Ein Hauch von Weltuntergang: "Ende Gelände" in Lüdenscheid

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Warben für einen Ausstieg aus der Wachstumsgesellschaft: Udo Hase und Melanie Schmidt-Krobok, Klimaaktivisten der Bewegung „Ende Gelände“.

Lüdenscheid - Zwischenzeitlich hing ein Hauch von Weltuntergangsstimmung in der Luft. Das lag am Vortrag von Udo Hase. Der frühere Lüdenscheider, der mittlerweile in Duisburg lebt und arbeitet, war jüngst – zusammen mit seiner Mitstreiterin Melanie Schmidt-Krobok – im Linken Zentrum an der Knapper Straße zu Gast.

Beide engagieren sich als Klimaaktivisten bei der Bewegung „Ende Gelände“, die besonders auch durch ihre Demonstrationen im rheinischen Braunkohlerevier und im Hambacher Forst bekannt ist. Das Thema des Veranstaltung – organisiert von der Lüdenscheider Linkspartei – lag daher auf der Hand: der Klimawandel, dessen globalen Folgen und sozialen Auswirkungen sowie die Chancen, das Ruder herumzureißen.

Das Bild, das Hase vor rund 20 Zuhörern zeichnete, war düster: „Ich spreche statt von Klimawandel lieber von Klimakatastrophe: Das trifft es besser.“ Unabhängig von der Wortwahl: Für die Zukunft sieht Hase – falls sich nichts Grundlegendes ändere – Extremhitze, großflächige Zerstörungen der Erdoberfläche, Ernteausfälle, unbewohnbare Landstriche und Länder, massive Aufrüstung, Kriege um Wasser und Lebensräume und gewaltige Flüchtlingsbewegungen kommen: „Was wir derzeit im Mittelmeer erleben, ist nur ein Vorgeschmack auf die nächsten Jahrzehnte. Bis 2100 erwarten Forscher inzwischen eine Erderwärmung um knapp fünf Prozent.“ Die Folgen seien schon gegenwärtig vor allem in den armen Ländern zu spüren – und würden bald noch drastisch zunehmen: „Bangladesch säuft in 20 Jahren ab.“

Schuld an der drohenden Misere laut Hase: „Die westlichen Industrieländer mit ihrem Energieverbrauch und ihrem imperialen Lebensstil mit SUV, großen Häusern und Wohnungen, mit ihrem Flugverkehr und Fleischkonsum.“ Besonders fatal aus Sicht des Referenten: „Diejenigen, die die Klimakatastrophe verursachen, kommen am Ende noch am besten dabei weg. Opfer sind vor allem die Länder, die der Westen auch schon als Kolonien ausgebeutet hat.“

Hases Vorschläge, um das von ihm erwartete Szenarium wenigstens abzumildern: „Die sofortige Stilllegung der Braunkohlekraftwerke und die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien bis 2030 auf 80 Prozent.“ Und auch Verbote sind für ihn kein Tabu: „Mir ist verboten, meine Steuererklärung zu spät abzugeben. Warum soll es dann nicht möglich sein, Kurzstreckenflüge zu verbieten?“

Also kaum noch Hoffnung für die Welt? Vielleicht doch. Resignieren ist jedenfalls für Hases Co-Referentin Melanie Schmidt-Krobok keine Option: „Wir geben nicht auf. Jedes halbe Grad zählt. Drei Grad Erderwärmung sind besser als dreieinhalb“. Leidenschaftlich warb sie für die Arbeit des Bündnisses „Ende Gelände“, das ohne Hierarchien auskomme und bei seinen Aktionen auch auf zivilen Ungehorsam setze.

Eine klimapolitische Wende sei dabei an klare Vorgaben geknüpft. Schmidt-Kroboks Worte: „Schluss mit Wachstum, wir brauchen den Ausstieg aus dem Kapitalismus.“ Der Rat an ihre Zuhörer: „Werdet aktiv und geht dabei auch in außerparlamentarische Bewegungen.“

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