Herr der Diebe: Hinreißend und turbulent gespielt

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Turbulent geht es nicht nur auf der Hauptbühne zu. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Ein heiteres, bisweilen turbulentes Stück hat die Junge Bühne der Lüdenscheider Altstadtbühne erfolgreich auf den Weg gebracht. Der „Herr der Diebe“, Regie Bernd Ludolph und Ingrid Schulz, ein wenig Märchen und ein bisschen Sozialromantik, phasenweise von den jungen Akteuren hinreißend gespielt, ist passend zum bevorstehenden Fest das richtige Stück.

Pluspunkt: Liebevoll wie funktional stimmig sind die wechselnden Bühnenbilder. Treffliche Musikeinspielungen kommen hinzu. Der Aufwand für das Licht hält sich in Grenzen. Die Idee, aus dem Zuschauerraum die Tische zu entnehmen, nur zu bestuhlen und freiwerdende Flächen fürs heiter-turbulente Spiel zu nutzen, ist überzeugend. Gespielt wird auf der Hauptbühne, einer Nebenbühne hinter der Theke und auf den Laufflächen im Zuschauerraum. Auch die Eingangstür und die Theke – Laden des windigen Händlers Barbarossa – werden genutzt.

Es ist viel Bewegung im Spiel, da flanieren Masken, ein Harlekin verpustet gekonnt eine Umbaupause mit Seifenblasen, eine Touristin wird von Barbarossa übers Ohr gehauen, Wege, Straßen und Plätze Venedigs sind im Zuschauerraum.

Der Stoff: Zwei Jungs, Bo (Nicola Kleinfeld) und Prosper (Nina Kleinfeld) sollten nach dem Tode ihrer Mutter getrennt werden. Der eine zu Tante und Onkel Hartlieb (Eleni Schulte, Achim Schulz) und der andere ins Waisenhaus. Deshalb sind sie in die Lieblingsstadt ihrer Mutter getürmt, haben sich dort Straßenkindern angeschlossen, leben im Verborgenen und ihr Held ist der „Herr der Diebe“.

In Fahrt kommt das Stück durch das Auftreten der Hartliebs, die nach den Kindern fahnden und einen Detektiv, Matthias Beer in der Rolle des Victor Getz, einschalten. Als sich der „Conte“, eine der drei Rollen Christo Miachilitis’, über Hehler Barbarossa an Scipio (Arne Löber), den Herrn der Diebe wendet und ihn beauftragt, einen Holzflügel zu stehlen, überschlagen sich die Ereignisse. Der Flügel gehört zur Löwenfigur eines magischen Karussells, dessen Benutzer älter oder jünger werden können.

Spaß macht es, den jungen Akteuren zuzusehen. Scipio, Prosper und Bo, Wespe (Kira Rottstock), Mosca (Armin Schulte) und Riccio (Kristin Kremer), das ist ein munteres Sextett, das jedes Spieltempo mitgeht, ernsterer Situation wie auch Situationskomik gewachsen ist. Da führt die Flucht vor dem Detektiv in wilder Jagd durch den Zuschauerraum und endet die fröhliche Keilerei auf der Bühne, da Matthias Beer alias Victor Getz erst einmal schön verschnürt wird.

Die weiteren Vorstellungen: Dienstag, 13.12., 18.15 Uhr, Donnerstag, 15.12, 18.15 Uhr, Freitag, 16.12., 18.15 Uhr, Samstag, 17.12., 15 Uhr; Sonntag, 18.12., 15 Uhr. Vorverkaufstellen: LN-Ticketshop, Friedrichstraße 6, Theaterkasse des Kulturhauses, Freiherr-vom-Stein-Straße 9, Kartenpreis: vier Euro.

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