Nur die drei „Gs“ zählen

Hoteliers machen sich noch keine großen Hoffnungen

Im Hotel Haus Hollweg glaubt man nicht daran, dass jemand ab sofort drei Wochen Tourismus-Urlaub in Lüdenscheid verbringt. Der Restaurant-Betrieb läuft schleppend, die Hürden sind hoch und kompliziert.
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Im Hotel Haus Hollweg glaubt man nicht daran, dass jemand ab sofort drei Wochen Tourismus-Urlaub in Lüdenscheid verbringt. Der Restaurant-Betrieb läuft schleppend, die Hürden sind hoch und kompliziert.

Silke Passmann, Inhaberin des gleichnamigen Hotels, kennt die drei „Gs“ – geimpft, genesen, getestet. Mit Blick auf die sinkenden Inzidenzzahlen im Märkischen Kreis dürfen Lüdenscheids Hoteliers ihre Pforten auch wieder für touristische Übernachtungen öffnen.

Lüdenscheid - Geimpfte müssen ihren gelben Impfpass oder eine entsprechende Bescheinigung des Impfzentrums vorlegen. Genesene brauchen den Nachweis für einen positiven PCR-Test. Und wer beides nicht zeigen kann, der muss getestet sein.

Bislang waren nur Übernachtungen für Geschäftsreisende möglich. „Und das finde ich widersprüchlich“ sagt Silke Passmann, „Geschäftsreisende dürfen ohne die drei ,Gs’ übernachten, aber für Touristen gilt das nicht.“ 80 Prozent, schätzt die Hotelbesitzerin, sei man inzwischen im Minus. Mit einer Öffnung für Tourismus gebe es kein Problem. Das Hotel Passmann beherberge überwiegend Gäste, die bei feierlichen Anlässen innerhalb der Verwandtschaft eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Die Küche des Hauses sei ohnehin in Betrieb wegen des Außer-Haus-Verkaufs, der vom Rinder-Carpaccio über den Drei-Käse-Hoch bis zum Muttertagsmenü reicht. „Wir sind ein Familienbetrieb, da muss jeder mal ran“, sagt Silke Passmann mit Blick auf die Saisonkräfte, die anderenorts in 15 Monaten Pandemie abgewandert sind.

Ralf Schütze (Hotel Stadt Lüdenscheid) schätzt, dass Jahre ins Land gehen werden, bevor die Hotels wieder auf Vor-Corona-Niveau angelandet sind. Fünf Tage eine stabile Inzidenz unter 100 – auch das Hotel Stadt Lüdenscheid an der Honseler Straße steuert auf die Wiedereröffnung für Touristen zu. Allerdings: „Ich glaube nicht daran, dass Lüdenscheid ganz plötzlich überschwemmt wird mit Touristen“, sagt Ralf Schütze. Außengastronomie wird in seinem Hotel ohnehin nicht angeboten, im charmanten Frühstücksraum sind und waren die Begegnungen der Gäste untereinander überschaubar. Das Geschäft sei zu 80 Prozent eingebrochen, sagt Schütze. Denn mit der Zeit blieben auch die Geschäftsreisenden aus, da in Lüdenscheid keine Schulungen und Veranstaltungen mehr stattfanden. Ausgelastet als Hotel sei man da ohnehin nicht. Das Hygienekonzept sei stimmig, das Ordnungsamt habe das kontrolliert: „Und die November- und Dezemberhilfen haben uns wirklich geholfen!“

Für Geschäftsreisende geöffnet

„Nein, wir hatten bis jetzt die ganze Zeit bereits für Geschäftsreisende geöffnet, daher brauchen wir keine spezielle Vorbereitung“, sagt Katja Guenther, General Managerin des Mercure Hotels an der Parkstraße. Hier ist der generelle Anteil an touristischen Übernachtungen unterschiedlich. Den höchsten Anteil verzeichne man in den Sommerferien: „Da wir nie geschlossen waren und für touristische Reisen laut Corona-Schutzverordnung nur Übernachtung mit Frühstück anbieten dürfen, benötigen wir keine längere Vorlaufzeit.“ Ob sich personelle Probleme ergeben, müsse man abwarten. Es werde sich zeigen, inwieweit sich das Geschäft erholt und wie schnell. Katja Guenther: „Das Restaurant darf erst bei einer Inzidenz stabil unter 50 wieder für privat Reisende und andere Gäste geöffnet werden. Alle 48 Stunden muss eine privat reisende Person einen negativen Schnelltest vorlegen. Genesene und Geimpfte müssen beim Check-In das offizielle Dokument inklusive Ausweis vorlegen. Das gilt für den gesamten Aufenthalt.“

Eine Wiedereröffnung sieht Frauke Hangen-Franz (Haus Hollweg/Restaurant Lazarus) mit gemischten Gefühlen. Das Haus Hollweg beherbergt überwiegend Verwandte, die zu einem familiären Anlass anreisen. „Hier kommt kein Tourist her, der spontan drei Wochen Urlaub in Lüdenscheid macht. Ich befürchte, dass wir keinen Vorteil von der Öffnung für touristische Zwecke haben.“ Ohnehin bleibe das Restaurant noch geschlossen. Außer-Haus-Verkauf sei schwierig bis schleppend. Das Rinderfilet mit Folienkartoffeln schmeckt halt anders, wenn’s aus der Verpackung kommt: „Wir sind schon dazu übergegangen, das Essen außer Haus auf unserem eigenen Geschirr zu verkaufen. Man hangelt sich halt so durch.“ Aber man sei auf dem Stand und vorbereitet auf eine Öffnung.

Genesene, Getestete und Geimpfte also sind es, die in absehbarer Zeit wieder die Innengastronomie besuchen dürfen. Getestete müssen ein negatives Schnelltest-Ergebnis vorweisen. Der Test darf nicht länger als 48 Stunden zurückliegen. Das Ergebnis muss von einer offiziellen Teststelle schriftlich oder digital bestätigt werden. Außerdem ist ein amtliches Ausweisdokument mitzuführen. Geimpfte müssen ihren Impfausweis vorweisen, aus dem hervorgeht, dass die vollständige Impfung (also auch die zweite) mindestens 14 Tage zurückliegt. Genesene müssen ein positives PCR-Testergebnis vorweisen, das mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate alt ist. Und all das muss der Restaurantbetreiber im Auge behalten, öffnet er seine Türen. Dazu sagt die Fachfrau: „Wer weiß denn, ob die Menschen mir an der Tür überhaupt ihren Impfpass so einfach zeigen wollen?“

Personalplanung sei durchaus nicht einfach. Einerseits müsse man abwarten, wie sich die gesamte Lage entwickelt, andererseits produziere eine zu schwache Personalplanung am Ende unzufriedene Gäste: „Und die will man ja auch nicht.“ Das Leben nach der Pandemie? „Ja“, sagt sie, „es gibt Anlass zur Hoffnung, aber ein Lächeln? Das zaubert sich mir nicht ins Gesicht!“

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