Hauptpost Lüdenscheid als Ort der Kunst

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Professor Dieter Kiessling (links) baute seine Installation in der ersten Etage des Postgebäudes auf.

LÜDENSCHEID - Für die künstlerischen Installationen Örtlichkeiten auswählen, die man plötzlich in einem anderen Licht sieht – das ist das Bestreben des Lichtrouten-Teams. So wie die ehemaligen Gebäude der Holzhandlung Damrosch an der Bahnhofsallee ist ohne Zweifel auch die erste Etage der Hauptpost eine solche Örtlichkeit.

Eine inzwischen leere Halle am Rathausplatz, in der die Installation des gebürtigen Münsteraner Lichtkünstlers Professor Dieter Kiessling aufgebaut wurde. Seit 2005 ist Kiessling Professor für Neue Medien an der Akademie für Bildende Künste der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Kiesling öffnet den Lichtrouten-Besuchern die Augen – im wahrsten Wortsinn. Auf eine Wand lässt der Lichtkünstler das Gesicht eines Jungen projizieren. Der Blick des Betrachters konzentriert sich auf die Augen des Jungen, die sich fast unmerklich schließen. Die Intensität des Blickes wird zurückgezogen, und Sekunden später öffnet das Kind mit einem Schlag wieder die Augen. Ein Blick in Dauerschleife.

„Beim Überblenden ist das Timing wichtig“, sagt der Künstler beim Aufbau seiner Installation. Und es gibt nur dieses eine Gesicht, sorgfältig ausgesucht und gefunden im eigenen Bekanntenkreis: „Das ist typisch für meine Kunst. Ich mache wenig, das aber sehr groß.“ Vom künstlerischen Werdegang her sei er Bildhauer gewesen und habe die Ruhe, die Kraft der Skulpturen mit in seine Videokunst genommen. Lichtrouten-Kuratorin Bettina Pelz betrachtet in diesem Zusammenhang das Sehen als Bewusstseinsprozess. Die Verfremdung des Kinderblicks schafft einen Ort der Ruhe und Meditation.

1957 geboren in Münster studierte Kiessling später an der dortigen Kunstakademie. 1986 erhielt Kiessling den Produktionspreis der Internationalen Videonale Bonn. Weitere Preis, unter anderem der Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Förderpreis zum ersten Deutschen Videopreis folgten. Der Gastprofessur an der Hochschule für Künste Bremen folgten eine Professur in Karlsruhe und die Vertretungsprofessur für Künstlerische Fotografie an der Universität Duisburg-Essen.

Mit dem Standort im Postgebäude freundete er sich schnell an: „Das ist hier sehr gut, ein Ort, an dem man keine Kunst erwartet.“

Lichtrouten-Installationen befinden sich an folgenden Stellen:

Dieter Kiessling, Post-Gebäude (innen), Rathausplatz 4, Zugang seitlich; Cuppetelli und Mendoza, Karl Kuhne Fabrik (innen), Nordstraße 3-5; Rainer Plum, Rathausplatz, Platanenhain; Quayola, Gothaer Parkhaus (Rückseite), Martin-Niemüller-Straße; Hartung und Trenz, Allen-Haus am Sternplatz; Moholy-Nagy, Forum am Sternplatz (innen), Jürgen Albrecht, Forum am Sternplatz (innen); Katharina Berndt, Altes Kino „Capitol“, Wilhelmstraße 56; Refik Anadol, Sterncenter (Rückseite), Thünentreppe; Robert Sochacki, Haus Wiedenhof, Bahnhofstraße 22; Jakob Mattner, Kulturfabrik Wilhelm Berg (innen), Altenaer Straße 23; Amy Youngs, Pavillon 1 (innen), Bahnhofsallee 6; Joseph 0. Holmes, Pavillon 2 (innen), Bahnhofsallee 14; Atsara, Ehemaliges Damrosch“-Gelände (innen), Bahnhofsallee 11; Max Sudhues, ehemaliges „Damrosch“-Gelände (innen); BahnhofsalIee 11, Nicolas Schöffer, Entwickungs- und Gründercentrum (EGC), Haus 8 (innen); Diana Ramaekers, Entwickungs- und Gründercentrum (EGC), Haus 8 (innen); Vollrad Kutscher, Phänomenta (innen), Gustav-Adolf-Straße 9-11; Christoph Girardet, Parkplatz am „Kunststoff-Institut“, Lutherstraße/Karolinenstraße sowie Klaus Obermaier, Knapper Schule, Lessingstraße 14. - rudi

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