Herbe Lyrik zu deftigem Sound

+
Nicht nur knackige Rocksongs, sondern auch ein Bühnenfeuer hatte „Kommt Zeit Kommt Zeit“ dabei. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Bühnenfeuerchen und dicker Nebel im Panoptikum beim Release-Konzert der Band „Kommt Zeit Kommt Zeit“ für die CD „Die ersten Sonnenstrahlen“: Eine fast perfekte Show des Trios am Freitagabend, das die härtere Gangart bevorzugt, dem hämmernden Sound bisweilen klirrende minimalistische Gitarrensoli beimischt und als Stilmittel unvermutete Brüche wie Tempowechsel auspackt. Was so knallhart daherkommt, musikalisch durchaus noch Luft nach oben hat, ist durchaus der Ansatz zum eigenen Stil. Der jedoch lebt erst so richtig auf, wenn die Texte der Songs verständlich sind.

Vor dem Auftritt mühte man sich, die rechten Sound-Einstellungen zu finden, und auch auf dem Erstlingswerk „Die ersten Sonnenstrahlen“ ist Sänger und Bassist Patrick Preuß nur phasenweise gut verständlich. Schade, Ron (Schlagzeug) und Ruben Pietrowski (Gitarre) sowie ihr Frontmann knallten frech ihre Musik durchs Panoptikum – nur da war kein Platz mehr für Stimme und Text.

Unverkrampft packte die Band in klarer Sprache Themen an, die bewegen. In „Zwischen den Zeilen“ heißt es: „Lauf nicht weg, bleib doch steh’n, wir werden euch zeigen, mit Problemen umzugeh’n.“ Und weiter: „Ihr müsst auch mal handeln, um draußen die Sonne zu seh’n.“ Die Band kündet von Teilhabe an der Welt, bietet ein eindrückliches Antikriegslied. In „Alptraum Realität“ prallen Armut und Missbrauch von Kindern auf die Zeilen „Es klingt wie eine Androhung, dafür ist es zu spät, diese Szenarien sind Realität.“ Kernaussage: „Wie widerlich, diese Wahrheit niemals zu seh’n.“

„Kommt Zeit Kommt Zeit“ packt an, was die Mitglieder bewegt, setzt es in unverblümte Sprache herber Lyrik und knallt ihre Inhalte in musikalisch deftiger Form, krachendem Garagenrock, heraus. Hätte das Publikum im prallvollen Panoptikum die starken Texte vernehmen können, wäre dies ein perfekter Abend geworden.

Mit an Bord beim ReleaseKonzert im Panoptikum: Die Band „4Spurig.“ Weil Schlagzeuger Matthias Bang an der Ostsee weilte, ging es dreispurig unplugged voran. Sänger René Sadowski, Gitarrist Marc Humbeck und Bassist Tim Kreckel machten aus der Not eine Tugend und legten einen blitzsauberen Auftritt hin. Treffliche Texte aus dem Alltag, aber auch Humorvolles wie der am Ende bejubelte Titel „Wir stinken nicht“ brachte das Trio musikalisch gut verpackt unter. Normalerweise, so ließ die Band verlauten, „spielen wir richtig laut“, aber unplugged „machen wir schon auch einmal.“ Das sollten sie durchaus wiederholen. ▪ Ulf Schwager

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare