„Heuler“-Rettung: Klärung auf Europa-Ebene gefordert

Nicht nur Menschen, auch Gesetze entscheiden über Leben und Sterben von „Heulern“.

LÜDENSCHEID ▪ Das Verfahren gegen die als „Robbenretterin“ bekannt gewordene Tierärztin Janine Bahr (42, wir berichteten) ist gestern vor dem Husumer Amtsgericht eingestellt worden. „Es ist sehr gut gelaufen für uns“, beurteilte die gebürtige Lüdenscheiderin den Prozessverlauf, auch wenn sie sich einen Freispruch erhofft hatte. Statt dessen, so sagte sie gestern nach der rund dreistündigen Verhandlung, habe das Gericht nicht einmal alle Zeugen gehört. Auch so sei aber deutlich geworden, „was für eine Farce das ist“. Mit der Einstellung des Verfahrens habe sich das Gericht ihrer Ansicht nach nun „ein bisschen vor der Verantwortung gedrückt“.

In Schleswig-Holstein prallen zwei Gesetze aufeinander, dazwischen überleben weniger mutterlose Seehundbabys, „Heuler“ genannt, als möglich. Findet Janine Bahr. Unterstützung bekam sie gestern in ihrem Kampf, der sie in der Region schon berühmt-berüchtigt werden ließ, aus dem Nachbarland: von André van Gemmert von der Seehundaufzuchtstation Leni’t Hart in Pieterburen. Dort werde, sagt die Tierschützerin, erfolgreich praktiziert, was in Deutschland juristisch verfolgt werde: die Rettung von Seehundbabys. Dazu sind in Deutschland nur Seehundjäger befugt – obwohl Seehunde seit 30 Jahren gar nicht mehr gejagt werden dürfen. Ein Widerspruch, der, so finden Janine Bahr und ihre Unterstützer, nun auf europäischer Ebene geklärt werden muss, denn: „Ein Seehund hat eben keinen Pass. Wenn er Glück hat, dann kommt er in Holland an. Wenn er in Deutschland ankommt, wird er einen Kopf kürzer gemacht.“ Die Holländer hätten sich über die hiesige Praxis fassungslos gezeigt.

Jetzt wolle man sich an die Politik wenden, kündigte Janine Bahr gestern an, zumal sie den Kopf nach all der Aufregung wieder frei hat. Denn ein zweiter Fall kommt gar nicht erst vor Gericht, weil der Bußgeldbescheid des Kreises Nordfriesland wohl auf wackeligen Füßen steht. Janine Bahr war nachweislich gar nicht im Lande, als sie ein zweites Seehundbaby gerettet haben soll.

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