Herber Rückschlag für „Vassili“

Strafverteidiger Andreas Trode mit seinem Mandanten

Lüdenscheid - Es gibt nicht mehr allzu viel, was für den Angeklagten spricht. „Vassili“ hat eineinhalb Monate nach Beginn des Prozesses einen herben Rückschlag erlitten. Die Aussagen seiner mutmaßlichen Opfer sind erdrückend.  

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern und wird Montag, 22. Dezember, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Die Zeugen zeichnen von "Vassili" das Bild eines rücksichtslosen Kriminellen, der sich systematisch bereichert, indem er einschüchtert, erpresst und bedroht und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, um seine Forderungen durchzusetzen.

Wie viel das Gericht von dem, was der Lüdenscheider an Erklärungen abgibt, für bare Münze nimmt, hängt von weiteren Zeugen ab. Einfluss könnte auch ein psychiatrisches Gutachten der Sachverständigen Dr. Susanne Kowohl aus Hemer sein. Doch der Angeklagte hat sich auf Anraten seines Verteidigers Andreas Trode noch nicht untersuchen lassen. Sowohl über seine Glaubwürdigkeit als auch seinen psychischen Zustand zum Zeitpunkt seiner Verbrechen gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse.

Sollte die 4. große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Heike Hartmann-Garschagen den zuletzt vernommenen Belastungszeugen Glauben schenken, dann wiegen diese Aussagen sehr schwer. Dann ist klar, dass der Angeklagte seine Opfer in seiner Geldgier wirtschaftlich ruiniert hat. Dann ist auch klar, dass er sie gezwungen hat, Bankkonten zu eröffnen, Kredite aufzunehmen und teure Ratenkäufe zu tätigen.

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„Ich musste zum Einkaufen mitgehen, meinen 'Perso' und meine Kreditkarte hinlegen. Ich musste sagen, dass ich bei Gerhardi arbeite und 2000 Euro im Monat verdiene, damit wir Kaufverträge abschließen konnten.“ So erinnert sich ein an Krebs erkrankter junger Mann. Auf die Frage, warum er nicht einfach frühzeitig zur Polizei gegangen ist, um seinen Peiniger anzuzeigen, antwortet der 23-Jährige mit dem Satz: „Ich hatte Angst, man hat ja schon viel darüber gehört, wie schlimm er ist.“

Auch ein 20-Jähriger, der mit Schlägen und Elektroschocks dafür bestraft wurde, dass er zunächst seine Bank- und Kreditkarten hat sperren lassen, berichtet über seine Angst vor dem Angeklagten. „Über den werden viele üble Geschichten erzählt.“ Und ein 24 Jahre alter Lagerarbeiter bricht im Zeugenstand sogar in Tränen aus, als er über seine Erlebnisse erzählt.

Zum Teil, berichten die Zeugen, haben die Banken ein Einsehen und hätten zugesichert, die Rückzahlung von Krediten zumindest bis zum Ende des Verfahrens gegen „Vassili“ zu stunden. Andere wiederum bestehen auf Zahlungen. - von Olaf Moos

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