Das müssen Sie jetzt wissen

Hitzewelle in Lüdenscheid hält an - Abkühlung am Samstag?

Lüdenscheid - Die Sonne knallt. Seit Tagen. Und sie wird es auch weiterhin tun. Der Wetterdienst hat eine Hitzewarnung bis Freitag ausgesprochen. Doch es scheint Abkühlung in Sicht.

Jetzt beginnen die Hundstage. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat ab Dienstag eine Hitzewarnung der Stufe 1 für Lüdenscheid und den Märkischen Kreis herausgegeben. Was lebt, leidet unter der Hitzewelle: Mensch, Tier und Pflanze. Die Gefahren, die die anhaltend hohen Temperaturen mit sich bringen, sollten nicht unterschätzt werden.

Hitzewarnungen werden vom DWD herausgegeben, wenn eine starke Wärmebelastung für mindestens zwei Tage in Folge vorhergesagt wird und eine ausreichende nächtliche Auskühlung der Wohnräume nicht mehr gewährleistet ist.

Dass extrem hohe Temperaturen nicht nur lästig sind, sondern auch gefährlich, zeigen die Zahlen aus dem Sommer 2003. Da hat die Hitzewelle in Europa bis zu 50.000 Menschen das Leben gekostet, darunter alleine mehrere Tausend in Deutschland.

Wie wird das Wetter in den nächsten Tagen?

Es wird heiß und trocken.

Donnerstag

32 Grad

Freitag

32 Grad

Samstag

27 Grad

Sonntag

27 Grad

Erleichterung gibt es erst gegen Wochenende: Am Samstag überquert eine Kaltfront Nordrhein-Westfalen. Das heißt nicht, dass die Temperaturen dann drastisch fallen werden. Es kann jedoch flächendeckend zur Schauern und Gewittern kommen.

So wird das Wetter in Lüdenscheid

Hitzebedingte Erkrankungen

Ärzte warnen, dass neben hitzebedingter Sterblichkeit während der hohen Temperaturen auch hitzebedingte Erkrankungen auftreten. Risikogruppen sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und kleine Kinder. Entscheidend ist, durch richtiges Verhalten die Beschwerden zu vermeiden oder zumindest zu verringern.

Alte Menschen müssen viel trinken und leichte Kost zu sich nehmen. „Kaltschale oder kühle Desserts zum Mittag kommen bei den Bewohnern sehr gut an“, weiß Udo Terschanski, Leiter des Lüdenscheider Dietrich-Bonhoeffer-Seniorenzentrums, aus Erfahrung. Auf der „Getränkekarte“ stehen für die kommenden Tage Säfte oder Eistees – „kalt und süß“ sind die bevorzugten Geschmacksrichtungen.

In der Notaufnahme des Klinikums in Hellersen gibt es bislang keine besonderen Vorkommnisse aufgrund der hohen Temperaturen. Allerdings ist man dort vorbereitet. Die Klima-Anlage läuft auf Hochtouren, die doppelte Menge an Mineralwasser steht bereit.

Worauf muss ich achten? Das rät der Arzt.

Dr. Thomas Geisel, Lüdenscheider Hausarzt und Facharzt für Innere Medizin, rät:

  • Bei diesen Temperaturen sollte man viel Flüssigkeit zu sich nehmen – 1,5 bis 2,5 Liter pro Tag. Gerade bei älteren Menschen lässt das Durstgefühl nach. Zu wenig Flüssigkeit sorgt aber schlagartig für einen deutlichen Leistungsverlust, der bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Das Glas solle man deutlich sichtbar vor sich hinstellen, damit man das Trinken nicht vergesse.
  • Wegen der hohen Ozonwerte sollte man Aktivitäten – wenn möglich – auf den frühen Morgen oder späteren Abend verlagern. Vermeiden sollte man auch die direkte Sonneneinstrahlung. Die Haut vergisst nichts.
Wer reichlich trinkt, steht Hitze besser durch.

Während einer Hitzewelle sollten Sie folgende Grundregeln für die eigene Gesundheit beachten:

  • Meiden Sie die Hitze: Gehen Sie nicht in die direkte Sonne. Gehen Sie nicht in der heißesten Zeit (nachmittags) nach draußen. Verschieben Sie körperliche Aktivität im Freien auf die frühen Morgenstunden.
  • Halten Sie Ihre Wohnung kühl. Lüften Sie nur, wenn es draußen kühler ist als drinnen. Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung.
  • Halten Sie Ihren Körper kühl und achten Sie auf ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr. Tragen Sie luftige, helle Kleidung und eine Kopfbedeckung. Nehmen Sie eine kühle Dusche oder ein kühles Bad. Trinken Sie ausreichend und regelmäßig

Hitze-Tipps: Finger weg von eiskalten Getränken!

Auch die Tiere leiden unter der Hitze

Auch Tiere haben's bei der Hitze schwer, betont Tierarzt Dr. Uwe Peuser. Seine Tipps:

  • Zimmerwarmes Wasser sollte Hund, Katze und anderen Tieren ausreichend zur Verfügung stehen. „Hunde und Katzen können nicht schwitzen, ihnen fehlen die nötigen Schweißdrüsen. Sie regulieren ihre Körpertemperatur durch Hecheln und Trinken.“
  • Die Spaziergänge sollte man in die frühen Morgen- und späten Abendstunden verlegen. „Mittags, wenn nötig, schattige Plätze auswählen“, sagt Dr. Peuser. „Und ganz wichtig: Keine Tiere oder Kinder im Auto lassen, dort entstehen auch bei geöffneten Fenstern schnell Backofentemperaturen.“
  • Stark behaarten Hunden könnte außerdem eine Schur helfen. „Schwimmen gehen ist auch eine gute Möglichkeit“, so Peuser.
Hundstage

Arbeiten in der Gluthitze: Dachdecker

Körperliche Anstrengung vermeiden - das geht nicht immer. Es gibt Jobs, in denen geht es heiß zu. Am Hochofen, beim Bäcker - und zurzeit auf dem Dach. Schatten findet das Team von Borau Dach, das derzeit an der Sanierung des Cafés und Hotels „Schiller’s“ in der Lüdenscheider Innenstadt mitarbeitet – in rund 20 Metern Höhe nirgends.

Morgens um 7 Uhr, wenn’s losgeht, sind die Temperaturen noch halbwegs erträglich, doch schon nach einer Stunde ist die Hitze zu spüren. In der Mittagszeit klettern die Temperaturen schnell auf 40 Grad, weil auch die Dämmung noch abstrahlt. Doch die Mannschaft nimmt’s gelassen. „15 Tage im Jahr sind ideal. Sonst ist es zu warm, zu kalt oder zu nass.“ Derzeit hilft vor allem viel Flüssigkeit: Drei bis vier Liter pro Tag sind an der Tagesordnung. Doch der Job hat auch seine angenehmen Seiten: „Wir werden hier sehr gut versorgt.“

Heißer Arbeitsplatz: Die Dachdecker auf dem "Schiller's"

Rekordzahlen am Nattenberg

Der Monat Juli ist noch nicht herum und schon zählt Jörg Hempel vom Bäderbetrieb der Stadtwerke Lüdenscheid 20.000 Besucher im Familienbad Nattenberg. „Im vergangenen Jahr waren es 18.000 über den gesamten Monat. Das steuert auf einen neuen Besucherrekord hin, da es ja so heiß bleiben soll."

Hier geht's zu den Öffnungszeiten

Ein Fest für Getränkemärkte

Besonders freuen sich die Getränkemärkte über die Hitzewelle. Auch gastronomische Betriebe und Großveranstaltungen fragen mehr Getränke an, weiß Philipp Linnepe, Inhaber des gleichnamigen Getränkegroßhandels. „Restaurants mit Außenbereichen und Open-Air-Feste sind bei gutem Wetter besser besucht, und die Leute haben großen Durst“, sagt Linnepe. „Davon profitieren beide Seiten.“

Nicht ganz so stark angestiegen ist der Umsatz hingegen bei alkoholischen Getränken: „Gekühlter Weiß- und Roséwein sind sehr gefragt, Weine sind aber nicht das Getränk für absolute Hitze“, sagt Jutta Beger von Eichelhardts Weinkontor.

Bombengeschäft für Eisdielen? Nein. „Viele denken, jetzt ist das ein Bombengeschäft für Eisdielen – aber das beste Geschäft haben wir, wenn es ein wenig kühler und sonnig ist“, sagt Luis Viveros, Inhaber des Eiscafés Il Gelato. Natürlich sei der Umsatz an den heißen Tagen sehr gut, „draußen sitzen wollen die Leute aber eher abends, oder sie nehmen sich das Eis lieber mit nach Hause“. Am häufigsten gingen bei ihm derzeit Fruchtsorten wie Blutorange, grüner Apfel oder Joghurteis über die Theke.

Gefahr von Waldbränden

Auch den Förstern

macht die Trockenheit zu schaffen. „Unsere Waldarbeiter beginnen ihre Arbeit jetzt bereits um 5 Uhr, um nicht zu lange den hohen Temperaturen ausgesetzt zu sein“, sagt Lüdenscheids Revierförster Marcus Teuber. Die Hitze leiste ansonsten besonders bei Nadelhölzern der Verbreitung des Borkenkäfers Vorschub.

In der Region gilt im Moment stark erhöhte Waldbrandgefahr, vor allem in Nadelhölzern. Auch viele Grasflächen sind braun und anfällig für Feuer. In den vergangenen Wochen hatte es die Feuerwehr mit Bränden am Hegenscheid in Altena sowie in Iserlohn-Drüpplingsen und Kesbern zu tun.

Das Ausmaß des Waldbrandes am Hegenscheid in Altena

Kreisbrandmeister Michael Kling gibt Tipps

Die Hitzewelle beschäftigt die Feuerwehr. „Wir können uns nicht daran erinnern, dass wir in den vergangenen zehn Jahren eine so angespannte Situation hatten. Diese Trockenheit, verbunden mit den hohen Temperaturen, ist extrem“, sagt Kreisbrandmeister Michael Kling. Er rät:

  • Werfen Sie keine Zigaretten oder andere brennende Gegenstände in die Natur – erst recht nicht aus dem Fahrzeug. 
  • Halten Sie in Wäldern die Zufahrtswege frei (zumindest aber eine Breite von 3,50 Metern für die Feuerwehr-Fahrzeuge) und parken Sie nicht vor Schranken. „Es ist kein Problem, in die Wälder zu gehen. Da ist es schön schattig. Aber es kommt oft vor, dass Leute auf Waldwegen parken, etwa um mit dem Hund Gassi zu gehen. Wir brauchen im Moment jeden Zufahrtsweg“, sagt Michael Kling.
  • Lassen Sie niemals Fahrzeuge mit heißen Abgasanlagen auf trockenen Feldern oder Wiesen stehen. Die Vegetation könnte sich daran entzünden. Kling: „Viele unterschätzen die Hitzeentwicklung von Autos. Auspuffanlage und Katalysator sind sehr heiß.“
  • Keine Scheu vor der 112! Melden Sie Brände oder Rauchentwicklungen über den Notruf. „Wenn Ihnen was seltsam kommt, sofort anrufen. Wir fahren lieber einmal zu viel raus als einmal zu wenig. Wir sind vorbereitet“, so Kling.
  • Grillen Sie in der Natur nur auf dafür ausgewiesenen Plätzen. Respektieren Sie Verbote.
  • Lagern Sie daheim Gasflaschen (etwa für den Grill) und Benzinkanister kühl, am besten in der Garage.

Wie oft gieße ich meine Pflanzen? Tipps für den Garten

Nicht nur Mensch und Tier haben Durst. Auch Pflanzen. Beim Gießen gibt es einiges zu beachten, sagt Anne Kästner vom Garten-Center Kremer an der Altenaer Straße. Ihre Tipps:

  • Gartenpflanzen nicht unter praller Mittagssonne (ca. 12 bis 15 Uhr) gießen, vor allem nicht über das Blattwerk. Zurückbleibende Wassertropfen wirken wie ein Lupe, dadurch kommt es zu verbrannten, braunen Stellen auf den Blättern. Dasselbe gilt beim Einsatz von Insektiziden und ähnlichem. „Entweder spätabends sprühen oder – wenn es noch nicht so schlimm ist – warten, bis die Hitzewelle vorbei ist“, sagt Kästner.
  • Auf keinen Fall zurzeit Rasen aussäen. Es sei denn, es kann Dauerbewässerung gewährleistet werden.
  • Nicht übertreiben beim Gießen! „Bei vielen Pflanzen, etwa für den Balkon, gilt: Lieber zu wenig als zu viel gießen, sonst faulen die Wurzeln weg“, sagt Anne Kästner. Ihr Rat: Vorher Finger in die Erde stecken und feststellen, wie feucht die Erde noch ist.
  • Wer unsicher ist, wie viel er gießen soll, sollte über die Anschaffung von Bewässerungssystemen nachdenken, die die Wasserzufuhr regeln. Sie lassen sich auch einfach selbst herstellen. Etwa so:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare