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Hausverbot im Impfzentrum MK: Mann beim Zweittermin nicht mehr willkommen

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Von: Jan Schmitz

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Wolfgang Stelzer wird seinen Impftermin im Impfzentrum Lüdenscheid nicht so schnell vergessen. Nach der Erstimpfung mit Biontech am Donnerstag kam es zum offenen Disput zwischen ihm und dem Sicherheitspersonal. Nach dem Checkout habe ihm ein Mitglied der Security ein dreimonatiges Hausverbot für das Lüdenscheider Impfzentrum erteilt, berichtet der Mendener. Den bereits gebuchten Zweittermin könne er nun nicht mehr wahrnehmen.

Lüdenscheid – Erteilt das Impfzentrum tatsächlich Hausverbote für eine Einrichtung, die ohnehin nur mit Termin und Identifikationsnachweis zu betreten ist? Darf das Impfzentrum überhaupt eine solche nachträgliche Selektion vornehmen oder hat es einen hoheitlichen Auftrag? Werden missliebige Impfwillige erst gar nicht geimpft, weil sie sich nach Ansicht des Sicherheitspersonals nicht ordentlich verhalten? Auf all diese Fragen unserer Redaktion antwortet der Märkische Kreis nicht. Ganz bewusst umgeht der Kreis in seiner Antwort auch das Wort Hausverbot, ein solches habe man nicht erteilt, sagt Kreissprecher Alexander Bange auf nochmalige Nachfrage. „Da steht Aussage gegen Aussage.“

KreisMärkischer Kreis
Fläche1061,06 Quadratkilometer
Einwohner408.662 (31. Dez. 2020)

Der Kreis als Betreiber des Impfzentrums in Lüdenscheid bestätigte den Konflikt zwischen Wolfgang Stelzer und dem Sicherheitspersonal. „Im Impfzentrum Lüdenscheid ist am Donnerstag, 1. Juli, ein Mann zunächst mit seinem Motorrad in den fußläufigen Eingangsbereich vorgefahren. Während des Aufenthalts im Impfzentrum verstieß der Mann mehrmals gegen die gültigen Regeln und fiel negativ mit lautstarken Missfallensäußerungen auf, woraufhin sich andere Impfwillige über ihn beschwerten.

Hausverbot im Impfzentrum? Mann darf nicht wiederkommen, aber ein Hausverbot soll es nicht geben

Weil die Unmutsbekundungen auch am Ausgang fortgesetzt wurden, machte der Sicherheitsdienst des Impfzentrums von seinem Hausrecht Gebrauch und bat den Mann nach Abschluss des Impfvorgangs und der Abmeldung, das Impfzentrum zu verlassen“, heißt es in der Antwort aus dem Kreishaus. Warum das Sicherheitspersonal den Mann allerdings erst nach Verlassen der Schützenhalle am Loh rauswarf, blieb in der Kreis-Antwort offen.

Wolfgang Stelzer jedenfalls verließ Lüdenscheid wütend und mit der Gewissheit, dass er ein dreimonatiges Hausverbot für das Impfzentrum erhalten hatte. Der bereits gebuchte zweite Impftermin am 10. August in Lüdenscheid fällt genau in diese Zeit.

Stelzer hat für dieses Vorgehen kein Verständnis. „Ich, als chronischer Schmerzpatient, über 60 Jahre alt, schwerbehindert zu 60 Prozent, muss mir von einem uniformierten Sicherheitsmenschen meine zweite lebenswichtige Impfung untersagen lassen. Dazu fällt mir nichts mehr ein“, schimpft der Impfwillige aus Menden-Lendringsen.

Wolfgang Stelzer
Wolfgang Stelzer © Wolfgang Stelzer

Er habe nach der Impfung und der Ruhezeit lediglich den falschen Ausgang genommen. Nach Hinweis des Sicherheitspersonals habe er in den richtigen gewechselt. Dann folgte ein Wort aufs andere, räumt Stelzer ein. Nach einer ersten Ansprache durchs Sicherheitspersonal und seiner Aufforderung, ihn „bitte nicht anzufassen“, habe er noch ausgecheckt, bevor nach Verlassen das Hausverbot ausgesprochen wurde.

Corona-Impfung im Impfzentrum: Kreis sieht kein Versäumnis beim Sicherheitspersonal

Der Märkische Kreis betont, dass täglich bis zu 2.000 Impfungen in Lüdenscheid und Iserlohn stattfinden. „Zu 99 Prozent sind die Impfwilligen mit Organisation und Ablauf zufrieden“, sagt Kreissprecher Bange. Dass Menschen in den Impfstellen Lüdenscheid und Iserlohn die vorherrschenden Regeln brechen und gebeten werden, die Impfzentren zu verlassen, komme sehr selten vor – in beiden Impfzentren durchschnittlich einmal im Monat. Ein Versäumnis beim Sicherheitspersonal sieht der Kreis nicht.

Impfzentrum in Lüdenscheid.
Der Tag der Impfung ging für Wolfgang Stelzer schon schlecht los. Aus Versehen steuerte der Mendener sein Motorrad in den Eingangsbereich. © Cornelius Popovici

Ein Happy-End hat die Anfrage unserer Zeitung beim Kreis für Wolfgang Stelzer dennoch. Nach eigenen Angaben hat der Kreis den Zweittermin des Mendeners umgebucht. Er könne ihn zum selben Zeitpunkt in der Impfstelle Iserlohn wahrnehmen, teilt Bange mit. „Das ist von Menden-Lendringsen auch nicht so weit wie nach Lüdenscheid.“

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