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Hausarzt im MK gestorben: 2.000 Patientenakten verschwunden - Fund im Keller der Witwe

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Von: Olaf Moos

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E-Patientenakte
Symbolbild © Stefan Sauer

Unglückliches Ende eines langen Rechtsstreits: Nach dem Tod eines in der Innenstadt praktizierenden Hausarztes verschwanden rund 2000 seiner Patientenakten zunächst spurlos.

Lüdenscheid - Die Witwe des Mediziners geriet nach Recherchen unserer Redaktion im März vergangenen Jahres in Verdacht, die Unterlagen aus der Praxis geholt und versteckt zu haben. Sie bleibt allem Anschein nach unbehelligt.

Zwar beharrte der Lüdenscheider Andreas Hillemann, Ex-Patient des Arztes, auf die Herausgabe seiner Daten und erhob Klage gegen die Arzt-Witwe. Das Amtsgericht erließ ein Versäumnisurteil und erkannte vor genau einem Jahr für Recht: „Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger die vollständigen Behandlungsunterlagen des verstorbenen Arztes (...) für die Zeit vom 01. 01. 1995 bis zum 10. 04. 2018 Zug um Zug gegen Erstattung der für die Erstellung der Kopien entstehenden Kosten herauszugeben.“

Damit war der Fall klar – aber nicht für die Beklagte. Denn die rührte sich trotz des eindeutigen Urteils weiterhin nicht. Hillemann wartete vergeblich darauf, dem neuen Hausarzt seine dokumentierte Krankengeschichte und Informationen über Behandlungen und Medikation zugänglich machen zu können.

Vor gut drei Monaten beauftragte die Justiz schließlich eine Gerichtsvollzieherin damit, das Urteil zwangsweise zu vollstrecken, die Arzt-Witwe aufzusuchen und sich Hillemanns Patientenakte aushändigen zu lassen. Bis dahin stand für Andreas Hillemann die Vermutung im Raum, die Dokumente mit sensiblen Daten lagerten irgendwo in einer Garage.

Stattdessen stieß die Gerichtsvollzieherin an der Wohnadresse der Schuldnerin in der Lüdenscheider Innenstadt auf ganze Berge von Patientenakten. Doch ausgerechnet die gesuchten Dokumente befanden sich nicht darunter.

In einem Brief an die Rechtsanwaltskanzlei Ristock, die Hillemann mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt hatte, schreibt die Gerichtsvollzieherin unter anderem: „Der Keller und die Wohnung der Schuldnerin wurden gründlich durchsucht. Im Keller lagern ca. 30 Kartons unsortierter Patientenakten bis unter die Decke.“ Weiter heißt es in der Benachrichtigung: „Mit Hilfe von Arbeitshilfen wurden die Kartons durchsucht, der Arbeitsaufwand war immens.“

Doch Hillemanns Akten bleiben verschwunden. Gerüchte, dass ein Teil des Materials in einem Altpapiercontainer auf der Kalve entsorgt wurden, sind nicht bestätigt. Rechtsanwältin Christina Moll von der Kanzlei Ristock teilt ihrem Mandanten mit: „Die Patientenakte konnte nicht vorgefunden werden. Weitere Anhaltspunkte zu dem Verbleib der Patientenakte liegen uns nicht vor, sodass ein weiterer Vollstreckungsversuch aussichtslos ist.“

Wie viele Dokumente über welche Patienten des verstorbenen Arztes in den rund 30 Kartons im Keller der Arzt-Witwe lagern, ist nicht bekannt. Der Weg über Rechtsanwalt, Klage, Amtsgericht und Zwangsvollstreckung durch Gerichtsvollzieher hat sich jedoch als gangbar erwiesen.

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