Mehr als 30 wunde Punkte

Hochwasser-Vorsorge soll zukünftige Flutschäden im MK vermindern

Am Wislader Weg in Lüdenscheid gibt es bereits ein Hochwasserrückhaltebecken.
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Am Wislader Weg gibt es bereits ein Hochwasserrückhaltebecken.

Die Schwachstellen waren bekannt, die das Hochwasser Mitte Juli überflutete. Die Schäden sind beträchtlich, an einigen Stellen waren die Schutzmaßnahmen den Wassermassen nicht gewachsen.

Lüdenscheid – Um das zu ändern, protokolliert der Stadtentwässerungsbetrieb Herscheid Lüdenscheid (SELH) weiterhin die „wunden Punkte“ der Hochwasser-Vorsorge. Etwa 30 Orte hat Michael Deppe, beim SELH zuständig für Kanalbetrieb und -unterhaltung, bisher notiert: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Das Ergebnis dieser Arbeit solle das Niederschlagsabflussmodell werden, das „in den letzten Zügen“ liege, erklärt Deppe. „Seit eineinhalb Jahren analysieren Ingenieure die Risikobereiche.“ Damit solle ein sogenannter Linienschutz gegen Überflutungen geschaffen werden.

Neue Problemzonen seien während des Hochwassers nicht entstanden, aber die Jahrhundertflut habe gezeigt, dass manchen Stellen mehr Beachtung geschenkt werden müsse. „Einige Nebenflüsse oder Bäche haben wir vorher nicht intensiv beobachtet.“ So sei manches Gewässer erst durch die Überschwemmungen im Juli in den Fokus gerückt. „Vor allem an den vielen kleinen Nebengewässern entstanden auf den nahe liegenden Grundstücken und Gebäuden Schäden durch Überflutungen oder eindringendes Wasser“, erklärt Deppe. Als Beispiele nennt er unter anderem Mintenbecke, Wislader Bach, Solmbecke und Dammessiepen. Unter Beobachtung stehe auch der Wehberger Bach: „Dort wird geprüft ob an einer Stelle das abfließende Wasser gepuffert, also zurückgehalten werden kann.“

Das Schneeschmelzbecken an der Altenaer Straße wird derzeit noch vom STL genutzt. Der SELH möchte die Fläche in Zukunft stattdessen als Rückhaltebecken nutzen.

Durch Lüdenscheid fließen derzeit – nach Einschätzung des Landes NRW – vier Risikogewässer: Lösenbach, Rahmede, Verse und Volme. „Die Rahmede trat vielerorts über die Ufer. Anliegende Grundstücke wurden überflutet. In einer Firma wurde auf 700 Quadratmeter der Hallenboden von den Wassermassen in der darunterliegenden Bachverrohrung hochgedrückt“, erklärt Deppe.

An der Verse lief ein Regenrückhaltebecken über, das Wasser lief durch Brüninghausen, Schäden seien nicht gemeldet worden.

„An der Volme wurden zahlreiche Bäume entwurzelt und Keller überflutet“, fährt Deppe fort. Eine Steuerung der Abwasserpumpstation im Feuerwehrgerätehaus müsse nach Flutschäden erneuert werden. „Im Schlittenbach lief ebenfalls das Hochwasserrückhaltebecken über, das Wasser lief zum Teil in die Kläranlage des Ruhrverbandes.“ In Augustenthal seien Bäume und Böschungen weggespült worden, bei anliegenden Häusern liefen die Keller voll, sagt Deppe.

Ein zweites Rückhaltebecken soll nach Wunsch des SELH am Wislader Weg entstehen.

Einige Hochwasser-Schutzmaßnahmen könnten aber kontraproduktiv sein: „Auch wenn es naheliegend ist, aber es sollten keine Schutzmauern am Gewässer errichtet werden. Schutzmauern beschleunigen den Abfluss, er würde noch schneller erfolgen und unterhalb gelegene Grundstücke und Städte hätten noch größere Probleme“, warnt der Fachmann. Wenn möglich sei eine Ausweitung des Gewässers oder die gezielte Überflutung von Grundstücken ideal, da dem Wasser so seine reißende Kraft genommen werde.

Der SELH kann die Schutzmaßnahmen nicht einzeln betrachten, sondern muss auch Folgen andernorts berücksichtigen. Gleiches gilt auch für die Stadt Lüdenscheid, denn ein Hochwasser macht nicht an Zuständigkeitsgrenzen halt. In einer ersten Videokonferenz haben Landrat Marco Voge, die Bürgermeister im Kreis sowie die NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser in der vergangenen Woche einen nachhaltigen Schutz vor Gefahren durch Starkregen und Hochwasser vereinbart. „Die Vorsorge vor Flutschäden ist eine Aufgabe, die nicht jede Kommune alleine lösen kann“, teilt Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer mit.

Daher sei es richtig, dass der Kreis und die Kommunen an einem Strang ziehen. Und das möglichst schnell: „Es ist wichtig, dass wir uns frühzeitig auf den Weg machen und Planungen vorantreiben“, sagt Voge. Die Behörden müssten nach dem verheerenden Starkregenereignis Maßnahmen für die Zukunft ergreifen. „Hier sind wir alle gemeinsam gefragt“, macht Voge deutlich.

169 Anträge für Soforthilfe eingegangen

Die Hochwasser-Soforthilfe konnte bis zum 31. August beantragt werden. Bei der Stadt Lüdenscheid bearbeitet Dirk Aengeneyndt vom Fachdienst Wirtschaftsförderung, Projektsteuerung und Liegenschaften die eingehenden Schreiben. „Insgesamt sind 169 Anträge bei uns eingegangen“, teilt Marit Schulte-Zakotnik, Pressesprecherin der Stadt Lüdenscheid, auf Anfrage mit. Davon seien einige bereits bewilligt oder abgelehnt worden, andere werden noch geprüft, ob eine akute Notlage bestehe. „Bis zum Anfang der kommenden Woche soll die Bearbeitung durch die Stadtverwaltung abgeschlossen sein“, sagt Schulte-Zakotnik. Privathaushalte konnten – je nach Personenzahl – zwischen 1500 und 3500 Euro beantragen, Gewerbliche Unternehmen, Freiberufler sowie Land- und forstwirtschaftliche Betriebe bis zu 5000 Euro

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