Vor 70 Jahren

Heutiges P&C-Gebäude: Sirene defekt - Großfeuer zerstört Kaufhaus in der Innenstadt

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Seit dem Auszug von Sinn & Leffers 2011 steht das Gebäude leer. Peek & Cloppenburg hatte das Gebäude erworben, versucht es aber, nun wieder zu verkaufen.

Lüdenscheid – Es war einmal eines der modernsten Geschäftshäuser der Stadt: das Kaufhaus Krause am Sternplatz. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen, geschweige denn, was für eine Geschichte dieses Gebäude trägt. Ein einschneidendes Ereignis geschah vor 70 Jahren, als der Komplex, der nun schon seit neun Jahren leer steht, bei einem Brand vollständig zerstört wurde.

Der Brand Am 30. Januar 1950 hieß es in den Lüdenscheider Nachrichten: „Heute morgen brach im Textilhaus Krause ein Großbrand aus, dem das gesamte Inventar und ebenso der Warenvorrat restlos zum Opfer fielen.“ Vorübergehende Passanten hatten die ausbrechenden Qualmmassen aus dem Dachstuhl und wenige Minuten später die Feuerentwicklung in den oberen Schaufenstern an der Sauerfelder Straße gesehen und Hilfe gerufen. 

Allerdings versagte die Sirenenanlage der Stadt, was die Lage noch gravierender machte. Denn der nötige Großalarm erfolgte so erst verspätet. Das hatte zur Folge, dass nur die Freiwillige Feuerwehr sofort zur Stelle und auf die Hilfe von Passanten angewiesen war, um das Feuer in den Griff zu bekommen.

„Die wenigen Feuerwehrleute konnten so gut wie nichts tun, um dem Brand wirksam zuleide zu gehen“, hieß es in den Lüdenscheider Nachrichten. Lediglich der Altbau, der durch eine starke Brandmauer vom restlichen Gebäude getrennt war, blieb nach Löschen des „Großbrandes, wie ihn Lüdenscheid bisher nicht erlebte“, erhalten. Das Geschehen „war ein harter Schlag für die Besitzer und Angestellten“ und ein Verlust für die ganze Stadt. 

Es sei ein Glück im Unglück gewesen, denn ohne die herrschende Windstille an diesem Morgen hätte der Brand „wahrscheinlich einen größeren Teil des Geschäftsviertels in Schutt und Asche“ gelegt. So warfen in einem weiteren Artikel der LN die Redakteure die Frage auf, ob in Lüdenscheid nicht eine Berufsfeuerwehr gegründet werden sollte – diese gab es zum Zeitpunkt des Brandes nämlich noch nicht. Außerdem drückte man sein Unverständnis aus, warum in Lüdenscheid nicht, wie in anderen Städten auch, die Sirenenanlage einmal wöchentlich, jeden Samstag, kontrolliert werde. 

Der Wiederaufbau 

Nach der Brandkatastrophe entschied sich der Eigentümer Alfred Krause dazu, das Kaufhaus wieder aufzubauen. Unter der Überschrift „Endlich wieder eine Schlange“ berichteten die LN am 17. Februar 1950, dass die „wenigen Ueberreste der vom Wasser und Feuer nicht gänzlich zerstörten Waren“ verkauft wurden. 

Das Kaufhaus Krause am Straßenstern in den 1950er Jahren: Nach dem Wiederaufbau erstrahlt das Kaufhaus in neuem Glanz.

Darüber schienen sich viele Frauen zu freuen, da sie sich schon frühzeitig aufgemacht hatten, „um bei den ersten zu sein“, sodass sich eine lange Schlange gebildet hatte. Ein langer Flur wurde zu einem improvisierten Verkaufsraum umgestaltet. Die Firma Krause war zudem zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, das Verwaltungsgebäude, das den Brand überlebt hatte, für den Verkauf herzurichten. Man beabsichtigte, bis Ostern wieder eröffnen zu können. Und tatsächlich, sechs Wochen nach dem verheerenden Brand, konnte die Kundschaft in einem Saalgebäude mit einem Teil der Abteilungen wieder bedient werden. 

„Die damals zwei modernsten Geschäftshäuser der Stadt geizten nicht mit Festbeleuchtung“, heißt es zu diesem Bild in der Weihnachtszeit 1955.

Trotzdem sollte das Geschäft möglichst schnell wieder an alter Stelle zu finden sein und so kam es, dass ein Jahr später, am 26. April 1951, das neu errichtete Gebäude zumindest teilweise – Erdgeschoss und die erste Etage – wieder eröffnet werden konnte. Die endgültige Fertigstellung und somit die Inbetriebnahme des zweiten und dritten Obergeschosses folgte 1955. 

Ein Gebäude und seine Geschichte 

Obwohl Alfred Krause das Gebäude erst 1935 erworben hatte, reicht die Geschichte noch weiter zurück. Im 19. Jahrhundert hatte sich an dieser Stelle noch das Hotel Knobel befunden, welches abgerissen wurde, um 1900 an selber Stelle ein neues Warenhaus zu errichten, das Kaufhaus Alsberg. Die jüdische Familie Alsberg hatte Einzelhandelsgeschäfte in ganz Deutschland, wurde jedoch von den Nationalsozialisten enteignet, und Alfred Krause wurde der neue Besitzer des Kaufhauses. 

Nachdem er sein Geschäft aufgrund des Brandes ein Jahrzehnt zuvor wieder vollständig aufgebaut hatte, modernisierte er nicht nur das Kaufhaus immer wieder, sondern verdoppelte 1967 auch die Verkaufsfläche. 

40 Jahre lang war das Kaufhaus Krause am Sternplatz – damals Straßenstern genannt – ansässig. Zum 1. Januar 1977 verpachtete die Familie Krause das Gebäude jedoch an die Leffers AG. Die Mitarbeiter wurden alle übernommen, hieß es damals in den Lüdenscheider Nachrichten. 

Komplex steht seit gut neun Jahren leer

2011 sollte Peek & Cloppenburg Nachfolger von Leffers werden und 2014 eine Filiale im Gebäude eröffnen. Dazu kam es jedoch nie. Der Komplex steht seit gut neun Jahren leer. Eine Besserung ist auch derzeit nicht in Sicht.

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