Fichtenstämme fürs Sägewerk

Holzstau am Brügger Bahnhof: Kapazitäten sind ausgereizt

Holzpolter an Ladestraße
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Im Hintergrund der kranke Wald, im Vordergrund das, was von ihm übrig bleibt: Engpässe beim Abtransport von Fichtenstämmen per Eisenbahn sorgen auf der Ladestraße am Bahnhof Brügge für Rückstau.

Es wird eng am Brügger Bahnhof. Rund 4500 Festmeter Fichtenstämme aus der ganzen Region liegen, zu sechs Meter hohen Poltern aufgeschichtet, bereit für den Abtransport – nur noch Borkenkäfer-Opfer fürs Sägewerk. Doch es geht immer noch schlimmer.

Lüdenscheid - Seit der Flutkatastrophe Mitte Juni, als die Schienenverbindung nach Hagen ausfiel, rollen die voll beladenen Züge nur in die andere Richtung. Das schafft Engpässe. Die Lastwagen der Käufer stauen sich zeitweise an der Ladestraße, über die die Soldaten der belgischen Garnison früher ihre Panzer auf Güterwaggons luden. Jetzt konkurrieren mehrere Unternehmen um die Plätze für ihre Stämme und Holzlaster neben dem Gleisbett.

„Bahnhöfe sind derzeit heiß umkämpft“, sagt Lüdenscheids Revierförster Marcus Teuber. Die Kapazitäten sind ausgereizt. „Wir könnten dreimal so viel transportieren“. Das gelte im Sauerland für Bahnhöfe in Sundern, Siegen oder Neheim – und eben in Brügge. Obwohl es mit dem Holztransport von dort in Richtung Oberbergischer Kreis ein weiteres Problem gibt.

Eine der Brücken in Richtung Köln trägt nämlich keinen beladenen Zug mit etwa 23 Waggons. Die Wagen müssen vor dem Bauwerk entkoppelt und jeweils zu zweit oder zu dritt mit einer kleineren Lok rübergeschafft werden, bevor es im langen Verbund weiter gehen kann. Das bedingt Verzögerungen, die ins Geld gehen. Pro Zug macht die Bahn nach Teubers Einschätzung Umsätze von bis zu 25 000 Euro.

Revierförster Marcus Teuber und sein Freund Addi inspizieren die Holzpolter.

Wann das Gleisbett nach Hagen wieder befahrbar sein wird, darüber gibt es nach Worten des Revierförsters „keine verlässlichen Aussagen – angeblich Weihnachten“. Logistische und wirtschaftliche Auswirkungen für die Bahn sind ein Aspekt. Ein anderer sind die ökologischen Folgen für die Wälder und finanzielle Konsequenzen für Waldbesitzer.

Marcus Teuber: „Die Zahl der Fichten, die überleben werden, wird bei deutlich unter 20 Prozent liegen.“ Das Geschäft mit dem Holzeinschlag, den Transporten und der Verarbeitung wird nach Prognosen des Revierförsters „noch eineinhalb bis zwei Jahre so weiter gehen.“ Dass ein Wetterumschwung die Borkenkäfer zurückdrängen und die restlichen Fichtenbestände retten könnte, hält der Forstexperte für wenig wahrscheinlich. „Da hätte es schon wochenlang monsunartig regnen müssen.“

Aber jetzt gelten die Feinwurzeln der Bäume laut Teuber als „kaputt“. Die Kapillarwirkung, mit der Wasser in Stamm und Geäst gesogen wird, funktioniert nicht mehr. „Der Klimawandel ist voll angekommen.“ Im Juli, bei 26 Grad im Wald, habe er zeitweise eine Schutzmaske tragen müssen, „damit ich die Käfer nicht einatme“.

Das Fazit: Statt einer Besserung erwarten die Forstleute weitere Schwierigkeiten. Denn der Borkenkäfer könnte auch andere Nadelgehölze befallen, also etwa Lärchen, Kiefern oder Douglasien. Laubbäume bleiben hingegen von den Kerbtieren verschont.

Vor allem Buchen in den heimischen Wäldern stecken nach Einschätzung des Revierförsters jedoch in einer anderen Gefahr, ebenfalls bedingt durch den Klimawandel. Der durch zu geringe Niederschläge entstehende Trockenstress gefährdet die Standsicherheit. Vertrocknete Buchen können demnach plötzlich auseinanderbrechen und umfallen. Teuber: „Die Folge könnte die Sperrung weiterer Waldwege auch in Laubbeständen sein.“

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