Diskussion im Fachausschuss

Hitzige Debatte um neue Gewerbe- und Industrieflächen in Lüdenscheid

Wiese und Wald
+
Die geschützte Landschaft des Brenscheider Tals soll nach dem Willen der Kommunalpolitik weitgehend erhalten bleiben.

Die Ausweisung zusätzlicher Gewerbe- und Industrieflächen im Stadtgebiet wird verträglicher ausfallen als befürchtet.

Lüdenscheid - Die neu gegründete Zukunftsinitiative Lüdenscheid (ZiL) – Zusammenschluss mehrerer Umweltinitiativen und Verbände – nutzte das Forum der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtplanung sowie Umwelt- und Klimaschutz am Mittwochabend, um lautstark Front gegen den Regionalplan des Regierungspräsidiums Arnsberg zu machen. Die Ausschüsse verabschiedeten mehrheitlich einen deutlich „abgespeckten“ Regionalplan für Lüdenscheid.

Der Abstimmung ging eine streckenweise hitzig geführte Debatte voraus. Die ZiL-Sprecher nutzten die öffentliche Fragestunde für Kritik am „verantwortungslosen Umgang“ mit Flächen wie dem Industriegebiet Rosmart oder am drohenden Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet Brenscheider Tal. ZiL-Sprecherin Ulrike Rohlmann brachte eine „30 Jahre alte Forderung“ der Naturwissenschaftlichen Vereinigung (NwV) nach einem Flächenkataster auf die Tagesordnung.

Fachbereichsleiter Martin Bärwolf räumte einerseits Fehler aus der Vergangenheit ein („Ja, wir hätten mehr machen müssen, um Flächen zu sparen.“) und sprach von einem inzwischen „geschärften Bewusstsein“. Andererseits konstatierte er aus Sicht der Stadt: „Überhaupt keinen Eingriff in Flächen vorzunehmen, das wäre nicht sachgerecht.“ Und: Jeder Eingriff müsse ausgeglichen werden, „und zwar von denen, die ihn verursacht haben“.

Ein gemeinsamer Antrag, den die Fraktionen aus CDU, SPD und FDP kurz vor der Sitzung einbrachten, stieß bei der Mehrheit der Ausschüsse sowie der ZiL-Aktiven auf breite Zustimmung. In dem Papier heißt es unter anderem: „Der durch verschiedene Untersuchungen festgestellte Gewerbeflächenbedarf von etwa 120 Hektar lässt sich auf dem Stadtgebiet nicht in verantwortungsvoller Weise realisieren.“

Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis soll in Gesprächen mit Verantwortlichen der Bezirksregierung festgezurrt werden. Vorrangiges Ziel ist dabei eine verstärkte Kooperation mit Nachbarstädten für interkommunale Gewerbegebiete – und wichtigste Nachricht für Naturschützer der langfristige Schutz der 68 Hektar großen Fläche im Brenscheider Tal. Nur entlang der Herscheider Landstraße soll demnach ein Streifen von maximal elf Hektar für Gewerbe und Industrie erschlossen werden.

Um die Vorgabe aus Arnsberg dennoch erfüllen zu können, müssten laut Antrag in Schwiendahl etwa 36 Hektar ausgewiesen werden. Auch ein Areal hinter der Autobahnauffahrt Lüdenscheid-Nord käme in Frage. Tallagen wie im Oedenthal, in der Mintenbecke und im Bereich Brenscheid sollen unberührt bleiben.

Mehrheitlich beschlossen ist zudem ein Auftrag an die Stadtverwaltung, alle zweieinhalb Jahre einen umfassenden Bericht über die Flächenentwicklung und die Möglichkeit zur Reaktivierung von brach liegenden Grundstücken zu erarbeiten.

Mit Ausnahme der Grünen und der Linken votierten die Ratsvertreter für den Antrag. Darin heißt es weiter: „Zwischen den Nachhaltigkeitsanforderungen im Bereich Landschafts-, Umwelt- und Klimaschutz auf der einen und (...) wirtschaftlichen und städtebaulichen Interessen auf der anderen Seite ist sorgsam abzuwägen.“ Eine „Null-Flächen-Politik“ komme weder für Gewerbe- noch für Siedlungsflächen in Frage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare