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Hotel-Restaurant Passmann zurück im Gastgeber-Alltag

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Von: Susanne Kornau

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Endlich wieder Gastgeberin: Silke Passmann wünscht sich nach Lockdowns und einem Jahr auf der Baustelle, dass das Geschäft „einfach nur normal“
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Endlich wieder Gastgeberin: Silke Passmann wünscht sich nach Lockdowns und einem Jahr auf der Baustelle, dass das Geschäft „einfach nur normal“ läuft. © Susanne Kornau

„Willkommen“ steht auf der Tafel. Willkommen im Hotel und Restaurant Passmann. Wie lange hat das Team darauf gewartet, diesen Gruß aussprechen zu können. Und nun, ein Jahr nach der Flut und elf Monate nach dem Küchenbrand, läuft’s wieder richtig gut an. „Wir haben eine wirklich gute Resonanz und wirklich viel zu tun“, erzählt Chefin Silke Passmann. 

Lüdenscheid – Mit der Wiedereröffnung am 1. Juni, nach umfangreicher Sanierung, nach Anbau einer großzügigen Terrasse, nach dem in den letzten Monaten mehrfach verschobenen Eröffnungstermin, also nach all’ den schwierigen Monaten, tut es jetzt sehr gut, wieder im Gastgeber-Alltag angekommen zu sein. „Manche haben sogar ihre Feiern verschoben, bis wir wieder offen hatten“, freut sich Silke Passmann. Dass sie die Preise erhöhen musste, um die Kostensteigerungen bei Energie und Einkauf wenigstens etwas aufzufangen, dafür hätten bislang alle Verständnis: „Das ist akzeptiert.“ So zeigen die Gäste ihre Treue zum Traditionshaus in Brügge.

Und ebenfalls spielt in die neue Lust am Feiern auch die lange Durststrecke durch Corona herein: „Die Leute wollen etwas nachholen.“ Das tun sie im Moment, mit antrainierter Vorsicht, am liebsten unter freiem Himmel. Die neue große Terrasse mit ihren 45 Plätzen komme sehr gut an, erzählt Silke Passmann. Weil man den Platz und damit die Möglichkeit hat, ist auch das Restaurant von der Straßenseite in den größeren Saal auf der Rückseite „gewandert“ – so lassen sich ungezwungen größere Abstände einhalten. Transparente Trennwände lockern auf, sorgen für kleinere, gemütliche Einheiten. Restaurant und Terrasse gehen ineinander über. Doch die Verlagerung hat noch einen anderen Grund, und der hängt mit der Verkehrssituation zusammen.

Restarbeiten sind noch in fast jeder Ecke erforderlich

Seit der A45-Brückensperrung beginne der Lkw-Verkehr manchmal schon morgens ab 5 Uhr. Dann verdunkeln die schweren Fahrzeuge, die über die Volmestraße rumpeln, die Fenster der Gastronomie. Durch die Erschütterungen seien schon Teile aus der Granitfassade herausgebrochen, hat Passmann festgestellt. Wem sie solche Schäden melden könnte, darum müsste sie sich mal kümmern. Doch das muss warten: „Ich habe immer noch so viele Baustellen, dafür habe ich noch keine Zeit gehabt.“ Restarbeiten sind noch in fast jeder Ecke erforderlich. Die Küche muss sich einspielen: sei nach neuestem Standard geplant, optimal an die Arbeitsabläufe angepasst – „es soll ja auch 30 Jahre halten“.

Hotel und Restaurant Passmann
Markise, Infrarot-Strahler und beheizbare Tischbeine machen die Terrasse auch bei kühleren Temperaturen zum Wohlfühlort. Das Freiluft-Angebot kommt an. © Silke Passmann

Die neue Heizung sehe aus wie ein Labor. Eine ausgeklügelte Wärmerückgewinnung zur Energieeinsparung ist umgesetzt, ein „Nutzungskreislauf“ sei entstanden. Eventuell kommt noch Photovoltaik hinzu. Doch, es bleibt genug zu tun. Dazu kommt, dass der Alltag ohnehin immer wieder Krisenmanagement erfordert: Wie neulich, als wegen des Vodafone-Kabelschadens mitten im Abendgeschäft keine Kartenzahlung mehr möglich war. Improvisationstalent und Hartnäckigkeit waren einmal mehr gefragt. „Aber irgendwie geht’s immer“, sagt Silke Passmann. Mit ihrem Optimismus hat sie sich und ihr Team durch das vergangene Jahr gebracht. Das Stammpersonal sei geblieben, bei den Aushilfen und Reinigungskräften sei etwas Not am Mann: „Da müssen wir eben alle ‘ran“, sagt sie pragmatisch.

So gesehen kommt ihr entgegen, dass die Firmenübernachtungen im Hotel noch längst nicht wieder auf dem Vor-Corona-Stand seien. Aber sie hat zwei neue Auszubildende im Service, die Küchenmannschaft ist gut besetzt. Und die heimischen Handwerker erledigen gerade die letzten verbleibenden Arbeiten. Das habe bis jetzt, trotz aller Materialprobleme, ganz gut geklappt. Zum Schluss wird noch die Flutmauer instandgesetzt, aber dann will sie das Thema Flut auch endlich abhaken, der Jahrestag sei kein besonderer, sagt sie. Jetzt geht der Blick nach vorne: „Einfach nur normal“ soll es laufen, wünscht sie sich. Ohne Lockdown und Unterbrechungen, ohne Restriktionen und vor allem ohne Corona-Formulare für Gäste. Wie gut es tut, endlich mal unbeschwert zu feiern, hat sie gerade erst wieder selbst gemerkt – als sie die Hochzeit eines ihrer Söhne ausrichten durfte.

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