Hermann-Gmeiner-Schule muss 2012 schließen

Kämpften am Montagabend im Rat vergeblich für den Erhalt der Hermann-Gmeiner-Schule: die evangelischen Geistlichen Monika Deitenbeck-Goseberg und Thorsten Brinkmeier.

LÜDENSCHEID ▪ Ab sofort beginnt im Rathaus die Vorbereitung der Schließung der Hermann-Gmeiner-Grundschule im Sommer 2012. Diesen Auftrag erteilte der Rat gestern bei sechs Gegenstimmen. Vergebens hatten die Geistlichen Monika Deitenbeck-Goseberg und Thorsten Brinkmeier an die Politiker appelliert, den Teilstandort nicht mit der Schule Gevelndorf zu vereinen.

Stinksauer reagierte Hansjürgen Wakup (CDU) als leidenschaftlicher Verfechter des Erhalts der Schule in seinem Wahlkreis: „Ich muss mich geschlagen geben. Alle Bürger in der Rahmede, die gegen die Schließung waren, wurden nicht gehört. Heute beginnt das langsame Sterben eines Stadtteils, und ich bin gespannt auf die Beteiligung dort an der nächsten Wahl!“

Mit diesen Sätzen fing sich Wakup, der mit Björn Weiß auch gegen den Rest seiner Fraktion gestimmt hatte, einen Rüffel von Bürgermeister Dieter Dzewas ein: „Die Bürger nicht gehört? Das ist falsch! Die Eltern waren im Schulausschuss, es gab die Bürgerversammlung. Die Entscheidung passt Ihnen nicht, doch das ist ein Unterschied.“ Jetzt Politikverdrossenheit zu beschwören, sei der völlig falsche Weg.

Zuvor hatten die Pfarrer „für die Bewohner beider Stadtteile“ ihren Antrag auf Schul-Erhalt in einem „persönlichen Appell“ an die Politiker erklärt. Anders als dargestellt, gebe es eine Rechtsgrundlage für zwei einzügige Schulen, sagte Brinkmeier. Zurzeit falle die Kinderzahl, aber: „Die Stadt hat uns gebeten, in der Kita eine dritte Gruppe für unter Dreijährige einzurichten. Wie passt das zusammen?“

Rathmecke und Dickenberg würden „ins Herz getroffen“, doch offenbar hätten Außenstadtteile schwere Zeiten vor sich, wenn Schulen nur rund ums Zentrum bleiben sollen. Die Einsparung von 96 000 Euro im Jahr treffe „kleine Menschenkinder, auch die entwurzelten im SOS-Kinderdorf“, ergänzte Deitenbeck-Goseberg. Das sei, bei allem Respekt, etwas anderes als das Sparen an Grünanlagen.

Susanne Wessels, Direktorin des MK-Schulamtes, befürwortete die Zusammenlegung. Der Verbund zweier einzügiger Schulen sei nur als Ausnahme möglich, die hier nicht gegeben sei. Es gebe in dem kleinen Verbund vielmehr Probleme mit der Lehrerzahl, die an der schrumpfenden Schülerzahl hängt. Und: Eltern hätten den Verbund nie als „eine“ Schule gesehen, sondern in Konfliktgesprächen oft nur „ihren“ Standort.

„Die Entscheidung ist notwendig, auch wenn sie niemandem leicht fällt“, sagte Jens Holzrichter (FDP). „Pädagogisch tragisch“ nannte Tanja Tschöke (Grüne) den Beschluss, der aber zu fällen sei. Angelika Linnepe (LL) sieht die Schließung wegen des Lehrerproblems als unausweichlich an. Oliver Fröhling (CDU) hält eine gute pädagogische Arbeit auch an nur einem Standort für gegeben. Jens Voß (SPD) verwies darauf, dass der Offene Ganztag beim CVJM im Stadtteil Rathmecke-Dickenberg bleibt. Er wies damit eine Kritik von AfL-Ratsherr Peter Oettinghaus an einer „Entfremdung der Kinder aus dem Stadtteil“ zurück.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare