Forderung nach besserer Planbarkeit

Hausärzte im MK zum Impfstart in Praxen: „Es ist chaotisch hoch drei“

dr irina streuer
+
Dr. Irina Streuer ist froh, dass sie bei ihren Patienten Coronaschutzimpfungen durchführen kann.

Das Telefon in den Hausarztpraxen steht nicht mehr still. Die Patienten wollen wissen, wann sie von ihrem Hausarzt gegen Corona geimpft werden. So ist es auch bei Dr. Irina Streuer, die ihre Hausarztpraxis an der Karlstraße in Lüdenscheid hat und zudem mit Veronika Gumenjuk eine weitere Ärztin im Team aufweist.

Lüdenscheid – „Ich kann unsere Patienten ja verstehen. Sie haben ein großes Interesse an einem Impftermin. Ich bin auch dafür, dass alle Leute so schnell wie möglich geimpft werden. Aber zunächst sind die chronisch kranken Patienten und Menschen mit schweren Vorerkrankungen an der Reihe. Deswegen kommen wir als Praxis auf die Patienten zu und vergeben die Termine. Wir haben eine klare Prioritätenliste aufgestellt“, erklärt die Fachärztin für Innere Medizin. Deswegen sei auch der dringende Rat, keinen Termin im Impfzentrum, den man schon bekommen hat, abzusagen. Dafür haben die Praxen noch nicht genug Impfstoff bekommen.

StadtLüdenscheid
KreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Hausärzte im MK zum Impfstart in Praxen: Zunächst nur wenig Impfdosen erhalten

Am Donnerstag konnte Streuer in ihrer Funktion als Hausärztin ihre ersten Coronaschutzimpfungen vornehmen. Sie erhielt von der Lüdenscheider Schwanen-Apotheke zunächst zwölf Impfdosen der Firma Biontech. Sechs Patienten wurden am Donnerstag geimpft, die anderen sechs Vorerkrankten am Freitag. Drei der Patienten wurden von Streuer zu Hause geimpft, da sie bettlägerig sind.

Zum Procedere: Die Impfdosen werden nach dem Runterkühlen in einem Kühlschrank in der Praxis gelagert. „Bei normaler Kühlschranktemperatur können wir die Impfdosen bis zu 120 Stunden lagern, und sobald man die Impfspritze aufgezogen hat, muss innerhalb von sechs Stunden verimpft werden. Deswegen müssen wir auch immer einen potentiellen Ersatz haben, falls ein Patient abspringt. Der bürokratische Aufwand ist schon nicht zu unterschätzen“, erklärt Streuer, die von der Apotheke die Zusicherung erhalten hat, in der kommenden Woche 42 Impfdosen zu erhalten.

Hausärzte im MK zum Impfstart in Praxen: Dr. Gehlhar kritisiert Politik

Deutlicher in seiner Forderung nach Impfdosen wird Dr. Hartmut Gehlhar. Der Allgemeinmediziner betreibt seine Praxis an der Herscheider Landstraße. Bei ihm steht wie bei Streuer das Telefon nicht mehr still. Und zwar seit Wochen.

„Seitdem Jens Spahn und auch Armin Laschet gesagt haben, dass die Hausärzte auch Impfungen durchführen, rauchen bei uns die Telefone. Die Kommunikation ist wirklich eine Katastrophe. Es ist chaotisch hoch drei“, sagt Gehlhar, der in dieser Woche 20 Impfdosen erhielt. „Ich habe aber insgesamt 500 Patienten. Wenn wir in dieser Taktung weitermachen, wird es ewig dauern, bis wir alle Patienten geimpft haben. Wir impfen sehr gerne und machen das auch bereitwillig. Aber dafür müssen wir auch deutlich mehr Impfdosen erhalten. Wir bräuchten eine sichere Zusage, dass wir mehr Impfdosen erhalten, um besser planen zu können. Es ist ja noch nicht einmal gesichert, dass wir die Impfdosen für die Zweitimpfungen erhalten.“

Denn auch die Apotheker können keine gewisse Auskunft darüber geben, welche Menge an Impfdosen sie in die nächsten Wochen erhalten, sagt Gehlhar.

„Es ist soviel unausgegoren und vonseiten der Politik wirklich schlecht geplant. Die Damen vorne am Empfang sind durch die vielen Anrufe überlastet. Das ist in den anderen Praxen auch der Fall“, weiß Gehlhar, der sich mit seinen Kollegen in einem steten Austausch befindet.

Auch Streuer tauscht sich mit ihren Kollegen aus. Sie war zudem bereits für Coronaschutzimpfungen mit mobilen Teams unterwegs und im Lüdenscheider Impfzentrum eingesetzt. „Die Patienten sind nicht das Problem. Sie wollen sich impfen lassen. Das ist ein sehr positives Zeichen“, findet Streuer. Das Problem bleibt der Impfstoff, vielmehr der fehlende.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare