Horst Beste: Ohne viele Worte, aber mit viel Herz

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Horst Beste. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Die Geschichte der kleinen, herzkranken Otgonschargal aus der Mongolei rührte viele Lüdenscheider. Diese folgten einem Spendenaufruf in den LN und brachten die für eine Herzoperation notwendigen 2000 Euro zusammen. Der Eingriff wurde knapp zwei Wochen später erfolgreich durchgeführt und damit das Leben des dreijährigen Waisenkindes gerettet. Hinter dem Spendenaufruf steckte der Lüdenscheider ehemalige Obst- und Gemüsehändler Horst Beste, der die Kinderhilfe Mongolei initiierte. Er ist unser „Lüdenscheider des Monats“. Von Yasmin Alijah

„Ich – Lüdenscheider des Monats?“ Horst Beste ist skeptisch. Er möchte nicht im Rampenlicht stehen, erzählt dann aber doch seine Geschichte. Es ist die Geschichte eines Mannes, der ohne viele Worte, aber mit viel Herz loszog, um für mongolische Waisenkindern eine Heimat zu schaffen. Horst Beste wurde 1949 in Lüdenscheid geboren, besuchte die Westschule und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre bei seinen Eltern, die ein Obst- und Gemüsegeschäft an der Knapper Straße unterhielten. 1975 übernahm er den 50 Quadratmeter großen Laden, in dem er jede Woche die Obstladung von zwei 40-Tonnern umsetzte: „Das ist eigentlich einmalig in Deutschland“, berichtet er.

Horst Beste war als Geschäftsmann erfolgreich, dennoch sollte es zu einer tiefgreifenden Veränderung in seinem Leben kommen. „Mit 27 Jahren kamen meine Frau und ich zum Glauben an Jesus Christus.“ Dies sollte das Leben des bis dahin überzeugten Atheisten gründlich verändern. Einerseits verlor er aufgrund seines neu gewonnenen christlichen Glaubens viele Freunde, andererseits wusste er nun Gott an seiner Seite und begann davon zu träumen, Hilfsgüter in den Osten zu fahren, wenn er nachts mit seinem kleinen Gemüselastwagen unterwegs war.

Das tat er bald auch. 1980 fuhr er zum ersten Mal mit einer Ladung Hilfsgüter nach Polen. Eine Reise, die ihn nachhaltig prägen und seinen weiteren Lebensweg bestimmten sollte: „Ein kleiner Junge stand am Wegesrand und winkte bloß. Er bettelte nicht, er stand einfach nur da, ein ganz normales Kind“, erinnert er sich. Er musste weinen.

Es war der Beginn einer tiefgreifenden Veränderung, die ihn 1995 veranlasste, sein gut gehendes Geschäft aufzugeben und in die Mongolei zu gehen. Die kleine Inche war das erste mongolische Waisenkind, dem er eine Heimat gab und das er später adoptierte. „Das Leben in der Mongolei ist nicht einfach. Umständliche Bürokratie machen den Aufbau einer Arbeit extrem schwierig“, so Beste. Doch er verfolgte unbeirrt seine Ziele und begann Ende der 90er-Jahre mit dem Bau seines Kinderheims in der Nähe der Hauptstadt Ulaanbaatar. Er investierte sein komplettes Geld in den Bau von Kinderhäusern anstatt in eine „vernünftige Rente“ und konnte bald die ersten zehn Waisenkinder aufnehmen. „Sie sollten auf dem Land an frischer Luft großwerden..“ Immer wieder war das Projekt bedroht, sowohl finanziell als auch durch umständliche Bürokratie.

Doch das klare Ziel, Kindern ein Zuhause zu geben, half ihm, durchzuhalten. Die Kinder glücklich zu sehen, macht auch ihn glücklich. Vielen Kindern konnte er bis jetzt helfen. Bis zu 30 Waisenkinder lebten im Laufe der Jahre bei ihm. Er liebt das Land – trotz der minus 50 Grad, die hier teilweise herrschen, und sagt: „Das Land zu lieben reicht nicht. Das Land muss auch dich lieben“. Die Kinder, die er aufnimmt, lieben ihn. Sie kommen von der Straße, sind teilweise völlig unterernährt oder überlebten schwerste Misshandlungen. Sie finden in der Kinderhilfe Mongolei eine neue Heimat, blühen auf. Und manchen von ihnen rettete er das Leben, so wie der kleinen Otgonschargal - und ist deshalb unser Lüdenscheider des Monats.

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