Dank des Cellos überlebt

Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch in Lüdenscheid

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Anita Lasker-Wallfisch und ihre Tochter Maya Jacobs-Wallfisch.

Lüdenscheid - Die Leichenberge wurden höher und höher, Verwesungsgestank lag über allem, „Wir bewegten uns wie die Zombies“ – so schilderte Anita Lasker-Wallfisch die letzten Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Am Montagabend war die Cellistin gemeinsam mit ihrer Tochter Maya Jacobs-Wallfisch in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zu Gast und erzählte ihre Geschichte als eine der letzten Zeitzeugen des Holocaust. Die heute 93-Jährige überlebte als deutsche Jüdin die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen.

Die Veranstaltung auf Initiative der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit war aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten nur für geladene Gäste. Die meisten von ihnen waren Schüler der drei Gymnasien und der Adolf-Reichwein-Gesamtschule – im selben Alter wie Anita Lasker-Wallfisch und ihre Schwester Renate, als ihre Eltern nach Auschwitz deportiert wurden und die beiden jungen Mädchen dem Grauen des national-sozialistischen Regimes ausgeliefert waren.

 Sie versuchten, mit gefälschten Papieren zu fliehen, und wurden verhaftet. Es sei besser gewesen, ein Verbrecher zu sein als ein Jude, erfuhren die Zuhörer. Dass sie mit einem Gefangenentransport als Karteihäftling nach Auschwitz kam, ersparte ihr die Selektion an der Todesrampe. Dass sie Cello spielte, rettete Anita Lasker-Wallfisch das Leben – sie wurde Mitglied des Mädchenorchesters. 

Sie musste spielen, wenn die anderen Häftlinge zu ihren Arbeitseinsätzen marschierten und zurückkehrten, und immer dann, wenn es den SS-Offizieren gefiel. Schumanns „Träumerei“ wollte der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele hören. Die Mädchen genossen Privilegien, „die in einem normalen Leben keine sind.“ 

Gezeigt wurde außerdem ein Film von Maya Jacobs-Wallfisch, der zeigte, wie die beiden Frauen Jahrzehnte später Auschwitz besuchten. Die Tochter erzählte, wie das lange Schweigen der Eltern über die Vergangenheit die Familie prägte.

Immer wieder gab es Beifall, wenn Anita Lasker-Wallfisch in der Diskussion Stellung bezog. „Wehrt euch gegen alles, was ihr schlecht findet! Habt Zivilcourage!“ war ihre Antwort, als eine Schülerin fragte, welchen Rat sie jungen Menschen heute geben würde. Die Zuhörer erlebten eine starke, besonnene Frau, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen Beitrag zu leisten, damit der Holocaust nicht vergessen wird. Eine Veranstaltung, die lange nachhallt.

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