Höhe der Abfindung umstritten: Geschacher vor dem Arbeitsgericht

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Symbolbild

Lüdenscheid - Zwei Frauen kämpfen nach einer Entlassungswelle in einem Lüdenscheider Unternehmen vor dem Arbeitsgericht um höhere Abfindungen. Doch die Rechtsanwältin des Arbeitgebers ist eine zähe Gegnerin.

„Meine Mandantinnen wollen keine Almosen. Sie wollen gerecht behandelt werden.“ 

Rechtsanwalt Ingo Theissen-Graf Schweinitz kämpft am Arbeitsgericht für zwei Frauen, die Opfer einer Kündigungswelle in einem Lüdenscheider Industriebetrieb geworden sind. Es geht um die Höhe ihrer Abfindungen – und darum, wie viele Jahre Betriebszugehörigkeit darauf angerechnet werden. 

Die eine fordert 11 100 Euro nach, die andere 8200. Ein Gütetermin endete ergebnislos. Das Problem ist der Widerstand des Unternehmens. 

Dessen Rechtsanwältin weigert sich, Unterbrechungszeiten bei der Berechnung der Abfindung komplett zu berücksichtigen. Tatsächlich waren die Arbeiterinnen jahrelang voll beschäftigt, erhielten dann befristete Arbeitsverträge, wurden kurz arbeitslos – und stiegen dann in derselben Firma wieder ein, diesmal allerdings als Leiharbeiterinnen. 

Andere Kolleginnen in vergleichbaren Lagen, argumentiert Jurist Theissen, seien höher abgefunden worden, „weil sie in der Personalabteilung auf den Tisch gehauen haben“. Seine Mandantinnen nicht. „Wir waren ja so nett“, sagt die eine. 

Arbeitsrichter Timo Mohr macht einen Vergleichsvorschlag: 3700 für die eine, 2730 Euro für die andere, „das wäre ein Drittel der geforderten Summen“. Eine Klägerin: „Das ist aber wenig.“ 

Es wird noch weniger. Denn die Anwältin des Arbeitgebers bietet 1715 und 1933 Euro. Theissen droht mit Berufung. Die Arbeitgeberanwältin legt zweimal 500 Euro drauf – „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“, wie sie sagt. 

Der Klägeranwalt versucht zu steigern. Die Juristin wird wortkarg. „Tut mir leid.“ Den beiden Arbeiterinnen wird das Geschacher zu bunt. 

Eine sagt: „Okay, dann lassen wir’s so.“ Sie nehmen die Almosen.

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