Aktuelle Diskussion um den Haushalt: Steuerberater Martin John erklärt Fachbegriffe

Hebesatz bis Grundsteuer: Fachbegriffe erklärt

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Martin John erklärt die wichtigsten Begriffe.

Lüdenscheid - Wenn Politiker und Fachleute der Verwaltung derzeit mit den Zahlen des Haushaltssicherungskonzeptes jonglieren und dabei mit diversen Begriffen um sich werfen, dann versteht der Bürger oft nur wenig.

Ob Hebesatz, Grundsteuer oder Steuermessbetrag – selbst für jene, die von möglichen Erhöhungen betroffen sind, zählt am Ende nur die Summe unterm Strich. Gemeinsam mit Diplom-Finanzwirt Martin John, Steuerberater und Partner in der Kanzlei Friebe-Prinz und Partner, wollen die LN die wichtigsten Begriffe erklären:

- Grundsteuer B: Jeder Hausbesitzer kennt sie, denn die Grundsteuer B wird erhoben für den Besitz an Grundvermögen, also bebauten und nicht-bebauten Grundstücken, Häusern oder auch Eigentumswohnungen. Sie wird berechnet auf Grundlage des so genannten Einheitswertes, der Steuermesszahl sowie dem Hebesatz der jeweiligen Kommunen.

- Einheitswert: Einheitswerte werden von der Finanzbehörde festgelegt – und zwar bundesweit. Allerdings, so machte John im Gespräch deutlich, stammen diese Zahlen, die den Wert eines Hauses/Grundstücks bemessen, aus dem Jahr 1964. Damals seien alle Häuser nach bestimmten Merkmalen erfasst worden – seitdem jedoch nicht mehr. Selbst Neubauten werden nach den alten Merkmalen eingeordnet. „Der Einheitswert spiegelt heute also in keinster Weise den eigentlichen Wert eines Hauses wider“, so der Steuerberater, „und hat mit der Realität nichts mehr zu tun.“ So habe auch der Bundesfinanzhof als höchstes deutsches Steuergericht dem Bundesverfassungsgericht ein Verfahren zur Einheitsbewertung vorgelegt und angeregt, die Einheitsbewertung einer genauen verfassungsrechtlichen Prüfung zu unterziehen.

- Steuermesszahl: Die Steuermesszahl ist Bestandteil des Grundsteuergesetzes und unterscheidet Einfamilien- und Zweifamilienhäuser sowie Sonstige. So wird beispielsweise für ein Einfamilienhaus ein Wert von 2,6 von 1000 (0,0026) zugrunde gelegt, wenn der Einheitswert nicht höher als 38 346,89 Euro ist.

- Steuermessbetrag: Der Steuermessbetrag ist das Ergebnis von Einheitswert mal Steuermesszahl. Er wird mit dem Hebesatz der Kommunen multipliziert wird – das Ergebnis ist die jährliche Grundsteuer.

- Hebesatz: Es gibt in Deutschland drei Hebesätze – für die Grundsteuer A (für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft), für die Grundsteuer B (für die anderen Grundstücke) sowie für die Gewerbesteuer. Mit Hilfe der Hebesätze haben Kommunen die Möglichkeit, die Höhe der ihnen zustehenden Gemeindesteuern zu beeinflussen. In Lüdenscheid liegt der Hebesatz für die Grundsteuer B derzeit bei 470 Prozent, für die Gewerbesteuer bei 460 Prozent.

 Beispiel

Der Einheitswert eines Hauses liegt bei 20 000 Euro. Multipliziert man diesen mit 0,0026 (Steuermesszahl) ergibt sich daraus ein Steuermessbetrag von 52 Euro. Multipliziert man diesen wiederum mit dem aktuellen Hebesatz von 470 Prozent, ergibt sich eine jährliche Grundsteuer von 244,40 Euro. Würde der Hebesatz nun beispielsweise auf 655 Prozent angehoben, so bedeutet dies eine Mehrbelastung von 96,20 Euro pro Jahr.

- Gewerbesteuer: Sie bemisst sich am Gewerbeertrag eines Unternehmens. Ähnlich wie bei der Grundsteuer wird dieser Ertrag mit der so genannten Steuermesszahl von 3,5 Prozent multipliziert. Der daraus resultierende Steuermessbetrag wird mit dem aktuellen Hebesatz der Kommune multipliziert und ergibt letztlich die Gewerbesteuer, die ein Unternehmen jährlich an die Stadt zu zahlen hat.

Beispiel

Legt man einen Gewerbeertrag von 100 000 Euro zugrunde, ergibt sich ein Steuermessbetrag von 3500 Euro. Multipliziert mit einem Hebesatz von 460 Prozent liegt die Gewerbesteuer am Ende bei 16 100 Euro. Würde der Hebesatz nun auf 520 Prozent angehoben, so wäre dies eine Mehrbelastung für das Unternehmen in Höhe von 2100 Euro. - kes

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