Hausnummer rechts oben

LÜDENSCHEID ▪ Die Stadt verstößt in Einzelfällen gegen ihre eigene Gefahrenabwehrverordnung. Zwar entsteht dadurch nicht unbedingt eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Aber wenn Politik und Verwaltung von den Bürgern zwingend verlangen, Hausnummern an ihre Häuser zu schrauben oder zu pinseln, dann sollte das auch für städtische Gebäude gelten – meint Buchhändler Ingo Beucker.

Der hat seine ganz eigene Erfahrung mit der „Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Stadtgebiet Lüdenscheid“ gemacht.

Als Ingo Beucker sein Ladenlokal, das er sich zuletzt mit einem Reisebüro geteilt hat, ganz aufgibt, schraubt er auch die Leuchtreklame seines Geschäftes ab. Doch auf der Leuchtreklame ist auch die Hausnummer 17 verewigt, die damit ebenfalls verschwindet. „Dann hat mir die Stadt geschrieben, dass ich gegen die Gefahrenabwehrverordnung verstoße und verpflichtet sei, wieder eine Hausnummer anzubringen.“ Tue er das nicht innerhalb der nächsten vier Wochen, stand weiter in dem Brief der Behörde, begehe er eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro geahndet werden könne.

Laut Verordnung müssen die Ziffern mindestens 7,5 Zentimeter hoch sein und „sind jeweils rechts vom Hauseingang in zwei Metern Höhe anzubringen“. Ingo Beucker tat, wie ihm geheißen. Und ging anschließend ins Rathaus, um als braver Bürger Vollzug zu melden. Bei dieser Gelegenheit „habe ich die Stadt dann auch in Verzug gesetzt“, scherzte er im LN-Gespräch. „Denn das Rathaus hat auch keine Hausnummer.“ Er habe die Beamten im Rechts- und Ordnungsamt darauf hingewiesen, nun ebenfalls innerhalb von vier Wochen tätig zu werden. „Man hat mir zugesagt, dass das auch erledigt werde.“ Bloß: Das ist jetzt rund zwei Monate her. Eine Hausnummer hat das Rathaus immer noch nicht.

Und das Kulturhaus auch nicht. Und das Telekom-Gebäude auf der falschen Seite – und nur in 1,80 Meter Höhe. Ingo Beucker: „Wenn schon Genauigkeit, dann aber auch für alle!“

Stadtpressesprecherin Giuseppina Giordano kündigte an, die Zentrale Gebäudewirtschaft werde das Thema „im Rahmen ihres Alltagsgeschäftes überprüfen“. Eine Nummer habe das Rathaus schon. „Aber am Briefkasten.“

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