Leerstände in der Innenstadt sind eine Herausforderung

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Verrammelte Türen, verklebte Schaufenster: Leerstände machen eine Stadt nicht attraktiver. Mit gezieltem Leerstandsmanagement lässt sich den negativen Effekten entgegenwirken.

Lüdenscheid - Gähnende Leere verkauft sich nicht gut. Deshalb hat die Innovationsagentur Stadtumbau NRW Konzepte für ein Leerstandsmanagement erarbeitet und erprobt. Die Stadt Lüdenscheid, Mitglied im Netzwerk Innenstadt NRW, kann von solchen praxisnahen Ideensammlungen profitieren.

Idealerweise würde ein Leerstandsmanager sie umsetzen. Die Gefahr sei, so heißt es im Konzeptpapier der „Stadtumbauer“, dass Leerstände sich negativ auf ihre Umgebung auswirkten, Kunden ausblieben, weitere Leerstände folgten. Ursache kann das Wegbrechen eines Großmieters sein.

Die P&C-Immobilie, die seit dem Umzug von Sinn-Leffers als Tor zur Wilhelmstraße verwaist ist, ist ein Beispiel dafür. Im Umfeld stehen Läden leer, der nächste Räumungsverkauf ist geplant; Eigentümer resignieren bei der Nachmieter-Suche.  Um solche Prozesse aufzuhalten – in der Oberstadt war die Entwicklung zeitweise ähnlich nach der Schließung des Bertelsmann-Buchclubs – empfehlen Fachleute unterschiedliche Maßnahmen.

Dazu gehört auch Kosmetik: tote Schaufenster beleben, Zwischennutzungen finden oder wenigstens den Eindruck jahrelanger Vernachlässigung vermeiden. Die NRW-Agentur Stadtumbau sagt dazu: „Ein erfolgreiches Leerstandsmanagement wirkt sich maßgeblich auf eine positive Wahrnehmung des Mikrostandortes aus und beeinflusst somit den Makrostandort und die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt.“

Auf lange Sicht könnte die Entwicklung neuer Mietkonzepte hilfreich sein, die von Mietpreisstaffelung bis zu der Idee reichen, mehrere kleine Ladenlokale zu einer Großfläche hinter historischen Fassaden zu bündeln, was für Ankermieter mit Platzbedarf attraktiv sein könnte. So weit die Theorie.

Seit dem Umzug von Sinn Leffers ist das Gebäude - das Tor zur Wilhelmstraße - verwaist.

In der Praxis scheitert’s aus verschiedenen Gründen an der Umsetzung. „Arbeit ist genug da, aber wer soll’s organisieren“, fragt WKL-Vorsitzende Christel Gabler. Sie weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass es „unheimlich zeitaufwendig ist, bis die Eigentümer überhaupt mit einem sprechen“. Das Thema sei nicht neu, wenn sich auch die Bezeichnung geändert habe: „Es ist ja alles schon mal da gewesen.“ Die Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid (WKL) mit der LSM als operativem Arm ist ein Zusammenschluss von rund 25 Vereinsmitgliedern, die Gemeinschaftsaktionen finanzieren und durchführen.

Ein Leerstandsmanagement könne man sich bei dem Mitgliederstand nicht leisten, so Gabler. Eine Hürde sei zum Beispiel der Datenschutz, wenn man mit Hauseigentümern in Kontakt kommen wolle, darunter Erbengemeinschaften von auswärts. Die Arbeit ist für sie somit von einer gewissen Resignation begleitet: „Der Einzelhändler handelt einzeln, und das war schon immer so.“ - sum

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