59 Einzelmaßnahmen

Verbot von Steingärten und Heizpilzen: Diese Maßnahmen stehen im Klima-Paket

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Ausbau der E-Mobilität ist ein Aspekt des Aktionsprogramms.

Lüdenscheid – Der Klima-Pakt für Lüdenscheid ist eines der weitreichendsten und ehrgeizigsten Programme, das die Lüdenscheider Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht hat.

Ehrgeizig aus Sicht der Stadtverwaltung, weitreichend für Bürger und solche, die es werden wollen. Am Mittwochabend haben die Mitglieder von Stadtplanungs- und Bauausschuss in gemeinsamer Sitzung im Kulturhaus grünes Licht für mehr Klimaschutz gegeben – einstimmig. 

Weil gleichzeitig mit der Zustimmung zum Klima-Paket auch über die Ablehnung einer entsprechenden Anregung der Ökologisch-Demokratischen Partei entschieden wurde, war auch klar: Der Klimanotstand wird nicht ausgerufen. 

59 Einzelmaßnahmen im Aktionsprogramm Klimaschutz

Stattdessen will die Stadt mit einer Fülle von am Ende 59 Einzelmaßnahmen ihre eigene CO2-Bilanz und den ökologischen Fußabdruck ihrer Bürger verbessern. Dazu hat sie das „Aktionsprogramm Klimaschutz“ vorgelegt. 

Hier geht es direkt zu den Maßnahmen

Grundsätzlich will die Stadt darin Klimaschutz in vielen Bereichen verpflichtend machen. Dabei wird es einen Paradigmenwechsel geben: Klimaschutz wird zur Regel, nicht zur Ausnahme. Besonders deutlich wird dies im „Pflichtenheft“ für private Bauträger und Bauherren, die in Zukunft in Lüdenscheid neu bauen möchten. 

Passivhaus oder Solardach, Gründachpflicht

So muss jeder Neubau mindestens ein Passivhaus sein und ein Solardach haben. Zu prüfen sei bei einem Neubau auch, ob nachhaltige Bauweisen, zum Beispiel mit Holz möglich sind. Besonders weitreichend wäre die Gründachpflicht sowie die Pflicht zur Fassadenbegrünung, zum Beispiel mit wildem Wein oder anderen Pflanzen. Die Stadt will mit leuchtendem Beispiel vorangehen und sich zu denselben Standards verpflichten. 

Die Vorgaben sollen im Rahmen der Bauleitplanung und in städtebaulichen Verträgen umgesetzt werden. Zuvor will die Verwaltung prüfen, ob solche Vorgaben für private Bauherren rechtlich zulässig sind. 

CO2-Ausstoß um 55 Prozent reguzieren

Große Veränderungen sollen auch im Verkehrssektor angeschoben werden, zum Beispiel mit einem E-Mobilitätskonzept. Das Ziel: Bis 2030 soll der CO2 -Ausstoß in der Stadt um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 reduziert werden. Die Grünen hatten mit einem entsprechenden Antrag Erfolg. 

„Wir erkennen mit dem Aktionsprogramm an, dass wir in der Vergangenheit zu wenig getan haben“, sagte Hans Jürgen Badziura, Fachdienstleiter Umweltschutz und Freiraum. Nun müsse alles Handeln auf Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit ausgerichtet werden. 

Viel Lob für das Aktionsprogramm

Viel Lob gab es aus den Reihen der Politik für das Aktionsprogramm. Wildblumenwiesen, der Verzicht auf Einwegprodukte sowie das Versprechen, künftig 20 Prozent der Haushaltsüberschüsse in Umweltprojekte zu stecken, fanden auf Antrag der SPD Eingang in das Programm. 

Vertreter von Umweltverbänden sowie von Fridays for Future nahmen als Besucher an der Sitzung teil. So zeigte sich Ulrike Rohlmann „ehrlich überrascht“ über die vielen Punkte in dem Paket, für die man zuvor jahrelang gekämpft hatte. Ihr Vorschlag, eine Jugendklimaschutzkonferenz sowie Klimaschutzbeauftragte an allen Schulen und Kindergärten einzuführen, wurde ebenfalls berücksichtigt.

Stadtrat hat das letzte Wort

Fridays for Future hatte sich zuvor vehement für die Ausrufung des Klimanotstands in Lüdenscheid eingesetzt. Sprecher Leonard Ohle betonte, dass ein solches Symbol wichtig sei, fügte dann aber doch an: „Egal, ob Symbol oder nicht, Hauptsache es passiert etwas.“ Auch wenn das Programm bei weitem nicht ausreiche, „damit Lüdenscheid eine klimaneutrale Kommune wird“. 

Das letzte Wort hat der Stadtrat am kommenden Montag.

Eine Delegation aus dem US-Bundesstaat Minnesota verfolgte interessiert die Debatte um mehr Klimaschutz im Ausschuss. US-Präsident Donald Trump gilt als Leugner des Klimawandels. 

Diese Maßnahmen sind geplant (Auswahl)

Die Stadtverwaltung wird von der Politik aufgefordert, folgende Sofortmaßnahmen auf den Weg zu bringen (Auswahl): 

- Verbot von Steingärten, um die Schaffung weiterer Hitzeinseln in der Stadt zu vermeiden 

- Staudenpflanzungen im öffentlichen Raum, um städtische Biodiversität zu erhöhen 

- Prüfung und Analyse möglicher ökologischer Trittsteine, Biotopvernetzungen (z. B. Brachflächen, Gewerbegebiete) in der Stadt inkl. Dachflächen

- Einrichtung eines Versuchsfeldes „Wald im Stadtpark“ zur Abschätzung der Ausgestaltung zukünftiger Forstflächen mit Gehölzen

- Stadtweites Verbot von Heizpilzen

- „Quartiersoffensive“: Förderung energetischer Quartierssanierungen J Förderung alternativer Verkehrssysteme und -antriebe 

- Pilotprojekt „Mobilitätsstationen/Verknüpfungspunkte“ an Ortseingängen für Pendler 

- Prüfung der Ausweitung von Tempo-30-Zonen im Stadtgebiet. 

- Ausbau des bestehenden Radverkehrsnetzes inklusive öffentlichkeitswirksamer Begleitung des Themas (z. B. E-Bike-Festival 2020) 

- Prüfung und Analyse, wie die Lüdenscheider Innenstadt bis 2030 autofrei werden kann 

- Erstellung eines E-Mobilitätskonzeptes/Mobilitätskonzeptes 

- Einführung eines Labels für „grüne Veranstaltungen“ 

- Einführung eines Mehrwegsystems in der Stadt für Veranstaltungen und Gastronomie 

- Überprüfung der Eignung von Dächern städtischer Liegenschaften für Photovoltaik-Nutzung 

- Festlegung mindestens eines Passivhausstandards, Einführung der Solardachpflicht, Einsatz von Recyclingbaustoffen, Prüfung nachhaltiger Bauweisen (Holz) und bei städtischen Neubauten (gilt auch für Eigenbetriebe) 

- Klimaneutralität bei städtischen Bestandsbauten 

- Gründachpflicht, Pflicht zur Fassadenbegrünung bei städtischen Gebäuden. 

- 20 Prozent der Haushaltsüberschüsse werden für Umweltprojekte verwendet

Lesen Sie auch:  Stadt soll prüfen: Wie wird Lüdenscheid bis 2030 autofrei?

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