Hochbetrieb bei Vollmond, im Winter und an Montagen

Die Drei von der Beschwerdestelle im Rathaus (v. r.): Karin Schmidt, Petra Noack und Kerstin Marré.

LÜDENSCHEID ▪ Schafe sind bekanntlich friedliche Pflanzenfresser. Doch in einem Fall beschäftigte eine Schafherde die Beschwerdestelle der Stadt Lüdenscheid: Denn ein Schäfer des Naturschutzzentrums zog eines Freitagsmorgens mit seiner Herde durch Hellersen in Richtung Stilleking.

Anstatt sich mit der Aussicht auf die saftigen Weiden von Lüdenscheids schönster Hochebene zu begnügen, wichen die Schafe schon in Hellersen vom Pfad der Tugend ab und gerieten in den einen und anderen Vorgarten, wo sie es sich schmecken ließen. Die Anrufe ließen nicht lange auf sich warten, und die Beschwerdestelle vermittelte: Der STL fegte die Schafköttel von den Straßen, und das Naturschutzzentrum MK verständigte sich über einen Schadensausgleich mit den Besitzern der leckeren Vorgärten.

Rund tausend Bürgerkontakte unterschiedlichster Art zählt die Beschwerdestelle der Stadt, von denen etwa die Hälfte erfasst werden, berichtet Petra Noack aus dem Rats- und Bürgermeisteramt. Zusammen mit Karin Schmidt und Kerstin Marré nimmt sie die Telefonanrufe entgegen, liest Briefe und E-Mails. Etwa 20 Prozent der „Beschwerden“, die auch Hinweise, Anregungen oder Hilfeersuchen sein können, werden direkt bei Dieter Dzewas in der Bürgersprechstunde erörtert. Hart war der Winter deshalb nicht nur für die Bürger: „Das Telefon hat in der Zeit eigentlich nicht mehr stillgestanden“, erinnert sich Petra Noack an jene Wochen, in denen es einen direkten Draht zu all jenen gab, die sich bei der Schneeräumung und später bei der Reinigung der extrem verschmutzten Straßen übergangen fühlten. Gern wurde auch gegen die Straßensperrungen während der Abfuhr der Schneeberge protestiert.

Viel wurde in jener Zeit erklärt, und viele Bürger hätten dadurch auch ein tieferes Verständnis für das entwickelt, was damals mit den vorhandenen Mitteln machbar war und für das, was im Bereich des Wünschbaren bleiben musste. Viele Hinweise wanderten aber auch weiter an den Krisenstab beim STL.

Der Klassiker jenseits dieser Stoßzeiten sei immer noch der Nachbarschaftsstreit, erzählt Petra Noack und fügt an: „Oft wird nicht der Kontakt zum Nachbarn gesucht.“ Nur in Ausnahmen vermittele die Stadt bei solchen Streitigkeiten, für die reines Nachbarschaftsrecht zuständig ist. Lärm- und Geruchsbelästigungen sind neben schattenwerfenden Bäumen bei diesen Fällen die Favoriten.

Mit einem Schmunzeln erzählt Petra Noack die Geschichte eines Herrn, der sich telefonisch darüber beschwerte, dass in seiner Straße zu schnell gefahren werde, und am nächsten Tag vom Radarwagen geblitzt wurde. „Er hatte Recht“, sagt Petra Noack und freut sich über den Humor dieses Bürgers: „Er hat selber darüber geschmunzelt.“

Besondere Freude machen den drei Damen von der Beschwerdestelle die Anfragen von Kindern: „Die sind immer sehr konstruktiv, machen Vorschläge und bieten von sich aus Hilfe an.“ So schrieben die Kinder der Hermann-Gmeiner-Schule einen zweiseitigen Brief an den Bürgermeister, in dem sie um Unterstützung bei der Errichtung eines neuen Klettergerätes auf ihrem Schulhof baten. Einen Teil des Geldes hatten sie bereits erwirtschaftet. „Kinder und Jugendliche sind immer freundlich“, freut sich Petra Noack. Für die Erwachsenen gilt das vor allem bei Vollmond und an Montagen nicht immer. „Manchmal brauchten wir auch eine Beschwerdestelle“, sagt Petra Noack. ▪ thk

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare