Herzogstraße 1 soll am Mittwoch unter Denkmalschutz gestellt werden

Mit seiner auffälligen Eckgestaltung ist das Haus Herzogstraße 1 auch für die Münsteraner Denkmalschützer ein „point de vue“ – zu Deutsch: ein echter Hingucker.

Lüdenscheid - Es war erst die Anzeige der geplanten energetischen Instandsetzung des Gebäudes an der Herzogstraße 1 durch Otto Bodenheimer, die eine erneute Prüfung des Denkmalwertes seines Hauses auslöste.

Das geht aus der Beschlussvorlage für die morgen stattfindende Sitzung des Bauausschusses hervor. Demnach waren damit sowohl die Stadt Lüdenscheid als Untere Denkmalbehörde als auch das Amt für Denkmalpflege in Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe befasst.

Das LWL-Amt kam zu dem Schluss, dass das 1908 vom und für den Architekten Robert Adrian (1878 – 1934) aus Lüdenscheid errichtete Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Marien- und Herzogstraße im Kernbereich der Lü-denscheider Altstadt unter Denkmalschutz zu stellen ist. Dafür spreche nicht nur, dass das zweigeschossige, am Straßeneck abgeschrägte Haus mit seinen Giebeln zu jeder Straßenseite sowie einem Zwerchhaus über der abgeschrägten Ecke „stadtbildprägend ausgestaltet“ sei.

Das Gebäude sei auch „bedeutend für die Geschichte des Menschen, hier für die Ortsgeschichte von Lüdenscheid“, denn es bezeuge den Wandel der Altstadt: „Während die ältere Bauschicht meist Wohnhäuser ohne Ladenlokale aufweist, zeichnen sich die Häuser ab dem späten 19. Jahrhundert und Anfang 20. Jahrhundert durch eine Geschäfts- und Wohnnutzung aus. Auch die älteren Häuser hatten durchaus einen Wirtschafts- oder Werkstattbereich, aber Ladenlokale mit Schaufenstern, wo die angebotene Ware auslag, gab es selten. Die meisten dieser neuen Häuser entstanden in der Wilhelmstraße, aber auch hier im Kern der alten Stadt, gab es diese Veränderungen.“ Das LWL-Amt schreibt weiter: „Der sehr gute Erhaltungszustand des Ladenlokals und des Wohnbereichs ermöglicht, das Wohnen und Wirtschaften in diesem Haus gut nachzuvollziehen.“ Obwohl aus Bauunterlagen hervorgehe, dass der Architekt auch Bauherr ist, habe er das Gebäude wohl nur vermietet. Auf jeden Fall befand sich dort 1925 die Samenhandlung Vollmann.

 Mit dem auffälligen Eckgiebel vertrete das Gebäude den Heimatschutzstil in einer Ausprägung, die Elemente aus den unterschiedlichsten Regionen zusammenwürfelt, aber nichts mit traditioneller ,Märkischer Architektur’ gemein habe. „Im Gegenteil: Es wirkt in Lüdenscheid wie ein Fremdkörper.“

Hierauf spiele auch eine Schrifttafel im Eingang an – die unversehens Aktualität erhält, denn der Spruch lautet: „Wer bauen will an freier strassen mus sich viel unnütz geswetz nicht irren lassen“.

Schließlich, so die Münsteraner Denkmalpfleger, sei das Haus von Robert Adrian gebaut worden, „einem Architekten, über den noch nicht sehr viel bekannt ist, der jedoch – wie auch dieses Haus zeigt – überaus interessant ist und in gewisser Weise zeittypisch gestaltet.“ In Krefeld stehe ein Bürogebäude, das Adrian für die „Konsumgesellschaft“ errichtete. Es steht unter Schutz. - hgm

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