"Viele andere Kinder haben gefragt, ob ich das Christkind sei"

Heute gibt es zweimal Geschenke: Wie es ist, ein Christkind zu sein

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Geburtstag an Heiligabend: Julia Späinghaus und Christiane Sieper (vorne) berichten, wie es ist, am 24. Dezember geboren zu sein.

Lüdenscheid - Julia Späinghaus und Christiane Sieper sind sich zuvor noch nie begegnet. Sie haben jedoch eine Gemeinsamkeit: Sie haben am 24. Dezember Geburtstag. 

Im Interview mit Redakteurin Marie Veelen tauschten sie sich darüber aus, wie es ist, an diesem besonderen Tag Geburtstag zu haben und wie es vor allem in ihrer Kindheit war.

Frau Sieper, Frau Späinghaus, wie ist es, an diesem besonderen Tag Geburtstag zu haben? 

Christiane Sieper: Als Teenager fand ich es immer doof, alle konnten spontane Feten machen, nur ich nicht. Mittlerweile ist das für mich aber ganz normal, an dem Tag Geburtstag zu haben.

Julia Späinghaus: Ja, für mich auch. Aber andere Menschen finden es weniger normal. Gerade bei Behördengängen sind die Reaktionen sehr extrem – was, Sie haben am 24. Dezember Geburtstag? Sie sind ja ein Christkind.

Christiane Sieper: Das stimmt, man wird immer drauf angesprochen. Aber das ist auch nett.

Wie feiern Sie ihren Geburtstag?

Sieper: Seit einigen Jahren habe ich an Heiligabend ein offenes Haus über die Mittagszeit. Mein Mann macht dann seine berühmte Rindfleischsuppe und oft kommen viele Leute zu Besuch, manchmal bis zu 25 und es ist sehr schön. Um 15 Uhr fahre ich dann immer zu meiner Mutter ins Altenheim – schließlich hat sie mich zur Welt gebracht. Und natürlich wegen Heiligabend. Wenn ich dann zurück bin, ist der Rest der Familie dann schon da und wir feiern. Der Hauptweihnachtstag ist bei uns aber der 25. Dezember. 

Späinghaus: Ich feiere meinen gar nicht jedes Jahr und wenn doch, dann oft zwischen den Tagen mit der Familie und Freunden. Es kommt aber auch schon mal vor, dass Freunde abends nach der Bescherung ab 22 oder 23 Uhr noch vorbei kommen und sich eine Fete entwickelt. Sonst gibt es morgens auch schon mal mit meinem Partner zusammen ein Geburtstagsfrühstück am 24. und später wird dann Weihnachten gefeiert. Früher habe ich auch schon mal in der Kneipe Stock am 23. Dezember reingefeiert, wenn die „Alle wieder da“-Party dort stattfand. Aber ich hätte gerne auch mal im Sommer Geburtstag gehabt und gegrillt. Und wenn ich in sechs Jahren wieder einen runden Geburtstag habe, meinen 40., würde ich auch gerne mal an dem Tag groß feiern, aber das geht ja nicht. 

Und wie war das als Kind mit dem Feiern? 

Späinghaus: Meine Eltern haben es immer gut hinbekommen und gesagt, das sei etwas ganz Besonderes, an dem Tag Geburtstag zu haben. Aber Weihnachten und Geburtstag wurden auch strikt getrennt. Bis ich zehn Jahre alt war, war bis nachmittags für meinen Geburtstag dekoriert – meine Mutter hatte die Weihnachtsdeko solange weggeräumt – und abends war dann Weihnachten. Der Kindergeburtstag mit den anderen Kindern wurde ins neue Jahr verschoben. Was ich besonders schön fand, war, dass die Erzieher im Kindergarten den Geburtstag auch immer für mich nachgeholt haben. 

Sieper: So war es bei meinen Eltern auch, sie haben sich immer viel Mühe gegeben. Morgens gab es immer Frühstück, dann war Geburtstag und danach fing Weihnachten an. Meinen Kindergeburtstag haben wir jedoch bis ich etwa acht Jahre alt war im Sommer gefeiert, an meinem Tauftag. 

Wie sieht es mit den Geschenken aus?

Späinghaus: Ich habe immer richtig viele Geschenke bekommen. Wenn ich als Teenager teure Wünsche hatte, konnte ich immer sagen, das ist für Weihnachten und meinen Geburtstag zusammen.

Sieper: Oh ja. Ich habe auch immer viele Geschenke bekommen. Ich hatte eine Reizüberflutung und manche Sachen habe ich sogar drei Mal bekommen, wenn ich mir etwas gewünscht habe. Dann hatte ich immer ein ganz schlechtes Gewissen und es tat mir leid. 

Und wie ist das heute? Bekommen Sie auch heute noch immer zwei Geschenke?

Späinghaus: Ja, mein Partner schenkt mir zwei Geschenke, eins zum Geburtstag und eins zu Weihnachten. Aber was ich ganz doof finde, ist, wenn jemand mir etwas zum Geburtstag schenkt und das dann in Weihnachtspapier einpackt.

Sieper: Das finde ich auch. Das würde ich selbst auch nie machen. Oder wenn man zum Geburtstag etwas bekommt, das Weihnachtscharakter hat. Früher habe ich auch von meinem Mann morgens ein Geburtstaggeschenk bekommen und abends dann ein Weihnachtsgeschenk. Aber seit zehn Jahren schenken wir uns nichts mehr zu Weihnachten, weil ich die Reizüberflutung nicht mochte. 

Und was haben Sie gedacht, als Sie als kleines Kind noch an das Christkind geglaubt haben, weil Sie am selben Tag Geburtstag hatten? 

Sieper: Mit dem Christkind gab es nie ein Problem, darüber hatte ich nie nachgedacht. Ich fühlte mich einfach unheimlich privilegiert. Es ist ein langer und anstrengender Tag, aber ich bin auch dankbar, dass ich auf der Welt bin und ich fühle mich geehrt, wenn viele Freunde an dem Tag vorbei kommen. 

Späinghaus: Ich habe mir auch nichts Besonderes gedacht, dass ich am selben Tag Geburtstag habe, wie das Christkind. Aber viele andere Kinder haben gefragt, ob ich das Christkind sei. 

Wie war es damals bei Ihrer Geburt?

Späinghaus: Meine älteren Geschwister haben mir erzählt, dass meine Mutter schon den ganzen Tag über Wehen hatte, aber meine Geschwister wollten unbedingt noch ganz schnell Bescherung haben, bevor meine Mutter ins Krankenhaus musste. Deshalb mussten sie dann ihre Geschenke ganz schnell auspacken. 

Sieper: Meine Mutter hat zum Arzt gesagt: Bloß nicht an Heiligabend, da will ich Zuhause sein. Aber dann bin ich mittags an Heiligabend zur Welt gekommen. Die Familie ist ins Krankenhaus gekommen und hat einen Weihnachtsbaum mit dorthin gebracht.

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