„Er hatte Freude daran, Schmerzen zuzufügen“

LÜDENSCHEID ▪ Weiter Zittern und Hoffen – auf beiden Seiten. Der niedergelassene Arzt, dem der Regierungspräsident im März vergangenen Jahres – wie berichtet – die Approbation entzogen hat, wartet auch nach der Verhandlung vor dem Arnsberger Verwaltungsgericht auf eine Entscheidung. Zwar schloss die Regierungsrätin als Vertreterin des RP eine Aufhebung des Berufsverbotes aus und ist auch nicht zu einem Vergleich bereit. Dennoch kam es nicht zu einem Urteil.

Der RP wirft dem Mediziner vor, sich „über viele Jahre“ als unzuverlässig und unwürdig für die Ausübung des Berufes erwiesen zu haben. Er soll die „Schwächeposition“ von Patientinnen ausgenutzt und sie bei sado-masochistischen Sexualpraktiken teilweise erheblich verletzt haben. Die RP-Vertreterin: „Statt Schmerzen zu lindern, hatte er Freude daran, den Patientinnen Schmerzen zuzufügen.“ Zudem sei er wegen neunfacher Steuerhinterziehung,Trunkenheit im Verkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vorbestraft.

Am schwersten wiegt eine Verurteilung zu elf Monaten mit Bewährung wegen Betruges und falscher eidesstattlicher Versicherung. Zwei Ermittlungsverfahren wegen sexueller Nötigung, Vergewaltigung und Körperverletzung gegen ihn stellte die Staatsanwaltschaft jeweils ein. Eine Frau, die er in seiner Praxis mehrfach getreten haben soll, zog ihre Strafanzeige zurück.

Für den Kampf um seine Approbation hat der 55-jährige Arzt ein juristisches Schwergewicht engagiert. Dr. Ernst Boxberg aus München hat sich auf das Medizinrecht, Recht der medizinischen Komplementärberufe und Arztrecht spezialisiert. Er beschrieb seinen Mandanten als Menschen, der eine „schwere Lebensphase durchgemacht“ habe und sein Leben ordnen wolle, „damit man zu ihm wieder aufschauen kann, wie man zu einem Arzt aufschaut.“

Liebesbeziehungen mit den Frauen sei er erst eingegangen, als das Arzt-Patient-Verhältnis beendet war, sagte Boxberg. Der Arzt selbst bestritt, seinen Opfern erhebliche und schmerzhafte Verletzungen zugefügt zu haben. Dass er ihnen Schmerzmittel verordnet habe, habe nichts mit den Sexualpraktiken zu tun gehabt.

Die Vorsitzende Richterin äußerte Zweifel, ob die Verurteilungen ausreichen, das Berufsverbot aufrechtzuerhalten. „Es kommt darauf an, ob seine Beziehungen zu Frauen relevant sind.“ Das sei „in keiner Richtung“ sicher. Um das festzustellen, müssten die betroffenen Ex-Patientinnen vernommen werden. „Dafür spricht einiges“, so die Richterin.

Doch eine Entscheidung darüber, ob der Arzt weiter arbeiten darf oder ein weiterer Prozesstermin anberaumt wird, soll in etwa zwei Wochen fallen.

Olaf Moos

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