"Können uns eine Zeit lang über Wasser halten"

Hohe finanzielle Verluste: Vereine im MK leiden unter der Corona-Krise

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Vereinen fehlen auf unbestimmte Zeit wichtige Einnahmen: Wanderungen des SGV sowie alle anderen Angebote fallen wegen der Corona-Krise aus.

Lüdenscheid – Vereine kämpfen sich derzeit durch die Corona-Krise. Ob sie diese alle überstehen werden, ist nicht absehbar – Veranstaltungen fallen aus, wichtige Einnahmequellen fehlen und trotz allem müssen Fristen eingehalten werden.

Der SGV Lüdenscheid etwa hat alle Veranstaltungen sowie geplante Wanderungen bis Ende Mai abgesagt – ob und wie es danach weitergehen könnte, bleibt abzuwarten. „Wir werden kurzfristig auf Veränderungen reagieren“, sagt Vorsitzende Martina van Deest. 

Eigentlich hätte die Schutzhütte Homert zu Ostern den Betrieb wieder aufgenommen, im Wanderheim Wiehardt sollten bald die ersten Übernachtungsgäste vor Ort sein. All das fällt aus: „Im Juni wären wir im Wanderheim beinahe täglich ausgebucht gewesen, mit Schul- und Kitagruppen, die sozusagen ihre Abschlussfahrten gemacht hätten“, sagt van Deest. Nun wird der Verein weder Einnahmen durch Übernachtungsgäste generieren können noch durch Verkäufe bei Veranstaltungen. 

Einnahmen fehlen, Fixkosten bleiben

Doch die Fixkosten bleiben: „Das Wanderheim ist gepachtet, die Pacht zahlen wir natürlich weiterhin. Ebenso Strom, die Müllabfuhr und vieles mehr“, sagt die Vorsitzende. Der SGV Lüdenscheid habe glücklicherweise Rücklagen, „dadurch können wir uns eine Zeit lang über Wasser halten – das Jahr werden wir noch überstehen“. 

Sollte die Krise jedoch länger andauern, müsse man weitersehen, sagt van Deest. „Das tut weh und ist schon schädigend, aber die Gesundheit geht vor.“ Besonders schwierig sei die Situation jetzt schon für Vereine, die keine Rücklagen haben. „Noch zahlen unsere Mitglieder den Jahresbeitrag, wir gestalten davon ja unter anderem auch die Wanderrouten. Das wird aber vielleicht auch nicht überall der Fall sein, einige werden die Beiträge womöglich aussetzen“, vermutet van Deest. 

Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Bereits eine Woche vor dem Erlass der Landesregierung hatte der Verein Turbo-Schnecken den Fitnessbetrieb eingestellt, Angebote für Reha- und Kindergruppen haben nicht mehr stattgefunden und das Bistro im Schneckenhaus hat auch geschlossen. Die insgesamt sechs hauptamtlichen Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, sagt Vorsitzende Brigitte Klein. 

Der Verein stellt viel auf die Beine, veranstaltet jährlich den Firmenlauf in Lüdenscheid. „Der wäre eigentlich am 5. Juni gewesen, wir haben ihn auf den 21. August verschoben – aber ob er dann stattfinden kann, steht auch noch in den Sternen. Ich habe keine große Hoffnung, dass in diesem Jahr überhaupt derartige Großveranstaltungen stattfinden dürfen. Die Frage ist auch, ob die Firmen aufgrund der Situation überhaupt mitmachen würden.“ 

"Erwarten einen Verlust im fünfstelligen Bereich"

Der finanzielle Schaden sei noch nicht absehbar, immerhin könne niemand sagen, wann es wie weitergeht. „Aber wir erwarten einen Verlust im fünfstelligen Bereich, wenn Veranstaltungen wie der Firmenlauf nicht stattfinden werden.“ Beiträge der Mitglieder für ausgefallene Kurse oder das Studio werden die Turbo-Schnecken anteilig ersetzen, sagt Klein. 

Noch gehe der Verein „konservativ an die Planungen für das Jahr ran. Aber es wäre gut, wenn die Regierung klare Linien vorgeben würde, damit man frühzeitig reagieren kann. Das ist so natürlich schwierig“, sagt Klein. „Aber es ist schön zu sehen, dass viele Mitglieder zugesagt haben, ihre Beiträge weiterhin zu zahlen, viele wollen auch Geld spenden und unsere Übungsleiter verzichten freiwillig auf ihr Honorar.“

Kein Anspruch auf NRW-Rettungspaket 

Der Verein sei liquide, „damit haben wir zum Glück kein Problem“. Allerdings werden sie deshalb wohl keine oder kaum Forderungen aus dem NRW-Rettungspaket stellen können, sagt die Vorsitzende. „Das Rettungsangebot für Sportvereine gilt für die, die kurz vor der Insolvenz stehen – was natürlich genau richtig und gut so ist.“ 

Umdenken müssen die Vereine zudem hinsichtlich ihrer Fristen und Versammlungen. „Wir hatten unsere Jahreshauptversammlung (JHV) dieses Jahr früh, Anfang März. Auch da war die Situation schon schwierig, aber wir konnten sie noch durchführen“, sagt SGV-Vorsitzende Martina van Deest. „Wir haben eine Teilnehmerliste, einige ältere Mitglieder haben abgesagt – dadurch konnten wir zum Beispiel die Abstände zwischen den Leuten einhalten und jeder hat seinen eigenen Kugelschreiber bekommen.“ 

Coronavirus MK: Vorstandssitzungen finden nicht statt

Andere Vereine haben ihre JHV verschoben, „sie muss aber noch im Geschäftsjahr stattfinden“, sagt van Deest. „Wir gehören zum SGV-Bezirk Volme, diese Versammlung wurde nun auf den Herbst verschoben.“ Vorstandssitzungen finden nicht statt, das meiste könne aber über Telefon und E-Mail geklärt werden. „Aber was nicht geht, das geht eben nicht.“ 

Die JHV der Turbo-Schnecken ist erst für September angesetzt, „das machen wir so, seitdem wir keine Zeitvorgabe mehr in unserer Satzung haben“, sagt Vorsitzende Klein. „Jetzt können wir nur abwarten.“ Vieles seien kleinere Probleme, „viel schlimmer ist, mit dem spitzen Bleistift rechnen zu müssen. Aber das trifft im Moment einfach alle – sowohl die Vereine als auch die Menschen privat“, sagt van Deest.

Lesen Sie mehr zu den Entwicklungen des Coronavirus im MK in unserem News-Ticker

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