„Hartz-IV-Spasti“ ist strafbar, sagt der Richter

Lüdenscheid - Oberamtsanwalt Lämmerhirt spricht von „erheblichem Terror“, einer „Flut von Nachrichten“ und sieht „die Grenze zur Nachstellung fast erreicht“. Für das, was der 27-jährige Koch sich geleistet hat, ist er mit 3600 Euro Geldstrafe noch einigermaßen gut bedient.

Das Urteil durch Strafrichter Thomas Kabus ergeht wegen Beleidigung in sieben und Bedrohung in drei Fällen.

Dabei stand der junge Mann im Frühjahr ‘14 vor einem hoffnungsvollen Anfang. Mit seiner Freundin aus dem Franken- ins Sauerland umgesiedelt, eine gemeinsame Wohnung gefunden, einen Job auch, die Zukunft scheint geritzt zu sein. Aber dann die Beziehungskrise, der Streit, ihr Zeigefinger, der auf die Ausgangstür weist. „Ich hatte kein Geld, keine Wohnung, kannte hier kaum jemanden, da bin ich durchgedreht und habe diesen Mist geschrieben.“

Und so verschickt er per SMS höchst unflätige Grußbotschaften an seine Ex-Freundin, nennt sie darin – hier nur die harmloseren Vokabeln – zum Beispiel „Hure“ oder „Hartz-IV-Spasti“ und kündigt unter anderem an: „Ich komme mit einer Knarre und dann baller’ ich dir die Fresse weg“. Und er werde „blutige Rache nehmen“. Die Adressatin dieser Worte fackelt nicht lange und erstattet Strafanzeige.

Doch sie muss nicht in den Zeugenstand. Das Geständnis des Kochs reicht den Prozessbeteiligten. Der Vertreter der Anklage sagt: „Die Situation mag für ihn schwierig gewesen sein, aber das entschuldigt gar nichts.“ Als die junge Frau den Gerichtssaal verlässt, ruft ihr Ex ihr hinterher: „War ‘ne blöde Aktion, Jenny! Tut mir leid!“ Zu spät. Die sieben Vorstrafen, unter anderem wegen Beleidigung, sprechen nicht für ihn. - von Olaf Moos

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare