Ein Schlaganfall veränderte alles im Leben von Klaus Holzrichter

+
Klaus Holzrichter hat sich von seinem Schlaganfall vor 14 Jahren nicht in die Knie zwingen lassen, hilft heute anderen Betroffenen.

LÜDENSCHEID - Es ist ein schöner Tag, an dem sich ein Mann in den besten Jahren auf sein Fahrrad schwingt, um seine Eltern zu besuchen. Er freut sich auf sie, auf die Fahrt dorthin. Und dann wird „schlagartig“ alles anders.

Als Klaus Holzrichter nach dem Unfall und der danach folgenden Operation erwacht, ist sein altes Leben Geschichte. Er kann sich nicht mehr äußern, seine gedachten Worte bleiben irgendwo in seinem Kopf hängen. Sie schaffen es nicht mehr, nach außen zu dringen. Und so wird er stumm. Aber nicht nur das. Er kann nicht mehr laufen, sitzt im Rollstuhl.

„Eine Geschichte von vielen“ – so nennt er es. „Am 5. September 1999 fing ein anderes Leben für mich an“, erzählt er. Ja, er spricht wieder und ja, er läuft wieder. Ein Mann wie ein Baum. Dass der heute 70-Jährige so ist, wie er heute ist, hat er nicht nur seinem starken Willen zu verdanken, sondern auch einer starken Gruppe, der Selbsthilfegruppe Schlaganfall nämlich.

Zu dieser Gruppe ging er sehr schnell nach seiner Erkrankung. „Es war ein Schock, dass nach dem Unfall nichts mehr ging“, erinnert sich Holzrichter. „Das Laufen nicht, das Sprechen nicht.“ Alles hatte sich verändert. Nur ein Wort konnte er sagen: „Scheiße.“

Und dann fiel ihm der Satz seines Vaters ein: „Gib nie auf; wer aufgibt, hat verloren.“ Der nächste Gedanke war: „Wie kommst du aus diesem Rollstuhl wieder heraus? Ohne Hilfe klappt das nicht.“ Die Hilfe kam, Klaus Holzrichter hatte ein Ziel. Nach vier Wochen war er heraus aus dem Stuhl. „Ich war der King“, lacht er beim Erzählen, und seine Augen strahlen.

„Laufen war damals meine oberste Priorität. Das war anstrengend.“ Anstrengend war auch die Zeit der Sprachtherapie. Vier Worte waren der Anfang. Nach zwei Jahren konnte er dann wieder ein zügiges Gespräch führen. Und er wollte weiter, schneller werden. Seine Sprachtherapeutin schlug ihm die schon erwähnte Selbsthilfegruppe vor. Er ging 2000 hin und ist heute deren Vorsitzender. „Die gegenseitige Hilfe und Unterstützung sind lebenswichtig“, sagt er.

„Der Erfahrungsaustausch mit den anderen Betroffenen überwindet die Isolation, in die man gekommen ist.“ Und eben diese sei fast das Schlimmste. Nicht nur das eigene Leben verändere sich, sondern auch das der gesamten Familie. „Der Informationsbedarf ist groß, wenn durch die Folge der Krankheit das Leben schlagartig andere Vorzeichen bekommt“, sagt Klaus Holzrichter.

Es funktioniere nicht, von Anderen zu erwarten, dass sie einen gesund machten. „Jeder muss selbst seinen Anteil dazu beitragen“ – dieser Meinung sind alle Mitglieder der Selbsthilfegruppe, die mit ihren derzeit 61 Teilnehmern (dabei sind 16 Familienmitglieder) inzwischen auch ein eingetragener Verein ist. „Wir sind eine sehr aktive Gruppe, die sich nicht nur um eigene Belange, sondern auch um die Verbesserung der ambulanten Nachsorge kümmert.“ An jedem letzten Montag des Monats treffen sie sich von 15 bis 17 Uhr in der Markuskirche am Wehberg zum Gedankenaustausch und zu Vorträgen von Ärzten, Logopäden und Therapeuten. Beim jährlichen Ausflug, dem Grillfest und dem Besuch von kulturellen Veranstaltungen geht es jedoch nicht um die Krankheit.

„Wir möchten damit auch das Selbstbewusstsein stärken, und das geht nicht auf Knopfdruck“, sagt Klaus Holzrichter noch. „Die Selbsthilfegruppe macht einen durch das Einsetzen für sich selbst und andere Betroffene stark.“ Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Lüdenscheid; Ansprechpartner: Klaus Holzrichter, Tel. 0 23 51/ 76 20.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare