30 Haushalte vom Energienetz gekappt

LÜDENSCHEID ▪ Mehr als 30 Haushalte in Lüdenscheid sind seit fünf Tagen vom Netz der Energieversorger weitgehend abgeschnitten. Ein heimischer Vermieter hat die Vorauszahlungen seiner Mieter nach Angaben der Stadtwerke „seit mehreren Monaten“ zwar samt Nebenkosten kassiert, aber nicht an die Stadtwerke weitergeleitet.

Auch in umliegenden Städten bekommen Haushalte deshalb zurzeit kein Gas, Wasser oder Allgemeinstrom.

Am Freitag erfuhren die Hausbewohner per Brief von der Entwicklung. Betroffen sind nach Stadtwerke-Angaben in Lüdenscheid insgesamt 18 Anlagen in Häusern an der Kölner Straße, Lösenbacher Landstraße, Südstraße, Zum Brauberg, Altenaer Straße, Am Wendelpfad, Kirchplatz, Knapper Straße 50 sowie drei Wohngebäude an der Wehberger Straße. Überwiegend wurde der Hausstrom abgestellt, am Brauberg, an der Kölner Straße und Südstraße außerdem das Wasser für die Wohnungen. Betroffen sind auch Mieter in Kierspe, Meinerzhagen, Plettenberg, Neuenrade und Halver.

In dem Schreiben „An alle Mieterinnen und Mieter des Hauses“ heißt es unter anderem: „Aufgrund der Tatsache, dass einige Mieter die Mieten und Nebenkosten im Gewerbebereich einschließlich Mehrwertsteuer nicht mehr bezahlen und einige Bankinstitute die Bruttomieterträge (Miete einschließlich Nebenkosten) mit Forderungen“ des Vermieters „verrechnen, sind wir nicht mehr in der Lage, die Energiekosten zu zahlen“. Fast zeitgleich begannen Monteure der Stadtwerke vor dem Wochenende damit, Zähler abzuklemmen.

Wie Stadtwerke-Sprecher Andreas Köster gestern sagte, habe das Unternehmen „zeitig“ Kontakt zu dem Vermieter gesucht. „Das war aber nicht ganz einfach.“ Im Laufe der zurückliegenden Monate seien Forderungen „im nicht unwesentlichen fünfstelligen Bereich“ aufgelaufen.

Obwohl die Mieter keine Schuld an der Entwicklung tragen, sollen Stadtwerke-Mitarbeiter ihnen gesagt haben, zuerst müssten sie die Rückstände begleichen. „Ansonsten gibt es keinen Anschluss mehr.“ Das berichtete gestern Rechtsanwalt Bernd Eisenhuth vom Mieterverein im LN-Gespräch. Doch Andreas Köster sicherte zu, dass offene Rechnungen für die Mieter „keine Rolle spielen“, weil die Mieter „nicht unsere Kunden sind, sondern der Hausbesitzer“. Ihm gegenüber will der Energielieferant seine Ansprüche jetzt geltend machen und notfalls auch gerichtlich durchsetzen.

Nun sollen die Bewohner der betroffenen Häuser am besten Notgemeinschaften bilden und selbst Verträge mit den Stadtwerken abschließen. Das empfiehlt der Stadtwerke-Sprecher, und dazu rät auch der Vermieter in seinem Schreiben. Zwar sollen die Hausbewohner nicht für die alten Schulden ihres Vermieters geradestehen. Aber für den Abschluss neuer Versorgungsverträge müssen sie nach LN-Informationen eine Kaution von 350 Euro je Hausgemeinschaft bezahlen und ab Juli oder August monatliche Abschläge von 175 Euro. Köster: „Wenn die Mieter in den Notgemeinschaften mit einer Stimme sprechen, dann kriegen wir eine Lösung hin.“

Zu dem aktuell „untragbaren Zustand“ äußerte sich gestern Bernd Eisenhuth, der als Vertreter des Mietervereins mehrere der betroffenen Hausbewohner berät. „Die Unterbrechung von Energieversorgung“, heißt es in seiner Stellungnahme, „stellt einen ganz erheblichen Mangel der Mietsache dar. Die Mieter sind in solchen Fällen berechtigt, die Miete zu mindern und ein Zurückbehaltungsrecht bezüglich der laufenden Miete und der Betriebskostenvorauszahlung geltend zu machen. Das bedeutet im Ergebnis, dass keine Miete mehr an den Vermieter gezahlt werden muss.“ Auf keinen Fall aber dürften die zurückgehaltenen Mieten anderweitig ausgegeben, sondern müssten sicher deponiert werden.

Ob die von den Mietern hinterlegten Kautionen insolvenzsicher angelegt seien, wisse er nicht, sagte Eisenhuth. Der Hausbesitzer selbst wollte auf LN-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Er sagte: „Kein Kommentar!“

Olaf Moos

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