Hohes Defizit: Große Probleme in Märkischen Kliniken

LÜDENSCHEID ▪ Die wirtschaftliche Lage der Märkischen Kliniken GmbH ist mittlerweile offenbar so bedenklich, dass jetzt die Chef- und Oberärzte zur Rettung des finanziell angeschlagenen Unternehmens beitragen sollen. Für das Wirtschaftsjahr 2011 ist nach LN-Informationen von einem Defizit von „deutlich über vier, aber wahrscheinlich unter zehn Millionen Euro“ die Rede.

Die leitenden Ärzte des Klinikums staunten in diesen Tagen nicht schlecht, als sie eine Mail der Geschäftsführung bekamen. Darin enthalten ist folgender Vorschlag: Alle Chef- und Oberärzte mit einem Jahreseinkommen über 150 000 Euro sollen – nach ihrer Einkommenshöhe gestaffelt – ersatzlos auf 10, 15 oder 20 Prozent ihres Gehalts verzichten. Betroffen sind 40 Ärzte.

Nach Informationen aus Oberarztkreisen bereitet die wirtschaftliche Lage des Klinikums Lüdenscheid auch Beschäftigten Sorge. Doch das Echo bei den leitenden Ärzten auf die Gehaltsverzichts-Forderung der Geschäftsleitung ist dem Vernehmen nach gespalten: Gegen die Zusicherung eines größeren Mitspracherechts soll ein Teil der Ärzte bereit sein, der Forderung nachzukommen, ein anderer Teil dagegen nicht.

Externe Wirtschaftsprüfer sollen nach weiteren LN-Informationen die Märkischen Kliniken mittlerweile genau unter die Lupe genommen haben. Sie seien, so heißt es, zu dem Ergebnis gekommen, dass es in der GmbH „exorbitant hohe“ Verwaltungskosten gebe.

Privat-Dozent Dr. Bernhard Schwilk, medizinischer Geschäftsführer, konnte am Freitag zwar noch keine konkrete Bilanzzahl nennen, aber sie sei „schlechter als vier Millionen Euro“. In dem im Herbst 2010 aufgestellten Wirtschaftsplan für das folgende Jahr habe die Geschäftsführung bereits mit einem Fehlbedarf von einer Million Euro kalkuliert. „Dieses Ziel haben wir ordentlich verfehlt.“

Dafür gebe es mehrere Gründe. Schon seit längerem muss das Klinikum Ärzte auf dem freien Markt für einen befristeten Zeitraum einkaufen, um überhaupt die Leistungen erbringen zu können. Denn viele Mediziner wollen sich nicht auf Dauer in dieser Region niederlassen. Für diesen Pool wurden 1,5 Millionen Euro eingeplant, tatsächlich liefen Kosten in Höhe von 3,1 Millionen Euro auf. Zudem habe es für Lüdenscheid keine befriedigende Budgetvereinbarung mit den Kassen gegeben. Auch das sei bei der Prognose im Herbst 2010 nicht absehbar gewesen. „Die Mehrleistungen des Hauses sind nicht entsprechend vergütet worden“, so Dr. Schwilk. Ebenfalls draufzahlen musste das Klinikum bei den Verhandlungen mit den Kassen bei Regulierungen sogenannter „strittiger Fälle“. Dabei geht um die Frage, welche Eingriffe notwendig sind und was demzufolge bezahlt wird. „Das sind jedes Jahr einige tausend Fälle.“ Aus dem Vorjahr und den vergangenen Jahren musste das Klinikum durch diese Streitfälle eine Million Euro an Erlösen abschreiben. Ein klares Bekenntnis legte Dr. Schwilk zur Stadtklinik Werdohl ab, auch wenn diese Verluste mache. „Der Verbund macht strategisch Sinn.“

Wie berichtet, lag das Defizit 2010 bei rund 1,6 Millionen Euro. In der Politik wird jetzt Gesprächsbedarf gesehen. Von einer solchen Situation habe man vor einem halben Jahr noch nicht ausgehen können. Deshalb müsse geklärt werden, wie es in kurzer Zeit zu solchen „horrend aufgelaufenen“ Fehlbeträgen habe kommen können. - fin/be

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