Auf der falschen Fährte 

Band ist vielmehr als ein Reisetagebuch

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Als Reisetagebuch wird dieses Heft in der Inventarliste der Museen geführt. 

Lüdenscheid – Nicht immer ist ein historisches Objekt das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Das zeigt das neue Exponat im Virtuellen Museum: Es handelt sich um ein in Leder gebundenes Tagebuch, das einem Peter Dahlhaus oder Dahlhausen aus Brügge gehörte. In der Inventarliste der Museen wird es seit dem Ankauf, noch zu D-Mark-Zeiten, geführt als „Tagebuch einer Amerikareise 1898 von Peter Dahlhausen aus Brügge“.

Wer sich allerdings näher mit den eng beschriebenen Seiten befasst und die altdeutsche Handschrift entziffert, merkt schnell, dass es sich um einen Irrtum handelt: Denn die „kurzen Erinnerungen und Eindrücke“, wie es in der Überschrift der ersten Seite heißt, stammen nicht von einer „kleinen Nordamerika-Reise“, sondern von einer Reise in den Norden Deutschlands, wohl auch an die Nordsee auf die Insel Sylt, mit Zwischenstationen unter anderem in Hannover. Gemeinsam mit seinem Neffen reiste der Tagebuchschreiber in das frühere Herzogtum Schleswig, um seine Nichte Marie dort abzuholen.

Dieses Beispiel bietet einen aufschlussreichen Eindruck davon, wie schwierig es mitunter sein kann, sich mit historischen Quellen zu befassen. Ein einziges falsch interpretiertes Wort bei einer kurzen Übergabe des Objekts kann komplett auf die falsche Fährte führen.

Diese Reise, die der Schreiber „trotz“ seiner 62 Jahre antritt, wie er selbst schreibt, beschreibt er sehr detailliert. Aber der Reisebericht ist nur der Anfang des Buches, soweit sich das bei einem ersten oberflächlichem Studium erschließen lässt. Die für heutige Lesegewohnheiten ungewohnte Handschrift macht es unmöglich, in kurzer Zeit eine genaue Analyse des Inhalts vorzunehmen.

Handschrift ist schwierig zu lesen

Im Folgenden gibt es immer wieder Zwischenüberschriften wie „Ostergedanken“, „Gedanken zum Erntedankfest“ oder auch zu Weihnachten. Einige Texte sind, trotz der für den Ungeübten schwierig zu lesenden Schrift, auf den ersten Blick auch als Gedichte zu erkennen. Zum Beispiel findet sich unter dem Titel „Hoffnungsbild“ ein kurzes Gedicht über den Frühling, in dem „nach des Winters kalter Nacht“ Bäume, Wiesen und Wälder blühen.

Von Anfang bis Ende sind die Seiten des Buches in altdeutscher Schrift ganz eng beschrieben. 

Dieses kleine Büchlein mit den vielen eng beschriebenen Seiten dürfte also weit mehr sein als ein Tagebuch. Es enthält Texte, die möglicherweise nicht nur für den privaten Gebrauch gedacht waren. Es scheint über einen längeren Zeitraum mit diesen Texten gefüllt worden zu sein, die Handschrift verändert sich im Lauf der Seiten – möglicherweise dem Alter des Schreibenden geschuldet.

Das Buch lädt mit seinem Reisebericht, den geistlichen Gedanken und Gedichten ein, darin zu stöbern, zu lesen und sich mit der Person des Schreibers zu befassen – doch genau dies ist für heutige Leser schwierig und vor allem sehr zeitintensiv. Das ist nebenbei kaum machbar und wäre sicher schon fast eine Aufgabe für eine eigenen Forschungsarbeit.

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