Haselnuss, Schokolade und Stracciatella zum Abschied

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Antonina und Giovanni Di Natale gehen nach 40 Jahren in den Ruhestand, wohnen aber weiterhin in Brügge.

Lüdenscheid - Sein Traumberuf sei es zu Beginn nicht gewesen. Aber er wurde es. „Ich liebe diese Arbeit – hier im Café zu sein, mit den Kunden zu reden. Aber irgendwann muss Schluss sein“, sagt Giovanni Di Natale. Nach 40 Jahren schloss der 66-Jährige am Freitag gemeinsam mit seiner Frau Antonina zum letzten Mal sein gleichnamiges Eiscafé an der Volmestraße 81 in Brügge auf. Das Ehepaar geht nun in den Ruhestand.

25 Jahre alt war Giovanni Di Natale, als er im April 1975 seine Eisdiele eröffnete. Vom Eis machen hatte er damals aber überhaupt keine Ahnung. „In Italien hatte ich schon früher in Geschäften gearbeitet, die Kunden betreut. Als ich 1971 nach Deutschland kam, habe ich erst in einer Fabrik gearbeitet. Aber das war nichts für mich – zu schmutzig, zu laut“, erzählt Di Natale.

Über einen Bekannten kam er auf die Idee, sich als Gastronom selbstständig zu machen. „Damals war es schwierig, ein kleines Ladenlokal zu finden. In Brügge haben wir dann eins gefunden, wo auch noch Platz war, um unseren Eiswagen zu parken“, sagt Di Natale. Denn er und seine Frau Antonina wollten ihr Eis nicht nur im Café anbieten, sondern bis zuletzt auch mobil.

Eisherstellung begann um 6 Uhr morgens

Wie man Eis richtig herstellt, lernte Giovanni Di Natale damals von einem Händler, der ihm Maschinen und Zutaten lieferte. „Früher hatten wir nur zehn Sorten. Als ich gelernt hatte, wie es geht, habe ich dann einfach selbst experimentiert.“ Zuletzt boten Giovanni und Antonina Di Natale bis zu 100 Eisvariationen an. „Wir hatten aber immer nur rund 25 Sorten in der Theke, etwa zwölf blieben immer gleich, den Rest haben wir alle paar Tage ausgetauscht“, erklärt die 61-jährige Antonina Di Natale.

Für ihren Mann begann jeder Tag um 6 Uhr in der Früh. Die erste Aufgabe war, natürlich, die Herstellung der Eissorten. Von der Qualität seiner Produkte überzeugte er sich selbst. „Ich esse drei bis vier Kugeln jeden Tag. Nicht alle auf einmal, sondern über den Tag verteilt. Wenn ich das Eis die ganze Zeit vor mir sehe, kann ich nicht widerstehen“, erzählt Di Natale und schmunzelt. Dann wird er nachdenklich: „Ich weiß gar nicht, wie das nun gehen soll.“

Ihm und seiner Frau fällt der Abschied nicht leicht. „Viele unserer Stammkunden sind nicht mehr nur Freunde, sondern auch Familie für uns. Bei uns war immer eine besondere Atmosphäre“, sagt Antonia Di Natale. „Wir sind unseren Kunden sehr dankbar, dass sie uns so lange unterstützt haben.“ Ihr Mann ergänzt: „Wenn die Leute auch aus Halver, Kierspe oder aus Schalksmühle zu uns kommen, dann muss es einen Grund geben.“

Dass dieser Lebensabschnitt nun vorbei ist, stimmt Giovanni Di Natale traurig. „Es fällt mir sehr schwer, aufzuhören. Die letzten vier Wochen habe ich auch nicht gut geschlafen. Das macht mir Bauchschmerzen.“

40 Jahre lang bestimmten das Eiscafé und seine Kunden das Leben vom Ehepaar Di Natale. Am Wochenende frei haben, einem Hobby nachgehen – dafür war in der Saison von Februar bis November keine Zeit. „Auch für unsere Tochter Cinzia hatten wir oft wenig Zeit. Heute haben wir ein Enkelkind, um das wir uns kümmern wollen“, sagt Giovanni Di Natale. „Und wir wollen auch Zeit für uns haben, solange wir noch gesund sind. Die Arbeit wird heute vor allem im Sommer auch immer anstrengender“, fügt seine Frau hinzu.

Trotz aller Arbeit: Die Entscheidung, eine Eisdiele in Brügge zu eröffnen, hat das Paar nie bereut. Auch nicht, seitdem in Brügge immer weniger los ist. „Viele Ältere sind weggezogen. Aber unsere Kunden kamen wegen der Qualität unserer Produkte immer wieder.“ Während das Paar sein Café alle paar Jahre renovierte, blieb es seinem Kerngeschäft – Eis und Kaffee – über die Jahrzehnte treu.

Kartoffel-Eis auf Kundenwunsch

Auf die Wünsche seiner Kunden ging das Paar aber immer gern ein, seien sie auch noch so speziell. „Ein Kunde wollte für eine Feier einmal Kartoffel-Eis haben, das musste noch nicht mal schmecken. Seine Frau brachte mir dann sechs Kilo gekochte Kartoffeln vorbei, aber die schmecken ja so nicht“, erzählt Giovanni Di Natale. Also gab er noch Zimt, Eierlikör und Vanille hinzu. „Und ein paar Tage später kam der Kunde wieder und fragte: ,Was hast du gemacht? Das Eis hat allen geschmeckt!‘“ Auf die Karte hat es diese besondere Sorte dann aber doch nicht geschafft.

Auch wenn für das Ehepaar Di Natale seit gestern Schluss ist, das Eiscafé wird in Brügge unter neuer Führung bestehen bleiben. „Wir haben Nachfolger gefunden, junge Leute, die das Geschäft fortführen wollen. Das Café wird nun erst einmal geschlossen bleiben. Die neuen Inhaber werden es am 1. Februar 2016 wiedereröffnen und dann auch eine Überraschung bieten“, sagt Giovanni Di Natale. In dieser Woche produzierte der 66-Jährige sein vorerst letztes Eis selbst: Haselnuss, Schokolade und Stracciatella – zufällig seine Lieblingssorten.

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