Heimatverein: Verschüttete Erinnerungen

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Interessiert folgen die Teilnehmer dem Vortrag von Gerd Geisel. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Die Vortrags- und Gesprächsreihe „Weißt Du noch …?“ des Lüdenscheider Geschichts- und Heimatvereins war im DRK-Heim Brügge erneut ein Renner. Der Publikumszuspruch war so groß, dass einige Besucher keinen Sitzplatz mehr ergattern konnten.

Referent war an diesem Abend Gerhard Geisel, der anhand einer von Dieter Lohmann zusammengestellten und vorgeführten Fotoshow mit historischen Motiven zunächst den Stadtteil mit seinen prägnanten, teilweise jedoch längst nicht mehr vorhandenen Bauwerken vorstellte. Freudige Erinnerungen, aber auch Wehmut löste zum Beispiel die Abbildung des Gasthofes Niggeloh aus, der bei einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkrieges komplett zerstört wurde.

Alte Postkarten und Fotos von Orten in und um Brügge, die heute kaum noch an die damaligen Örtlichkeiten erinnern, taten ein Übriges, verschüttete Erinnerungen zurück ans Tageslicht zu befördern.

So zeigte ein Panorama die Gegend um Stephansohl im Jahre 1911, ein weiteres die Eisenbahnbrücke im Jahr 1907. Ganz ungewohnt präsentierte sich dagegen ein Foto der Eisenbahnbrücke, das vor 1900 entstanden sein muss – die Brügger Kirche, heute aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken, war damals noch nicht gebaut. Weitere der interessanten Aufnahmen bildeten das Leben auf dem im Jahre 1874 gebauten Brügger Bahnhof ab, der lange Zeit größer und wichtiger als der Lüdenscheider Bahnhof war. Auch die letzte Dampflok, die im Jahre 1977 durch Brügge fuhr, war fotografisch festgehalten worden. In Bahnhofsnähe gab es früher auch einen Wasserturm und eine Zementfabrik, beides Gebäude, an die sich viele der Gäste noch gut erinnern konnten.

Ein Blick ins Lösenbachtal aus dem Jahr 1934, das Hotel Passmann vor 60 Jahren oder das Café Feldhoff waren im Rahmen der Fotoshow ebenfalls zu sehen. Im Anschluss brauchten die Referenten die Besucher nicht lange bitten, denn lebhafte Erzählungen und Gespräche entwickelten sich von ganz allein. Glückliche Erinnerungen an Fußballspiele des Tura Brügge (vorher „Eisenbahnsportverein Brügge“ und „Verein für Ballspiele Brügge“) auf dem Brügger Bolzplatz, an dessen Ende sich ein Kuhstall befand und der vor dem Spiel mit Sägemehl abgegrenzt werden musste, aber auch Kriegserlebnisse wie die Bombardierung Brügges 1945 und das bange Warten im heimischen Keller, während draußen die Welt unterzugehen schien, kamen hoch und wurden anschaulich mitgeteilt. -bot

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