Sie enthalten Krankheitsgeschichten und Befunde

Hausarzt im MK gestorben - alle Patientenakten sind verschwunden - Mann kämpft um seine Unterlagen

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Patientenakten enthalten massenweise persönliche Daten – und müssen auf Wunsch herausgegeben werden. Doch im Fall eines verstorbenen Arztes gibt es damit offenbar ein massives Problem.

Lüdenscheid – Ein Hausarzt ist gestorben. Seitdem sind vermutlich mehr als 2000 seiner Patientenakten verschwunden – mit Krankheitsgeschichten, Dokumentationen über Klinikaufenthalte, Medikationen, Aufzeichnungen von Befunden und Therapien.

Einer der ehemaligen Patienten des Mediziners ist der Lüdenscheider Andreas Hillemann (51). „Ich bin nach dem Tod meines Arztes zum Glück noch nicht krank geworden.“ Aber der Stadtreiniger, seit 32 Jahren beim STL beschäftigt, will auf Nummer sicher gehen – und pocht auf sein Recht auf Herausgabe seiner Daten. Hillemann glaubt zu wissen, dass die Witwe des Hausarztes die Aktenschränke in ihrem Besitz hat. „Meine Daten lagern in irgendeiner Garage, so weit ich weiß.“ 

Doch Versuche, mit der Frau in Kontakt zu kommen und sich seine Akte aushändigen zu lassen, scheitern seit Monaten. Ähnlich geht es drei Arbeitskollegen des Stadtreinigers, die in seinem Team mit ihm unterwegs sind und denselben Arzt konsultiert hatten. Wiederholte Anfragen bei der AOK, die ebenfalls über Hillemanns Daten verfügen, hätten immer dieselben Antworten ergeben: „Wir können Ihnen nicht helfen.“ 

Kontaktaufnahmen bislang gescheitert

Die Ärztekammer habe ihn auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen. Die Nachfolger, die die Praxis seines Hausarztes nach dessen Tod übernommen haben, wissen nach Worten des Patienten nichts über den Verbleib der Daten. Nun hat der 51-Jährige den Lüdenscheider Rechtsanwalt Lars Blossfeld damit beauftragt, seine Patientenakte einzutreiben. Der Jurist kennt nach eigenen Angaben die Adresse der Arzt-Witwe. Doch seine Kontaktaufnahmen sind bislang ebenfalls gescheitert. 

Auch ein Einschreiben mit Rückschein zum Wohnsitz der Frau brachte den Rechtsanwalt nicht weiter. Der Brief konnte nicht zugestellt werden. Blossfeld: „Nun wird ein Gerichtsvollzieher die Dame aufsuchen, ihr wird eine Frist gesetzt, in der sie handeln muss.“ 

Praxen zeigen sich "selten kooperativ"

Das Ressort Recht der Ärztekammer Westfalen-Lippe in Münster hat den Fall auf LN-Anfrage geprüft. Maria Kerkmann, Pressesprecherin der Ärztekammer, bestätigt: „Der Patient hat ein Anrecht auf Herausgabe seiner Daten.“ Demnach können Andreas Hillemann und die anderen betroffenen Patienten zwar nicht über die Originalakten verfügen, müssen aber vollständige Kopien ausgehändigt bekommen. 

Kerkmann: „Die ersten 50 Seiten kosten jeweils 50 Cent, ab der 51. Seite sind jeweils 15 Cent zu bezahlen.“ Nach Angaben der Stiftung Warentest zeigen sich Praxen, die Patientenakten herausgeben sollen, laut einer Stichprobe „selten kooperativ“. Ein Test habe ergeben: „Praxen rücken Patientenakten nur widerwillig heraus.“ Nur in zwei von zwölf Fällen sei die Akte bereitwillig herausgegeben worden.

Andreas Hillemann sucht Mitstreiter und weitere ehemalige Patienten seines Hausarztes. „Irgendwann brauche ich wieder einen Arzt, in meinem Beruf bin ich ja ständig gefährdet, auch durch Gefahrstoffe, die wir beseitigen müssen.“

Kontakt 

Der Lüdenscheider Andreas Hillemann ist per E-Mail zu erreichen und zwar unter der Mail-Adresse schickimacka@unitybox.de.

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