Ein wichtiger Lotse

Hausarztprogramm stärkt Position der Mediziner

Lüdenscheid - Patienten haben in der Regel zu ihrem Hausarzt großes Vertrauen – eine Grundvoraussetzung für die Behandlung. Jetzt können sie dies mit der Teilnahme an einem Hausarztprogramm unterstreichen. Gleichzeitig ebnen sie mit ihrer Unterschrift unter das Programm den Weg zu einer besseren medizinischen Versorgung.

Dies jedenfalls steckt hinter der Idee des Hausarztprogramms, das aus der Politik heraus initiiert wurde. „Ziel ist es, flächendeckend die hausärztliche Versorgung in besonderer Qualität zu gewährleisten und die zentrale Steuerungs- und Koordinierungsfunktion des Hausarztes zu stärken“, heißt es in der Information, die den Patienten mit auf den Weg gegeben wird. „Wir wollen damit niemanden bevormunden“, betont Dr. Thomas Geisel, hausärztlicher Internist, der von dem Programm überzeugt ist. „Die Hausärzte übernehmen eine Lotsenfunktion, weil bei ihnen die Fäden zusammenlaufen und sie damit eine bestmögliche Koordination der Behandlung vornehmen können.“

Auch Dirk Heppe, Leiter der DAK in Lüdenscheid, befürwortet es, dass der Hausarzt als übergeordnete Instanz einen Überblick über die Krankheitsgeschichte der Patienten hat. „Viele Leute gehen ohne eine Überweisung des Hausarztes zu einem Facharzt, so dass der Hausarzt dann auch nicht mitbekommt, welche Medikation bei der Behandlung vorgenommen wurde. Anders ist das, wenn die Überweisung durch den Hausarzt erfolgt, der dann auch einen Bericht erhält.“

Dr. Thomas Geisel macht das an einem Beispiel deutlich: „Ein Patient nimmt wegen einer Herzschwäche Betablocker. Er geht wegen erhöhten Augendrucks zum Facharzt und bekommt auch hier einen Betablocker verschrieben. Es kommt dadurch zu einer Arzneimittelinteraktion, die tödliche Folgen haben kann. Wir verzeichnen in Deutschland mehr Sterbefälle durch Arzneimittelinteraktionen als durch Verkehrsunfälle.“ Mit einem genaueren Blick auf die Patienten sollen solche drastischen Folgen vermieden werden.

Die Teilnahme am Hausarztprogramm ist freiwillig. Wer mitmacht, wählt für mindestens ein Jahr verbindlich seinen Hausarzt. Fachärzte dürfen nur auf Überweisung des gewählten Hausarztes in Anspruch genommen werden. Ausnahmen sind Notfälle. Einer der wesentlichen Vorteile sei die enge Verzahnung des behandelnden Hausarztes mit den übrigen Leistungserbringern und der Krankenkasse zur Optimierung der Versorgung. Darunter fällt zum Beispiel die Sammlung, Dokumentation und Übermittlung aller für die Diagnostik und Therapie relevanten vorliegenden Befunde von Fachärzten oder von stationären Einrichtungen.

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