Hausherr findet versteckte Flaschenpost auf dem Dachboden

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Martin Poß nahm die Flaschenpost entgegen und bewahrt sie in dem Betrieb auf, den er von seinem Vater übernommen hat.

Lüdenscheid – Dass man ihre versteckte Nachricht 54 Jahre später tatsächlich finden würde, damit hat Wolfgang Vedder, genannt Tümmy, nicht gerechnet.

Vielmehr hat er sogar vergessen, dass er die Flaschenpost damals gemeinsam mit seinem Baustellen-Kollegen unter einer Dachschräge hat verschwinden lassen. Umso größer war die Überraschung, dass sie nun nach so vielen Jahren aufgetaucht ist. Und er sie noch einmal sehen durfte. 

Es war der 7. Juli 1965: Damals arbeiteten Wolfgang Vedder und Max Auras für den Lüdenscheider Installationsbetrieb Poß. Auf einer Baustelle in einem Privathaus an der Straße Am Sonnenhang hatten sie die Idee: „Wer von uns beiden darauf kam, das weiß ich gar nicht mehr – das sind eher so spontane Einfälle“, erzählt Vedder, der heute 81 Jahre alt ist. „Ich habe das gar nicht mehr so richtig in Erinnerung, hatte das schon vergessen. Dass die Flaschenpost wieder aufgetaucht ist, war für mich eh ein Wunder.“ 

Dieses Tageszeitungsexemplar packten sie in die Flasche.

Sie rollten damals das Titelblatt der Bildzeitung von diesem Tag ein und beschrieben einen Zettel mit den Worten: „Heute ist der 7.7.1965. Wir sitzen im Moment ohne Bier hier und müssen schwer gehen lassen. Der diese Flasche einmal findet, weiß das Max Auras und Wolfgang Vedder von Firma K. Fr. Poss hier gearbeitet haben“. Beides steckten sie in eine leere Limonadenflasche der Marke „Regina Silber“ und bauten sie in eine der Dachschrägen des Hauses ein. 

„Tümmy“, Wolfgang Vedder, schrieb die Post.

54 Jahre später bauten die Eigentümer des Hauses Am Sonnenhang einiges um. Dabei entdeckten sie die alte Flasche samt Inhalt – und haben zufälligerweise Kontakt zu Martin Poß, der den Installationsbetrieb heute als Nachfolger seines Vaters führt. „Sie sind direkt damit zu mir gekommen und haben mir die Flaschenpost gezeigt“, erzählt er. 

„Ich habe nie mit so was gerechnet. Man findet schon mal Kassetten mit Erinnerungsstücken, die die Eigentümer selbst irgendwo einbauen – oder ein Maurer ritzt mal seine Initialen in den Putz ein. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt er und lacht. 

Diesen Zettel hinterließen die beiden Arbeiter.

Wolfgang Vedder kennt er bis heute gut: „Er hat früher für meinen Vater gearbeitet, gut 13 Jahre lang – da war ich etwa sieben Jahre alt.“ Zuletzt war Vedder zwar nicht mehr bei der Firma Poß beschäftigt, „aber der Draht zwischen uns bestand immer weiter“. 

So musste Martin Poß nicht lange überlegen: „Als Tümmy die Flaschenpost gesehen hat, hatte er bald Tränen in den Augen, das fand er richtig klasse.“ Dem widerspricht der 81-Jährige nicht: „Das war sehr schön, die alte Post zu lesen – das freut einen einfach...“ 

Eingerollt in einer Flasche „Regina Silber“ war die Post.

Immerhin erinnere er sich gerne an damals zurück, „wie wir abends auf der Werkbank saßen und ein Feierabendbier tranken... – gut, auf der Baustelle nicht! Aber das sind alles gute Erinnerungen“. 

Die Flaschenpost jedenfalls bekommt nun einen Ehrenplatz in der Firma von Martin Poß: „Die behalte ich natürlich. Ich habe sie in die Vitrine gestellt, dort kann sie jeder sehen.“

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