„Hausflur sicher durchs Schlüsselloch streichen“

Führen Nasenoperationen im Klinikum Hellersen mit dem neuen hochmodernen chirurgischen Navigationssystem durch: HNO-Chef Dr. Heino Davids (2.v.r.), Oberärztin Dr. Özlem Ates (r.) und Oberarzt Christian Neuwirth (3.v.l.), unterstützt von den Schwestern Annerose Thoms (l.) und Alexandra Bertram (2.v.l.).

LÜDENSCHEID ▪ Ein hochmodernes chirurgisches Navigationssystem im Klinikum Hellersen bringt bei Nasenoperationen enorme Vorteile für Patienten, Ärzte und Kassen.

Millimetergenaues Arbeiten ist für den HNO-Chirurgen Pflicht, wenn im hochsensiblen Kopfinnern im Bereich der Nase oder den Nasennebenhöhlen operiert werden muss. Ein Millimeter daneben im Bereich der Hauptschlagader kann das Ende bedeuten. Um jegliches Risiko für Patienten zu minimieren, hat die Geschäftsleitung des Klinikums etwa 100 000 Euro in ein Gerät der neuesten Generation der computergestützten Navigationschirurgie investiert.

Das bringe enorme Vorteile für Patienten, Ärzte und Kostenträger, erläuterte Dr. Heino Davids, Direktor der HNO-Klinik Hellersen. Mit der neuen Anlage könne wesentlich präziser, blutärmer und noch schonender operiert werden, sagte er. Das verkürze die Aufenthaltsdauer des Patienten im Krankenhaus, manche Eingriffe könnten jetzt sogar ambulant statt stationär gemacht werden. Zudem steige die Erfolgsquote bei notwendigen Operationen, so dass ein zweiter oder gar dritter Eingriff wegen der nicht behobenen Ursache überflüssig werde. Das sei bei der früheren konventionellen Methode leider immer wieder mal vorgekommen.

Ein weiterer großer Vorteil: Den Patienten bleibe jetzt eine zweite Computertomographie (CT) vor der OP im Krankenhaus erspart. Denn in das Gerät könnten die Daten einer zumeist im Vorfeld einer Operationsentscheidung gemachten CT von einer CD eingespeist werden. „Das senkt natürlich die Strahlenbelastung“, meinte Dr. Davids.

Während der OP verknüpft das Navigationssystem die Informationen, die Dr. Davids und sein Team über das Endoskop erhält, mit den vor der OP eingelesenen CT-Daten – so werden die Ärzte ständig über die exakte Position ihrer OP-Instrumente auf dem Laufenden gehalten.

Erfahrungen mit chirurgischen Navigationssystemen sammelt Dr. Davids Mannschaft bereits seit den 1990er Jahren. Das erste eigene Gerät schaffte die Klinik 2001 an. „Wir haben seitdem eine vierstellig Anzahl von Patienten erfolgreich mit dem System operiert“, erklärt Dr. Davids.

Auch bei der Ausbildung bringe die Computerunterstützung große Vorteile – und erspare Herzklopfen. „Versuchen Sie doch mal, einen Hausflur durchs Schlüsselloch zu streichen – und dann lassen Sie einen Auszubildenden das machen.“ Klar, zu zweit kann man den feinen Pinsel nicht durchs Schlüsselloch verfolgen. Aber dank der Computerunterstützung hat man nun praktisch eine Kamera im Flur, die dem Ausbilder die exakte Pinselposition anzeigt. -wok

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