Gemischte Gefühle

Mehrwertsteuer-Senkung im MK: Darum sieht der Einzelhandel Probleme

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Der Einzelhandel befürchtet, dass nun alle Waren neu ausgezeichnet werden müssen.

Lüdenscheid - Die Gefühle sind gemischt: Der Einzelhandel sieht in der zeitlich begrenzten Mehrwertsteuer-Senkung vor allem mehr Arbeit und eine gewisse Sorge angesichts der Umsetzung in den Geschäftsalltag.

Das zumindest legen erste Reaktionen nach Bekanntgabe der Kernbestandteile des Milliarden-Hilfspakets nahe. Ob sich am Ende die Einnahmen verbessern, müsse man abwarten.

Zwar hätten die Kunden notgedrungen mehr gekauft, weil man sich mehr selbst verpflegen musste. Aber ihnen als Händler seien auch mehr Kosten entstanden, sagt Bianca Preller vom Edeka-Markt am Buckesfeld. 

Personal, Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Spuckschutz in den Geschäften – da komme einiges zusammen, sagt sie. Das habe die höheren Umsätze aufgefressen. Ob das Milliarden-Paket tatsächlich für Händler wie sie mehr Geld bedeutet, wisse sie nicht. Sie sieht eher die praktischen Folgen: „Was uns annervt: Wir werden die kompletten Etiketten neu stecken müssen. Ich sehe die Senkung der Mehrwertsteuer mit gemischten Gefühlen.“ 

Ihr ist noch ein ganz anderer Aspekt wichtig. Zwar kauften die Leute im Moment mehr, aber leider nicht bewusster, bedauert sie. Darin liege aber ihrer Ansicht nach eine wirklich langfristige Chance für Veränderung, für Kunden und Händler: „Lebensmittel zu verramschen, ist ein Problem.“ Billigfleisch, Fleischhöfe – daran hingen viele Probleme. Umdenken sei wichtig. 

Lüdenscheid: Händler zur Mehrwertsteuer-Senkung

Die Reaktion der Kunden ist auch für Marco Schwarzkopf vom Bettenhaus Neumann wichtig. Doch klar sei: „Mit drei Prozent Rabatt lockt man keinen hinterm Ofen vor.“ Aber es sei viel zu früh für Einschätzungen: „Man muss auch abwarten, was die Großen machen. Prinzipiell halte ich die Senkung der Mehrwertsteuer für eine sehr gute Lösung, weil es für alle Branchen gilt.“ Das sei gerechter.

Ob es die gewünschten Effekte hat, werde vom Produkt abhängen, glaubt er: „Das wird sich einpendeln.“ Er könne den neuen Preis zwar auf Knopfdruck umstellen – „das dauert drei Sekunden“. 

Die eigentlichen Probleme lauerten woanders: Unterschiedliche Mehrwertsteuersätze zwischen Bestellung im Juni und Lieferung im August; Preislisten der Lieferanten, deren Änderung aufwendig und teuer wäre. „Wie gehen wir damit um“, fragt er sich. Und beantwortet das gleich selbst: „Da werden wir abwarten müssen.“

Viele Kommunen im MK sind Corona-frei - allerdings nicht alle.

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