Holzumkleide: Weg zum Abriss könnte lang werden

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Durchaus idyllisch präsentiert sich das historische Umkleidegebäude. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Der Streit um den Denkmalwert und die Erhaltung der Holzumkleide Hotopstraße könnte sich noch eine Weile hinziehen und in eine weitere Ministerentscheidung münden.

Dies erklärte Kulturdezernent Wolff-Dieter Theissen im Gespräch mit den LN. Derzeit ist die Lage eindeutig: Nachdem Bauminister Harry K. Voigtsberger die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes bejaht hat, muss die Stadt die alte Umkleide bis zum 1. Juli in die Denkmalliste eintragen. „Dann haben wir das Denkmal ‚sinnvoll zu nutzen und zu erhalten’“, erklärte Theissen. Diese Anforderung habe jedoch eine Kehrseite: Sollte das Gebäude nicht in diesem Sinne nutzbar sein, könnten die politischen Gremien der Stadt im äußersten Falle der Stadt als Eigentümerin den Abriss des Gebäudes genehmigen. Denkmalwürdigkeit schließt den Abbruch eines Denkmals nicht kategorisch aus. In diesem Fall müssten erneut die Experten der oberen Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes in Münster konsultiert werden. Diese hätten dann mehrere Möglichkeiten, erklärte Theissen: Entweder sie könnten nochmals die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes bekräftigen, den Abbruch aber stillschweigend akzeptieren. Oder die Denkmalschützer könnten getreu ihrer bisher verfochtenen Linie für das Denkmal dem Abbruch widersprechen und Minister Voigtsberger erneut um eine Entscheidung anrufen. Der Minister müsste dann noch einmal entscheiden. „Das wäre der GAU des Verfahrens“, urteilte Theissen.

Derzeit hat das Gebäude vor allem eine Nutzung: Schüler der benachbarten Hauptschule schätzen in den Pausen seine überdachte „Veranda“ als Aufenthaltsort. Das aber rettet das Gebäude nicht. Keine Frage, dass der Stadt angesichts von geschätzten Renovierungskosten in Höhe von 500 000 Euro ein Erhalt des Gebäudes um seiner selbst willen kaum zuzumuten ist. Überlegungen, das neue Domizil des Kinderschutzbundes dort und nicht am Jahnplatz anzusiedeln, wurden offenbar nie angestellt.

Eine Wohnnutzung sei bisher baurechtlich nicht erlaubt, erklärte der Kulturdezernent. Und auch nicht erwünscht, weil die Bewohner dann Ansprüche auf Ruhe stellen könnten. Der Spielbetrieb auf dem benachbarten Bolzplatz sei aber ausdrücklich erwünscht, sagte Theissen. „Wir hatten ein paar Interessenten, aber die sind alle wieder abgesprungen.“ Angesichts der ausgeschlossenen Wohnnutzung sei das durchaus verständlich.

Nun bleibt in der bevorstehenden Galgenfrist für das Gebäude die Suche nach einer anderen „fantasievollen Lösung“: Einen Biergarten fände er schön, versichert Lüdenscheids Kulturdezernent und zeigt sich doch sehr skeptisch angesichts des Standorts. Weder ein See noch ein Naherholungsgebiet seien dort in Sicht. Da nütze es auch nicht viel, dass die neue Landesregierung der wirtschaftlichen Betätigung von Kommunen weniger enge Grenzen setzt als ihre Vorgängerin. „Aber wer soll im städtischen Auftrag denn dort den Wirt spielen?“ ▪ thk

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