Der Hase im Pfeffer

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Rudolf Sparing (l.) und Peter Zimmer wandelten auf den dichterischen Spuren Hermann Lausbergs. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Obwohl der heimische Dichter Hermann Lausberg nicht die gleiche Prominenz erlangte wie Wilhelm Busch und Eugen Roth, erreicht das Niveau und der Pointenreichtum seiner humorvollen Verse dennoch eine ähnliche Qualität. Am Freitag gaben die beiden Rezitatoren Rudolf Sparing und Peter Zimmer in „Buccis Bistrorante“ in Lüdenscheid eine Kostprobe aus dem umfangreichen Oeuvre des im Jahr 1989 verstorbenen Halveraner Autoren und Fabrikanten unter dem Titel „Hasenpfeffer oder Die Erotik des Jägers“ zum Besten.

Abgerundet wurde der Gedichtvortrag kulinarisch durch Felice Buccis Wildschweinbraten mit Spätzle.

Die meisten Gedichte stammen aus dem Band „Hasenpfeffer“ von 1974 und behandeln das Thema „Jagd“ in all seinen Facetten. In diesem Sinne trat auch der Hegering Lüdenscheid als Mitveranstalter auf. Hermann Lausberg, der 14 Gedichtbände veröffentlichte, wusste als passionierter Jäger genau, wovon er schrieb, wie Rudolf Sparing berichtete. Dennoch liefert der 100seitige Gedichtband „Hasenpfeffer“ auch einen schlagkräftigen Beweis dafür, dass der Autor sein Hobby wie alles im Leben nicht gar so ernst nahm. Über die Unannehmlichkeiten, die der Jäger bei der Treibjagd über sich ergehen lässt und die er, wenn man ihn dazu zwänge, niemals in Kauf nehmen würde, dreht sich das Gedicht „Eigener Wille“, vorgetragen von Peter Zimmer. In „Das Sehvermögen“, rezitiert von Rudolf Sparing, sinniert dagegen ein 70-jähriger über sein immer schwächer werdendes Augenlicht, wobei es ihn deutlich trauriger stimmt, die holde Weiblichkeit nunmehr unscharf zu sehe, als die nachlassende Weitsicht auf der Jagd. Als charmantes Liebesgedicht kommt dagegen der kurze Vers „Das Pärchen“ daher, ebenfalls gekonnt interpretiert von Rudolf Sparing. Zwischendurch schummelte Peter Zimmer noch einen Vers von Fritz Eckenga ins heitere Programm, der durchaus auch von „Menelaos“, wie sich Hermann Lausberg nannte, hätte stammen können: „Der Wein war ein Gedicht“ schildert das promillereiche Drama eines Mannes, der sich immer weniger aufs Kochen, sondern lieber auf die Verkostung des süßen Weines konzentriert und zunehmend Sprachschwierigkeiten bekommt. Dieser Reim wurde zu einem der Höhepunkte des Abends, da Peter Zimmer den äußerst schwer vorzutragenden Text, der nur in Kombination mit akzentuierter Betonung und Interpretation seine volle Wirkung entfaltet, mit präzisem Timing meisterte. ▪ bot

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