Fleischermeister seit 60 Jahren

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Heinz Eduard Bösinghaus aus Brügge ist seit 60 Jahren Fleischermeister.

BRÜGGE - Als der Fleischer Heinz Eduard Bösinghaus (86) in Dortmund seinen Meisterbrief erhielt, tobte in der DDR gerade der Volksaufstand, und die Augsburger Puppenkiste feierte Fernsehpremiere. Das ist 60 Jahre her. Nun hält Fleischermeister Bösinghaus seinen Diamantenen Meisterbrief in Händen, verliehen von der Handwerkskammer Südwestfalen.

In einem „wunderschönen Festakt“, wie der gebürtige Lüdenscheider sagt, ehrte der Präsident der Handwerkskammer, Willy Hesse, in Arnsberg neun Männer aus dem Märkischen Kreis als „Pfeiler unserer Wirtschaft“. Hesse: „Ja, Sie machten das deutsche Wirtschaftswunder.“ Unter den „Diamantenen“ aus dem Kreis ist Bösinghaus der einzige Lüdenscheider. Aber eigentlich sei er ja Brügger, zwinkert er.

Wie groß die Entbehrungen nach Kriegsende auch im Sauerland waren, beschreibt Heinz Eduard Bösinghaus in zwei Sätzen. „Wir hatten nix.“ Und: „Im Betrieb meines Vaters habe ich zunächst gelernt, Büchsen aufzumachen.“ Doch die Geduld der kleinen Brügger Metzgerfamilie zahlte sich aus. Die Fleischerei mit eigener Schlachtung und der Viehhandel quer durch die Region begannen wieder zu florieren. Zwei weitere Metzger-Betriebe arbeiteten zu dieser Zeit im Volmeort. Vom Vater Eduard und vom legendären Gesellen Willy Schauerte bekam Lehrling Heinz Eduard das nötige Rüstzeug vermittelt. Mit dem Halveraner Metzger Eberhard Kerspe fuhr der Stift regelmäßig zum Schlachtviehmarkt nach Wuppertal und erweiterte seine Kenntnisse.

Das Geschäft der Familie Bösinghaus, gegründet vom Großvater – noch einem Eduard Bösinghaus – versorgte viele Brügger Kunden sowie Hotels, Gaststätten und den Einzelhandel mit Fleisch von umliegenden Bauernhöfen und hausgemachter Wurst.

Stolz blickt der Jubilar auf die zahlreichen internationalen Auszeichnungen und Ehrenpreise für seine Produkte zurück. „Wir haben einmal 13 Sorten eingeschickt, alle wurden prämiert.“ Medaillen für Schwartemagen in Kopenhagen, Urkunden für Schinkenplockwurst in Amsterdam, Ehrenpreise für die berühmte Saure Rolle in Utrecht – alles hübsch sichtbar im Laden an der Halver Straße an die Fliesen gehängt.

Und in den 90er-Jahren wieder von der Wand genommen, als die Fleischer-Familie Bösinghaus nach drei Generationen aufgab. „Unsere beiden Kinder hatten kein Interesse an dem Beruf.“

Im Leben Brügges, im Schützenverein und in der Nachbarschaft, sind Magdalena Lisette und Heinz Eduard Bösinghaus fest verwurzelt. Mit Berufskollegen wie Theo Kießler vom Kluser Platz oder Karl August Bickenbach, beide ebenfalls seit 60 Jahren Meister, verbinden ihn alte Freundschaften. Der Name der Brügger Metzgerfamilie ist fest mit dem Ortsteil an der Volme verbunden. - Olaf Moos

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