gelebt“ – und stieg in Mittelklasse-Hotels ab, hier mal drei Tage, dort mal eine Woche, unter anderem in Herborn, Plettenberg oder Herscheid. Dabei checkte er stets unter falschem Namen ein, ließ es sich gut gehen und verschwand, ohne zu bezahlen. 

Der Angeklagte kennt das Procedere, sitzt längst wieder in U-Haft, wird in Handschellen in den Saal geführt, gibt in wohlgesetzten Worten Auskunft und legt ein volles Geständnis ab. 

Staatsanwältin Ina Pavel beantragt, das jüngste Urteil des Amtsgerichts Detmold, zwei Jahre ohne Bewährung wegen gewerbsmäßigen Betruges zu Lasten kleiner Hotelbetreiber, einzubeziehen und fordert insgesamt drei Jahre Gefängnis. „Ich sehe hier eine fortlaufende Betrugsabsicht.“ 

Der Angeklagte habe sich wiederholte Aufenthalte im Justizvollzug nicht zur Warnung dienen lassen. Rechtsanwalt Helmut Wöhler aus Bad Salzuflen schließt sich dem Plädoyer der Anklägerin an. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Thomas Kabus folgt den Anträgen. 

Die Justizwachtmeister fesseln den Gefangenen und bringen ihn zurück in seine Zelle. Warum er irgendwann plötzlich auf die schiefe Bahn geraten ist, dieses Geheimnis nimmt er mit. Zum Richter sagt er: „Auf Wiedersehen!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare