Der Hehler und sein diebischer Kumpel

LÜDENSCHEID ▪ Die Ausrede des „Hartzers“ klingt nicht gerade logisch, und Strafrichter Andreas Lyra glaubt auch: „Die Geschichte stinkt zum Himmel.“ Aber der 28-Jährige versucht es trotzdem mal. „Ich habe mir nichts dabei gedacht, ehrlich.“ Es nützt nichts. 1000 Euro Geldstrafe muss er bezahlen, so lautet das Urteil, diesmal wegen Hehlerei.

Es ist ein zunächst harmloser Vormittag, an dem der Angeklagte in der Innenstadt unterwegs ist, 24. August, 10 Uhr. „Ich wollte gelbe Säcke aus dem Rathaus holen.“ Da wird er von einem Jungen (13) angesprochen, den er wohl flüchtig kennt und der eigentlich in die Schule gehört, die großen Ferien sind gerade zu Ende. Ob er für ihn eine goldene Kette verkaufen könnte, fragt ihn das Bürschchen. Er tut ihm den Gefallen.

Der Oberstaatsanwalt zieht die Augenbrauen hoch. „Die erste Frage eines vernünftigen Menschen müsste lauten, woher die Kette wohl kommt.“ Vor allem, wenn sie „ein Zwerg“ habe, „von dem jeder in Lüdenscheid weiß, was das für einer ist“. Und tatsächlich ist der 13-Jährige für Justiz und Polizei ein guter Bekannter – aber noch straf- unmündig. Wie sich später herausstellt, hat er die Goldkette einem kleinen Jungen kurz zuvor geraubt.

Davon weiß die Angestellte eines Juweliers in der Fußgängerzone natürlich nichts. Und als der 28-Jährige und sein halbwüchsiger Kumpel auftauchen und die Kette loswerden wollen, zahlt sie 220 Euro dafür. Der Angeklagte sagt: „Ich habe nichts dafür bekommen.“ Der Ankläger sagt: „Der Junge brauchte nur’n Doofen, der seinen Perso vorlegt.“

Ob der Arbeitslose sich etwas gedacht hat oder nicht, spielt nur die zweite Geige. Er hatte „ein flaues Gefühl dabei“, wie er sagt. „Wenn ich gewusst hätte, dass die Kette geklaut ist, hätte ich das nicht gemacht.“ Oberstaatsanwalt Dr. Pauli: „Das sagt jeder. Hinterher ist man immer schlauer.“ Mindestens bedingter Vorsatz sei das. „Sie haben sich zum Werkzeug gemacht.“ Das sieht auch der Richter so.

Immerhin: Der Einspruch gegen den Strafbefehl von 1800 Euro erspart dem „Hartzer“ die Zahlung von zwei Monatseinkünften. Damit ist er „bestens bedient“, wie Richter Lyra sagt. Denn die Hehlerei hat der Lüdenscheider unter laufender Bewährung begangen. „Aber damit ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Wenn jetzt noch was kommt“, warnt der Strafrichter den Verurteilte, „dann war’s das“.

Olaf Moos

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