Abschied in den Ruhestand

Paul Schuh: 33 Hausmeisterjahre am Berufskolleg für Technik

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„Bild mit Tür“ als BKT-Abschiedstradition: Jetzt hat auch Paul Schuh sein Türbild – nach 33 Jahren als Hausmeister. 

Lüdenscheid - Sein „Bratkartoffelverhältnis“ war schuld. Und die LN. Nach der Hochzeit, so hatte Paul Schuh (63) damals versprochen, sollte Schluss sein mit dem beruflichen Vagabundenleben.

In den LN stand die passende Stelle: Der Märkische Kreis suchte einen Hausmeister fürs BKT. Das war vor 33 Jahren. Jetzt steht er wieder vor einem Neuanfang: als Ruheständler.

Auch das packt er an: Im Gemeinderat „Maria Königin“ ist er längst „personifizierter Festausschuss“. Seit 20 Jahren ist er Bühnenmäuse-Bühnenbauer. Und er hat endlich mehr Zeit für Städtereisen.

1975 kam der gelernte Elektroinstallateur aus dem Kreis Trier nach der Gesellenprüfung zur Firma Knödler und ihren Lüdenscheider Großprojekten. Abbruch des alten Kaufhofes, Neubau der Kaufhalle. Stress. Zeitdruck. Enge Termine. „Dann ging’s weiter mit Möbel Franz“, erinnert er sich, und mit der Baustelle Wellenbad. Stichworte jüngerer Stadtgeschichte. Und persönlicher Geschichten: 1979, mit der Hochzeit, versprach er, seine Großbaustellenwanderung quer durch Deutschland aufzugeben. Doch gutes Geld, gute Arbeit – die Entscheidung zog sich, zuhause herrschte dicke Luft. Bis er am 1. Juni 1982 Hausmeister wurde. Auf den Tag genau 33 Jahre später begann der 1. Tag der Freistellungsphase. Noch 18 Monate bleibt er im Kollegium, kommt aber nicht mehr zum Arbeiten. Sagt er. Tatsächlich erledigt er, was liegen geblieben ist. „Berufsehre!“ Räumt den Karton aus dem Treppenhaus: „Wie sieht das denn aus!?“ Den Kiosk wird er bis Schuljahresende bewirtschaften, den Neuen einarbeiten, der seine 30 Jahre noch vor sich hat. „Der findet andere Verhältnisse vor.“

Paul Schuh hat die gesamte technische Revolution miterlebt. „Wir hatten damals einen Commodore 64 im Haus und keiner konnte damit umgehen.“ Mitte der 80er Jahre sei das Haus von Kreide-Tafel-Mentalität auf neue Technik umgestülpt worden. Geld war kein Problem. Lang ist’s her. Vier Schulleiter hat er erlebt und unzählige Schüler. Rund 2850 Schüler sind am BKT, etwa 45 000 Quadratmeter über drei Etagen, plus Park- und Grünflächen drumherum – der Schulhausmeister habe dafür Sorge zu tragen, dass „alles immer angenehm zu nutzen“ sei, zitiert er seine Aufgabenbeschreibung. Nebenbei sollte er ein Gespür dafür entwickeln, die Schüler ernst zu nehmen mit ihren Sorgen: „Wenn Sie denen quer kommen, ziehen Sie den Kürzeren.“

Für sich selbst galt: „Man darf keinen privaten Ärger mit ins Haus tragen, die können ja nichts dafür, wenn ich nicht gut drauf bin.“ Das war wichtig, als die erste Ehe zerbrach. 1989 hat er wieder geheiratet. Vier Kinder, die „in der Pausenhalle Dreiradfahren gelernt haben“, sind in der Dienstwohnung groß geworden. Da gewährte er Lehrern Asyl, bei denen der Haussegen schief hing. Hier war er immer greifbar, auch spät abends, wenn jemand unbedingt sein Smartphone aus der Turnhalle holen musste. „Da sollte man schon gut gelaunt sein“, schmunzelt er und blickt etwas wehmütig von dort aus in die Ferne, wo nur Hausmeister Zutritt haben: Hinter der Tür zum „Vorratsraum“ geht’s ins Türmchen. Hier oben hat er seine nächsten Ziele im Blick: „Sehen Sie den einzelnen Baum“, fragt er und weist zum Horizont, zwanzig Zentimeter rechts von Großendrescheid. „Wo der steht, das kriege ich auch noch raus.“

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